Im Jahr 2023 verzeichnete die Kreuzfahrtbranche einen neuen Rekord von 31,7 Millionen Passagieren. Nach der Durststrecke während der Corona-Pandemie erlebt die Branche einen deutlichen Aufschwung. Rund die Hälfte der Passagiere kommt aus Nordamerika, gefolgt von Europa, was angesichts der in der Regel hohen Kosten für Kreuzfahrten nachvollziehbar ist. [1]
Kreuzfahrt-Emissionen: Wie schädlich sind sie
Kreuzfahrten sind besonders CO₂-intensiv. So entstehen bei einer siebentägigen Kanarenrundfahrt pro Person rund 0,95 Tonnen CO₂-Äquivalente, inklusive der An- und Abreise per Flugzeug. Die Emissionen können jedoch je nach Schiffsroute und Reiseklasse stark schwanken. [2]
Die Mehrheit der Kreuzfahrtschiffe fährt noch immer mit Schweröl, das sowohl einen hohen Gehalt an umweltschädlichem Schwefel aufweist als auch bei seiner Herstellung die Umwelt belastet. Zusätzlich tragen ungereinigtes Abwasser, Bioabfälle und Müll der Passagiere zur Meeresverschmutzung bei. Gelangt Öl oder Abfall ins Meer, kann dies erhebliche Schäden im marinen Ökosystem verursachen. [3]
Maßnahmen gegen Kreuzfahrt-Emissionen: Landstrom und Schiffsverbote
Die EU hat die Landstrom-Pflicht für Kreuzfahrtschiffe ab 2030 eingeführt. Damit können Schiffe im Hafen Energie aus externen Quellen – am besten aus erneuerbaren Energien – beziehen, anstatt auf Kraftstoffgeneratoren angewiesen zu sein. Dies trägt wesentlich zur Reduktion von Emissionen bei. In Hamburg steht diese Möglichkeit bereits zur Verfügung, sofern die Schiffe dafür entsprechend ausgerüstet sind. [4]
Die Verbannung großer Kreuzfahrtschiffe stellt bislang die effektivste Maßnahme zur Bekämpfung der Hafenverschmutzung dar, wie die Fälle in Venedig, Amsterdam und Griechenland demonstrieren. Auch andere Regulierungen, wie die UN-Schwefelregelung für Schweröl, führen nur zu geringfügigen Verbesserungen, da Schweröl trotz eines reduzierten Schwefelgehalts nach wie vor stark umweltschädlich ist. [5]
Strategien zur Reduktion von Emissionen in der Schifffahrt
Norwegische Reedereien setzen in der grünen Schifffahrt auf Batterien sowie Solar- und Windsegel, die jedoch für große internationale Schiffe nicht praktikabel sind. Um den CO₂-Ausstoß um 15–20 % zu verringern, setzen viele Unternehmen stattdessen auf Flüssiggas (LNG). LNG ist jedoch aufgrund seines hohen Methananteils kurzfristig extrem klimaschädlich. Kreuzfahrtschiffe tragen zu enormen Methinausstößen bei, die mit denen von tausenden Kühen vergleichbar sind. [6]
Die EU-Kommission hat eine Konsultation gestartet, in der Politiker, Reeder, Umweltverbände und Schiffbauer vier Maßnahmen zur Emissionsreduktion diskutieren sollen: Kompensationsfonds, Steuer, technische Investitionen oder die Einbeziehung in das Emissionshandelssystem. Obwohl die ETS-Option momentan nicht Priorität hat, macht die Kommission deutlich: Die Senkung der klimaschädlichen Emissionen der Seeschifffahrt wird konsequent verfolgt, und die Branche sollte sich aktiv in die Diskussion einbringen. [7]
Die Grenzen der Nachhaltigkeit bei Kreuzfahrten
Natürlich ist es denkbar, dass Schiffe in der Zukunft aus einem möglichen Überfluss an erneuerbaren Energien gespeist werden und Müll besser vermeiden als heute. Es kann niemals „nachhaltig“ sein, eine schwimmende Stahlstadt zu erschaffen und zu bewegen, um tausenden von Menschen eine Luxusreise über die Weltmeere zu ermöglichen. [8]
E-Methanol als klimafreundlicher Schiffskraftstoff: Potenzial und Perspektiven
Als zukünftiger Schiffskraftstoff kommt Methanol in Betracht, da es klimaneutral produziert werden kann, bei Umgebungstemperatur flüssig ist, leicht zu transportieren und zu lagern ist und ein relativ geringes Umweltrisiko aufweist.[9]
Wie wird E-Methanol produziert?
