Das Problem mit dem Mikroplastik

Plastik ist aus unserem modernen Leben beinahe nicht mehr wegzudenken. 

Der Kochlöffel, die Einweg-Verpackungen und auch die Polyester-Jacke – alles aus Plastik. 

Das ist aber leider nicht unproblematisch, da konventioneller Kunststoff einerseits aus Erdöl, also einem nicht-erneuerbaren Rohstoff hergestellt wird und andererseits durch Abnutzung zu Mikroplastik werden kann. 

Was ist Mikroplastik eigentlich?

Als Mikroplastik gelten Kunststoffteilchen kleiner als 5 Millimeter [1].

Wenn man sich die Entstehung ansieht, kann man es in primär und sekundär unterteilen: Primäres Mikroplastik wird absichtlich in dieser Größe hergestellt, da es als Produkt oder als Zusatz in einem Produkt einen bestimmten Zweck erfüllt. Es findet sich z.B. in Farben, Reinigungsmitteln und Kosmetika (z.B. als Glitzer) wieder. 

Demgegenüber steht sekundäres Mikroplastik, welches durch Zerfall, Abrieb, Abnutzung und Zerkleinerung von größeren Kunststoffen entsteht [1].

Mikroplastik wurde bereits in allen Regionen und Ökosystemen auf der Welt nachgewiesen, sogar in der Antarktis [2]. Aber was bedeutet das für uns und die Natur?

Auswirkungen von Mikroplastik

Aufgrund der geringen Größe der Kunststoffteilchen gelangt Mikroplastik durch die Verbreitung im Wasser und in den Böden über Tiere, Pflanzen und Lebensmittel in unsere Nahrungskette. Wir nehmen Mikroplastik aber auch über die Luft auf [2] [3].

Studien zufolge können sich Schadstoffe und Krankheitserreger auf Mikroplastik anreichern. Es wurde bereits nachgewiesen, dass Mikroplastik Immun- und Entzündungsreaktionen hervorrufen kann [1]. 

Die langfristigen Auswirkungen von Mikroplastik auf die menschliche Gesundheit und die Umwelt sind aber noch nicht ausreichend erforscht und die davon ausgehende Gefahr ist noch nicht abschätzbar. Im Sinne des Vorsorgeprinzips und aufgrund bisheriger Studien, die auf mögliche Gefahren hinweisen, sind Maßnahmen zur Vermeidung von Mikroplastik zu unterstützen [2].

Auch für Tiere ist Mikroplastik in vielerlei Hinsicht ein Problem. 

Während Meerestiere besonders unter der Plastikverschmutzung der Meere leiden, indem sie Makrokunststoffe (= größere Kunststoffe, z.B. Plastiksackerl, Netze, usw.) mit Nahrung verwechseln, sich verheddern oder daran verletzen, stellt auch explizit Mikroplastik ein Problem dar. Finnwale, die Plankton aus dem Wasser filtern, nehmen dabei gleichzeitig auch viele Schadstoffe (wie z.B. Weichmacher) auf, die in Mikroplastik an das Plankton gebunden waren [4]. 

Bodentiere (z.B. Regenwürmer) werden durch Mikroplastik im Boden beim Fortbewegen behindert. Außerdem verwechseln sie es häufig mit Nahrung, was ihre Verdauungsorgane schädigen kann, wodurch die Tiere allgemein weniger fit werden [5].

Auch weisen Studien darauf hin, dass sich Mikroplastik im Boden negativ auf das Pflanzenwachstum auswirken kann und die Pflanzen möglicherweise schädliche Kunststoff-Additive aufnehmen, wodurch diese wiederum in unsere Nahrung gelangen [5].

Wie kommt Mikroplastik in die Umwelt und wie lässt sich das verhindern? 

Wir wissen jetzt also, dass Mikroplastik ein Problem für uns und unsere Umwelt darstellt. Daher ist es wichtig, den Eintrag von Mikroplastik in die Umwelt möglichst zu verhindern. Zu den bedeutendsten Mikroplastik-Quellen zählen Reifen- und Asphalt-Abrieb, die Behandlung von Kunststoffabfällen und Verluste von Kunststoffpellets in der Produktion. Es gibt aber auch viele Bereiche, wo wir als Einzelpersonen zur  Vermeidung beitragen können [6].

