Was versteht man unter der „Planetary Health Diet“? (von Sonya Shtereva)

Das globale Ernährungssystem und seine gesundheitlichen Folgen

Im Anthropozän (Phase, in der menschliche Aktivitäten (Industrie, Landwirtschaft, Urbanisierung) das Klima, die Atmosphäre, die Ozeane und die Biosphäre stärker prägen als natürliche Prozesse [1]) werden die schädlichen Auswirkungen industrieller Produktions- und Konsumgewohnheiten immer deutlicher, insbesondere im globalen Ernährungssystem, das eine der zentralen Herausforderungen für Umwelt und öffentliche Gesundheit darstellt. Fehlernährung (eine falsche Ernährung, bei der die Nährstoffaufnahme quantitativ (zu viel oder zu wenig Kalorien) und/oder qualitativ (Mangel an Vitaminen, Mineralstoffen etc.) nicht den Körperbedürfnissen entspricht)  ist ein bedeutender Faktor für vorzeitige Sterbefälle und trägt zu chronischen Erkrankungen wie Adipositas, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und bestimmten Krebsarten bei. [2]

Eine Umstellung auf überwiegend pflanzenbasierte Ernährungsweisen mit geringem Anteil an Lebensmitteln tierischen Ursprungs könnte die Emissionen des Lebensmittelsektors erheblich senken und gleichzeitig die weltweite Belastung durch nichtübertragbare Krankheiten reduzieren. [3]

Die Planetary Health Diet als globales Ernährungskonzept

Im Jahr 2019 wurde die Planetary Health Diet (PHD) als ein globales Konzept für eine gesundheitsfördernde Ernährung im Einklang mit den planetaren Grenzen entwickelt. Rund 30 Wissenschaftler*innen aus 16 Ländern bilden die EAT-Lancet-Kommission, die darlegt, wie man die zukünftige Weltbevölkerung von 10 Milliarden Menschen im Jahr 2050 innerhalb der ökologischen Belastungsgrenzen der Erde mit einer gesundheitsfördernden Ernährung versorgen kann. Die PHD wurde als globale Referenzernährung konzipiert, um als Orientierung für nationale lebensmittelbezogene Ernährungsempfehlungen (FBDG- Food-Based Dietary Guidelines) verwendet zu werden. [4]

Die planetare Ernährung stellt einen integrierten Ansatz dar, der sowohl die Verhütung chronischer Krankheiten als auch den Schutz der planetaren Grenzen zum Ziel hat. Sie legt Wert auf eine vorwiegend pflanzenbasierte Ernährung, bei der tierische Produkte und hochverarbeitete Lebensmittel nur in geringem Umfang konsumiert werden. Um nachhaltige Ernährungssysteme zu fördern, gesundheitliche Ungleichheiten abzubauen und die Umweltbelastung zu verringern, ist der Übergang vom globalen Denken zum lokalen Handeln entscheidend. Die planetare Ernährung bietet sich somit als vielversprechendes Mittel für eine zukunftstaugliche Präventionsstrategie im Bereich der öffentlichen Gesundheit an. [5] Der Name “Planetary Health Diet” kombiniert das englische Wort „eat“ (auf Deutsch: essen) mit „Lancet“, dem Titel einer angesehenen medizinischen Fachzeitschrift. [6]

Der DGE-Ernährungskreis als Instrument der Ernährungskommunikation

Im März 2024 gab die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) die DGE-Empfehlungen „Gut essen und trinken“ sowie den DGE-Ernährungskreis in ihrer derzeit gültigen Version heraus. Das Ableitung gründet sich auf ein mathematisches Optimierungsmodell, das neben der Nährstoffversorgung auch Gesundheits- und Umweltaspekte sowie den in Deutschland beobachteten Verzehr berücksichtigt. Bei der Kommunikation wird Wert auf die wesentlichen qualitativen Kernbotschaften gelegt, wie etwa „pflanzenbetont essen“.  [7]

Was bewirken nachhaltige Ernährungsempfehlungen für die Umwelt?

Erste Bewertungen im Auftrag des Umweltbundesamtes (UBA) weisen darauf hin, dass nachhaltige Ernährungsempfehlungen (DGE und PHD) einen wirksamen Beitrag zur Verringerung der Umweltbelastung im Vergleich zur gegenwärtig durchschnittlichen Ernährungsweise in Deutschland leisten können.

  • Verminderung Emissionen von Treibhausgasen
  • Erweiterte Absicherung der biologischen Vielfalt 
  • Reduzierte Flächennutzung für Agrarwirtschaft 
  • Erwarteter Anstieg des Wasserverbrauchs aufgrund des höheren Bedarfs an Obst, Gemüse und Nüssen [8]

Praktische Umsetzung der Planetary Health Diet im Alltag

Hülsenfrüchte sind geschmacklich konkurrenzfähig, und als Fleischalternative gibt es eine Vielzahl von Produkten wie Burger, Geschnetzeltes und Faschiertes auf Basis von Bohnen oder Lupinen. Unsere Essgewohnheiten werden durch die Planetary Health Diet auf den Kopf gestellt, und der Darm wird herausgefordert. Bei einer empfindlichen Verdauung sollten Linsen, Bohnen, Erbsen und Kichererbsen zu Beginn nur in kleinen Mengen, aber regelmäßig auf dem Speiseplan stehen. Das Mikrobiom im Darm verändert sich durch die langsame Steigerung, wodurch die Verdauung zunehmend leichter fällt. Gewürze wie Kümmel, Ingwer, Koriander, Chili, Rosmarin, Thymian und Salbei tragen dazu bei, dass Hülsenfrüchte besser vertragen werden können. Keimlinge stellen eine Option dar: Bei Linsensprossen und Mungbohnensprossen sind die blähungsfördernden Substanzen deutlich verringert. [9]