E-Methanol wird in einem Synthesizer unter Verwendung von CO₂ und grünem Wasser hergestellt, das aus industriellen, biogenen oder atmosphärischen Quellen stammt und durch Wasserelektrolyse mit erneuerbarer Energie erzeugt wird. [10]
Das Interesse an Methanol als Schiffstreibstoff nimmt zu, vorangetrieben durch große Reedereien. Trotz fortgeschrittener Produktion grünen Methanols bestehen Unsicherheiten über dessen Verfügbarkeit im industriellen Maßstab. Ein zentrales Hindernis sind die hohen Kosten, insbesondere für Betrieb und Anschaffung von Elektrolyseuren. [11] In der Zukunft wird die Nachfrage nach grünem Methanol zunehmen. Es wird vorhergesagt, dass die Produktion bis 2050 auf jährlich 500 Millionen Tonnen ansteigen wird. Bei der Produktion von grünem bzw. E-Methanol kommen regenerative Energien zum Einsatz. Das CO₂ wird dabei aus erneuerbaren biogenen Quellen gewonnen oder durch direkte Luftabscheidung (DAC) extrahiert. Es wird außerdem aus grünem Wasserstoff produziert, der mittels erneuerbarer Energie gewonnen wird. Für die Herstellung von Methanol aus Biomasse sowie aus CO₂ und H₂ werden keine experimentellen Technologien benötigt. Anstelle dessen kommen nahezu identische, erprobte und vollständig kommerzialisierte Verfahren zur Anwendung, die auch bei der Produktion von Methanol aus fossilem Synthesegas verwendet werden. Auch die Herstellung von E‑Methanol kann mit diesen bewährten Technologien erfolgen. [12]
E-Methanol weist eine hohe volumetrische Energiedichte auf und ist einfach zu handhaben. Grünes Methanol ist entscheidend, um Emissionen zu reduzieren. Es wird jedoch erwartet, dass sich in der Schifffahrt mehrere alternative Kraftstoffe parallel etablieren werden, basierend auf Faktoren wie Schiffstyp, Fahrtroute, Produktionskapazitäten, Kosten, Akzeptanz und regulatorischen Anforderungen. Als praktikable Option zur Verringerung von Emissionen wird Methanol erörtert. [13] Aber die zukünftige Verwendung von grünem Methanol ist stark von der globalen Verfügbarkeit von Kraftstoff und Hafeninfrastruktur abhängig. Der jährliche Methanolbedarf in Deutschland wird auf etwa 5,73 Millionen Tonnen geschätzt, was dem aktuellen Dieselverbrauch von 2,94 Millionen Tonnen pro Jahr ähnelt. [14]
Grünes Methanol demonstriert die technische Machbarkeit einer klimafreundlicheren Schifffahrt und deren Potenzial zur signifikanten Verringerung von CO₂-Emissionen. Zugleich wird klar, dass in der Kreuzfahrt Nachhaltigkeit nur teilweise zu erreichen ist und es eines Mix aus Technologien, Infrastruktur und politischen Maßnahmen bedarf, um die Branche auf lange Sicht umweltfreundlicher zu machen. Methanol kann eine wichtige Funktion einnehmen, ist aber nur ein Bestandteil eines ganzheitlichen Lösungsansatzes.
Kreuzfahrten umweltfreundlicher gestalten? Du kannst auch! Wähle ein Schifffahrtsunternehmen, das auf saubere Antriebe wie grünes Methanol setzt, gehe sparsam mit Energie und Ressourcen um, z. B. Einwegplastik vermeiden und Licht ausschalten, wenn du die Kabine verlässt, und entscheide dich währenddessen für möglichst nachhaltige Ausflüge, die die Natur und lokale Gemeinschaften schonen, z. B. Wanderungen in Nationalparks und Küstenradtouren.