Die Freisetzung von Mikroplastik durch Reifenabrieb lässt sich nicht ganz verhindern, aber durch eine spritsparende und reifenschonende Fahrweise kann der Abrieb und damit die Entstehung von Mikroplastik zumindest reduziert werden. Darüber hinaus verursachen klimafreundlichere Mobilitätsformen wie Radfahren, zu Fuß gehen und öffentliche Verkehrsmittel deutlich weniger Mikroplastik als ein privater PKW [6]. 

Wie bereits erwähnt, stammt ein großer Teil des Mikroplastiks aus der Abfallbehandlung, besonders aus dem Kunststoffrecycling und der Kompostierung [6]. Zwar trennt in Österreich die Mehrheit der Bevölkerung ihren Abfall [7], trotzdem kommt es häufig zu Fehlwürfen und somit zu Kunststoffen im Biomüll, was langfristig zu einer Anreicherung von Mikroplastik im Kompost und in weiterer Folge unseren Böden führt [6]. 

Deswegen gehört betont, dass verdorbene Lebensmittel nur ohne Verpackung und Etikett in den Biomüll gehören und dass Bioplastik nicht im Biomüll, sondern in der gelben Tonne entsorgt werden muss. Die Begriffe rund um Bioplastik lassen sich leicht missverstehen, deswegen erklärt hier die Abfallberatung der Stadt Wien, was Bioplastik ist und weswegen es nicht in den Biomüll gehört: https://abfallberatung.wien.gv.at/biokunststoffe/

Während sich manche Mikroplastik-Einträge aktuell nicht vollkommen verhindern lassen, können wir als Konsument:innen beim Einkaufen darauf achten, ob Produkte Mikroplastik enthalten und stattdessen mikroplastikfreie Alternativen kaufen. 

Hierbei hilft einem die App CodeCheck (https://www.codecheck.info/). Mit ihr kann man überprüfen, welche Inhaltsstoffe enthalten sind und wie sie sich auf Mensch und Umwelt auswirken. 

Außerdem gibt es Produktlabels, die mikroplastikfreie Produkte markieren. In diesem Beitrag von Utopia (https://utopia.de/siegel/mikroplastik-siegel/#google_vignette) werden verschiedene Mikroplastik-Labels vorgestellt und erklärt, was sie genau aussagen.

Es hilft auch, so gut wie möglich verpackungsfrei einzukaufen, da dadurch weniger Kunststoffverpackungen in die Umwelt gelangen können und weniger Kunststoffabfälle behandelt werden müssen. In diesem Guide von ZeroWasteAustria (https://www.zerowasteaustria.at/verpackungsfrei-einkaufen-in-wien.html) finden sich die besten Geschäfte für einen verpackungsfreien Einkauf in Wien. 

Selbst im Kleiderschrank finden sich Mikroplastikquellen. Bei jedem Waschgang von Kleidung aus synthetischen Stoffen (Polyester, Polyacryl, usw.) lösen sich zahlreiche Kunststofffasern ins Wasser. Deswegen sind Kleidungsstücke aus 100% Naturfasern wie Baumwolle und Leinen zu bevorzugen. Es ist auch erwiesen, dass Weichspüler die Menge an freiwerdendem Mikroplastik erhöht, weswegen von deren Verwendung abgeraten wird [6]. 

Zwar wird der größte Teil des Mikroplastiks Expert*innen zufolge in der Kläranlage bei der Abwasserreinigung zurückgehalten, dafür verbleibt es aber im Klärschlamm, der als Düngemittel in der Landwirtschaft eingesetzt wird [8]. Die positive Nachricht hierbei ist, dass Klärschlamm in Zukunft verpflichtend verbrannt wird und somit das Mikroplastik und andere Umweltschadstoffe nicht mehr in die Umwelt gelangen [9].

In der Küche ist es für die Umwelt und die eigene Gesundheit gut, Kochlöffel und Pfannenwender aus Holz, und Schüsseln sowie andere Behältnisse aus Glas oder Metall zu verwenden, da sich durch heiße Temperaturen Schadstoffe aus dem Kunststoff lösen können und durch die Abnutzung Mikroplastik entsteht [10]. 

Genauso sind Schneidebretter aus Plastik durch die scharfen Messerklingen eine Mikroplastik-Quelle [11]. Auch hier eignet sich als Alternative Holz, welches mit guter Pflege und bei trockener Lagerung lange verwendet werden kann. 