Selbst wenn die Umsetzung des Planetary Health Diet nicht perfekt ist – je näher wir dieser Ernährungsweise kommen, desto gesünder ist es. In den „blauen Zonen“ der Erde finden sich Beispiele für den Erfolg, zu diesen Regionen, in denen die Menschen einen überdurchschnittlichen Alterungsprozess erfahren und sich bester Gesundheit erfreuen, zählen Sardinien und die griechische Insel Ikaria. Typisch ist eine mediterrane Ernährung, die viel Gemüse, Getreide, Hülsenfrüchte und Kartoffeln enthält. Auch Fleisch- und Milchprodukte von Weidetieren mit höherer Omega-3-Fettsäuregehalten sind Teil dieser Kost. Das deutet auf den Verzehr von tierischen Produkten (Milch, Fleisch) aus Weidehaltung hin – idealerweise in Bio-Qualität. [10]

Kleine Schritte, mit denen Sie beginnen können: Ersetze ein- bis zweimal pro Woche Fleisch durch pflanzliche Alternativen wie Hülsenfrüchte, Linsen oder Bohnen. Selbst kleine Anpassungen der Ernährung können einen merklichen Beitrag zur eigenen Gesundheit und zum Schutz unseres Planeten leisten! 

[1] Bendel, O. (2025, Juni 13). Anthropozän

[2] Selvik, H. A., & Fullilove, R. E. (2020). From Global Thinking to Local Action: The Planetary Diet as Chronic Disease Prevention. S. 424 

[3] Klapp, A.-L., Wyma, N., Alessandrini, R., Ndinda, C., Perez-Cueto, A., & Risius, A. (2025). Recommendations to address the shortfalls of the EAT–Lancet planetary health diet from a plant-forward perspective. S. e23

[4] DGE/ÖGE. (2025). Länderspezifisch versus global Kategorie DGE-Empfehlungen Planetary Health Diet (PHD)

[5] Selvik, H. A., & Fullilove, R. E. (2020). From Global Thinking to Local Action: The Planetary Diet as Chronic Disease Prevention.  S. 424

[6] DAK Onlineredaktion. (2025, November 17). Ernährungsformen

[7] DGE/ÖGE. (2025). Länderspezifisch versus global Kategorie DGE-Empfehlungen Planetary Health Diet (PHD).  

[8] DGE/ÖGE. (2025). Länderspezifisch versus global Kategorie DGE-Empfehlungen Planetary Health Diet (PHD)

[9] DIE UMWELTBERATUNG.  (2025, Oktober 22) Anleitung Planetary Health Diet 

[10] DIE UMWELTBERATUNG.  (2025, Oktober 22). Anleitung Planetary Health Diet

Quellen: 

[1] Bendel, O. (2025, Juni 13). Anthropozän. Gabler Wirtschaftslexikon. https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/anthropozaen-125567  [Letzter Zugriff: 07.01.2026]

[2] Selvik, H. A., & Fullilove, R. E. (2020). From Global Thinking to Local Action: The Planetary Diet as Chronic Disease Prevention. Public Health Reports (1974), 135(4), 424–427. https://doi.org/10.1177/0033354920935070 

[3] Klapp, A.-L., Wyma, N., Alessandrini, R., Ndinda, C., Perez-Cueto, A., & Risius, A. (2025). Recommendations to address the shortfalls of the EAT–Lancet planetary health diet from a plant-forward perspective. The Lancet. Planetary Health, 9(1), e23–e33. https://doi.org/10.1016/S2542-5196(24)00305-X 

[4] DGE/ÖGE. (2025). Länderspezifisch versus global Kategorie DGE-Empfehlungen Planetary Health Diet (PHD)

[5] Selvik, H. A., & Fullilove, R. E. (2020). From Global Thinking to Local Action: The Planetary Diet as Chronic Disease Prevention. Public Health Reports (1974), 135(4), 424–427. https://doi.org/10.1177/0033354920935070 

[6] DAK Onlineredaktion. Ernährungsformen. (2025, November 17). DAK Gesundheit Home. https://www.dak.de/dak/gesundheit/essen-trinken/ernaehrungsformen/dak-planetary-health-diet_89724#rtf-anchor-was-ist-die-planetary-health-diet [Letzter Zugriff: 09.01.2026]

[7] DGE/ÖGE. (2025). Länderspezifisch versus global Kategorie DGE-Empfehlungen Planetary Health Diet (PHD).  

[8] DGE/ÖGE. (2025). Länderspezifisch versus global Kategorie DGE-Empfehlungen Planetary Health Diet (PHD)

[9] DIE UMWELTBERATUNG. (2025, Oktober 22). Anleitung Planetary Health Diet. https://www.umweltberatung.at/planetary-health-diet [Letzter Zugriff: 08.01.2026]

[10] DIE UMWELTBERATUNG. (2025, Oktober 22). Anleitung Planetary Health Diet. https://www.umweltberatung.at/planetary-health-diet  [Letzter Zugriff: 08.01.2026]


Sonya Shtereva

Das Schreiben begeistert mich, weil es mir die Möglichkeit bietet, komplexe gesellschaftliche und politische Themen greifbar zu machen und unterschiedliche Perspektiven zusammenzuführen. Als Studentin der Publizistik- und Kommunikationswissenschaft interessiere ich mich besonders für aktuelle Entwicklungen – etwa im Bereich Umwelt, Gesellschaft und Politik – und nutze das Schreiben, um meine Recherchen und Überzeugungen fundiert und reflektiert einzubringen.

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