Fußnoten:
[1] Bauer (2024). Wie schlimm sind Kreuzfahrt-Schiffe wirklich?
[2] Umweltbundesamt (2024). Wie klimaschädlich sind Flugreisen und Kreuzfahrten?.
[3] Mediengruppe (2025). Wie umweltschädlich sind Kreuzfahrten wirklich? Zahlen überraschen
[4] Mediengruppe (2025). Wie umweltschädlich sind Kreuzfahrten wirklich? Zahlen überraschen
[5] Bauer (2024). Wie schlimm sind Kreuzfahrt-Schiffe wirklich?
[6] Bauer (2024). Wie schlimm sind Kreuzfahrt-Schiffe wirklich?
[7] DVZ Deutsche Verkehrs-Zeitung (2012). Kommission hält Kurs: Beim Klimaschutz auf See steht nur das Wie zur Debatte – nicht das Ob
[8] Bauer (2024). Wie schlimm sind Kreuzfahrt-Schiffe wirklich?
[9] Dingfeld et al. (2025). Grünes Methanol als alternativer Schiffskraftstoff, S. 54
[10] Dingfeld et al. (2025). Grünes Methanol als alternativer Schiffskraftstoff, S.42
[11] Dingfeld et al. (2025). Grünes Methanol als alternativer Schiffskraftstoff, S. 52
[12] Dingfeld et al. (2025). Grünes Methanol als alternativer Schiffskraftstoff, S. 39
[13] Dingfeld et al. (2025). Grünes Methanol als alternativer Schiffskraftstoff, S. 52
[14] Dingfeld et al. (2025). Grünes Methanol als alternativer Schiffskraftstoff, S. 54
Quellenverzeichnis:
Bauer, E. (2024, Juli 10). Wie schlimm sind Kreuzfahrt-Schiffe wirklich?. Moment.at. https://www.moment.at/story/kreuzfahrt-schiffe-klima-schlimm/ [Letzter Zugriff 10.11.2025]
Dingfeld, F., Fitz, A., Kazemi Esfeh, S., Schwedt, T., Simon-Schultz, M. J., Teske, T., & Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e. V. (DLR). (2025). Grünes Methanol als alternativer Schiffskraftstoff. In Greenpeace e. V., Eine Betrachtung Der in Deutschland Fahrenden Schiffe. https://www.greenpeace.de/publikationen/20250403_Studie_Gruenes_Methanol.pdf
DVZ Deutsche Verkehrs-Zeitung. (2012, März 22). Kommission hält Kurs: Beim Klimaschutz auf See steht nur das Wie zur Debatte – nicht das Ob. 35. DVV Media Group GmbH. [Letzter Zugriff 10.11.2025]
Mediengruppe, F. (2025, August 27). Wie umweltschädlich sind Kreuzfahrten wirklich? Zahlen überraschen. Hamburger Abendblatt. https://www.abendblatt.de/ratgeber-wissen/reise/article406127965/wie-umweltschaedlich-sind-kreuzfahrten-wirklich-zahlen-ueberraschen.html [Letzter Zugriff 11.11.2025]
Umweltbundesamt (2024, Dezember 4). Wie klimaschädlich sind Flugreisen und Kreuzfahrten?. https://www.umweltbundesamt.de/service/uba-fragen/wie-klimaschaedlich-sind-flugreisen-kreuzfahrten (Letzter Zugriff 15.11.2025]
Sonya Shtereva
Das Schreiben begeistert mich, weil es mir die Möglichkeit bietet, komplexe gesellschaftliche und politische Themen greifbar zu machen und unterschiedliche Perspektiven zusammenzuführen. Als Studentin der Publizistik- und Kommunikationswissenschaft interessiere ich mich besonders für aktuelle Entwicklungen – etwa im Bereich Umwelt, Gesellschaft und Politik – und nutze das Schreiben, um meine Recherchen und Überzeugungen fundiert und reflektiert einzubringen.