Auch Teflon-Pfannen haben schon seit geraumer Zeit einen schlechten Ruf, da sich aus der Beschichtung Mikro- und Nanoplastik lösen kann und bei einer Überhitzung giftige Gase entstehen können [12]. 

Eine wesentliche Quelle von Mikroplastik ist Littering (= achtloses Wegwerfen von Abfall wie z.B. Verpackungsmüll und Plastiksackerl). Durch die Einwirkung von Sonne, Wasser, Kälte und Hitze wird der Kunststoff über die Zeit spröde und Mikroplastik löst sich heraus, welches sich in der Natur ansammelt [1].

Daher sollten wir alle darauf achten, keinen Müll achtlos in die Natur zu werfen oder an öffentlichen Plätzen zu hinterlassen. Zusätzlich kann man sich auch an Clean Ups bzw. Aufräumaktionen beteiligen. Das kann man alleine machen, wenn einem auffällt, dass jemand Müll liegen gelassen hat, man kann sich aber auch als Gruppe mal für eine Stunde treffen und Hotspots, wo besonders häufig gelittert wird, sauber machen. 

In Österreich gibt es außerdem in allen Bundesländern jährliche “Frühjahrsputz”-Aktionen, wo in einem vorgegebenen Zeitraum im Frühjahr zum Wegräumen von achtlos weggeworfenen Abfällen aufgerufen wird, bei denen jede:r mitmachen kann [13].

Politische Maßnahmen 

Obwohl in Zukunft noch viel Forschung zum Thema Mikroplastik notwendig ist, werden dennoch bereits politische Maßnahmen ergriffen. Zum einen gibt es die Einwegkunststoffrichtlinie, die das Inverkehrbringen von gewissen Kunststoffprodukten verbietet und als Ziel einen reduzierten Einsatz von Einwegkunststoffverpackungen verfolgt [14]. Passend dazu gibt es seit 2025 ein Einwegpfandsystem in Österreich, womit Littering von Plastikflaschen verhindert werden soll. 

Wie bereits erwähnt, wird ab 2033 aufgrund einer neuen Abfallverbrennungsverordnung Klärschlamm verbrannt, womit die Nutzung als Düngemittel in Österreich ein Ende hat [9].

Zudem wurde 2023 eine neue EU-Verordnung verabschiedet. Diese untersagt einerseits den Verkauf von Mikroplastik als Produkt an sich und andererseits den Verkauf von Produkten, denen absichtlich Mikroplastik hinzugefügt wurde und die in der Nutzungsphase dann dieses Mikroplastik freigeben. Dieses Verbot betrifft zum Beispiel Kosmetika, Reinigungsmittel, aber auch Granulat für künstliche Sportböden [15]. 

Fazit

Kunststoff an sich ist nicht böse. Es gibt viele sinnvolle Einsatzmöglichkeiten, wie z.B. in der Medizin oder in Transportmitteln [16]. Aber durch die derzeitige Nutzung von Plastik, als Einwegverpackungen oder in kurzlebigen Produkten, ist der Schaden größer als der Nutzen bzw. ist der potentielle Schaden aktuell nicht einmal komplett vorhersehbar. 

Der eigenen Gesundheit und der Umwelt zuliebe ist es wichtig, sich bewusst zu sein, dass Mikroplastik ein Problem ist und wir dagegen vorgehen müssen. 

Zum Weiterlesen: 

Um sich weiter zu informieren empfiehlt sich die Website vom bündnis mikroplastikfrei https://www.mikroplastikfrei.at/ 

Literaturverzeichnis

AGES (o.J.) Mikroplastik. https://www.ages.at/mensch/ernaehrung-lebensmittel/rueckstaende-kontaminanten-von-a-bis-z/mikroplastik (Letzter Zugriff: 01.12.2025)

Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (2024). Neue Klärschlamm-Verordnung gegen Mikroplastik in der Landwirtschaft. https://infothek.bmimi.gv.at/neue-klaerschlamm-verordnung-gegen-mikroplastik-in-der-landwirtschaft/ (Letzter Zugriff: 01.12.2025)

Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (2024). Kunststoffe, Mikroplastik und deren Inhaltsstoffe im Boden. Fachbeirat für Bodenfruchtbarkeit und Bodenschutz. https://www.bmluk.gv.at/dam/jcr:22854318-444b-493e-9b80-b8c103f68e4a/Brosch%C3%BCre%20Kunststoffe%20Mikroplastik.pdf (Letzter Zugriff: 01.12.2025)

Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (o.J. a). Mülltrennung in Österreich – Befragung der Bevölkerung. https://www.bmluk.gv.at/themen/klima-und-umwelt/abfall-und-kreislaufwirtschaft/kreislaufwirtschaft/trennung-von-abfaellen/oesterreich.html (Letzter Zugriff: 26.11.2025)

Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (o.J. b). Einwegkunststoffrichtlinie. https://www.bmluk.gv.at/themen/klima-und-umwelt/abfall-und-kreislaufwirtschaft/recht/einwegkunststoffrichtlinie.html (Letzter Zugriff: 01.12.2025)

Europäische Kommission (o.J.). Neue Regeln zur Beschränkung von bewusst zugesetztem Mikroplastik.https://germany.representation.ec.europa.eu/neue-regeln-zur-beschrankung-von-bewusst-zugesetztem-mikroplastik-0_de (Letzter Zugriff: 01.12.2025)

Himani, Y., Khan, M. R. H., Quadir, M., Rusch, K. A., Mondal, P. P., Orr, M., Xu E. G. und Iskander, S. M. (2023). Cutting Boards: An Overlooked Source of Microplastics in Human Food? Environmental Science & Technology 2023 57 (22), 8225-8235. DOI: 10.1021/acs.est.3c00924 

ORF (2025). Kläranlagen entfernen Großteil von Mikroplastik. https://science.orf.at/stories/3232893/ (Letzter Zugriff: 01.12.2025)

Umweltberatung (o.J.) Quellen von Mikroplastik: Mikroplastik von Kleidung und Putztüchern, Mikroplastik vermeiden durch umweltfreundliche Mobilität, Mikroplastik vermeiden bei Gartenabfällen und Kompost. https://www.umweltberatung.at/mikroplastik-quellen (Letzter Zugriff: 03.12.2025)

Umweltbundesamt Deutschland (2025). Mikroplastik. https://www.umweltbundesamt.de/themen/gesundheit/umwelteinfluesse-auf-den-menschen/chemische-stoffe/mikroplastik#wo-kommt-mikroplastik-vor-und-wie-nimmt-der-mensch-es-auf (Letzter Zugriff: 30.11.2025)

Umweltbundesamt Österreich (o.J.). Was ist Mikroplastik? https://www.umweltbundesamt.at/umweltthemen/stoffradar/was-ist-mikroplastik (Letzter Zugriff: 26.11.2025)

Umweltbundesamt Österreich (2020). Littering in Österreich. https://www.umweltbundesamt.at/fileadmin/site/publikationen/rep0730.pdf (Letzter Zugriff: 01.12.2025)

Universität für Bodenkultur (o.J.). Plastic Age – Forever? https://boku.ac.at/boku-it/themen/media-services/videoproduktion/plastic-age-forever (Letzter Zugriff: 26.11.2025)

Verbraucherzentrale NRW (2025). Pfanne mit Antihaft-Beschichtung gesundheitsschädlich? https://www.verbraucherzentrale.nrw/wissen/projekt-schadstoffberatung/schadstoffberatung-kuechenutensilien-lebensmittelverpackungen/pfanne-mit-antihaftbeschichtung-gesundheitsschaedlich-50076 (Letzter Zugriff: 01.12.2025)

Wu Y. und Li J. (2024). Considering the health hazards associated with the growing prevalence of plastic kitchen utensils. https://the-innovation.org/data/article/medicine/preview/pdf/XINNMEDICINE-2024-0007.pdf (Letzter Zugriff: 01.12.2025)

WWF (2025). Wie Plastikmüll sich auf die Vielfalt der Meerestiere auswirkt. 

https://www.wwf.de/themen-projekte/plastik/auswirkungen-von-plastikmuell-auf-arten (Letzter Zugriff: 01.12.2025)

[1] UBA Österreich, o.J.

[2] UBA Deutschland, 2025

[3] AGES, o.J.

[4] WWF, 2025

[5] BMLUK, 2024

[6] Umweltberatung, o.J. a

[7] BMLUK o.J. a

[8] ORF, 2025

[9] BMIMI, 2024

[10] Wu und Li, 2024

[11] Himani et al., 2023

[12] Verbaucherzentrale NRW, 2025

[13] UBA Österreich, 2020

[14] BMLUK, o.J. b

[15] Europäische Kommission, o.J.

[16] Universität für Bodenkultur, o.J.

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