Die Bedeutung von Biodiversität und Artenvielfalt für uns Menschen (von Rebecca Lang)

Schon ein Blick in die Natur verrät uns, was unseren Planeten so besonders macht. Er ist voller Leben. Der Begriff Biodiversität beschreibt eben diese biologische Vielfalt und umfasst damit die genetische Varianz, die verschiedenen Lebensräume und Ökosysteme und die Artenvielfalt. Damit bildet die Biodiversität die Grundlage für das menschliche Leben und Wohlergehen [1].

Wieso betrifft uns das Artensterben? 

Die Natur ist nicht nur schön anzusehen. Ohne intakte Ökosysteme und ihre Ökosystemdienstleistungen können wir Menschen nicht überleben. 

Ökosystemdienstleistungen umfassen unter anderem: [2]

  • Speicherung und Reinigung von Wasser in den Böden 
  • Reinigung der Luft 
  • Fruchtbare Böden als Grundlage für die Lebensmittelproduktion 
  • Bestäubung von Pflanzen durch verschiedene Insekten: Nicht nur die Honigbiene, sondern zahlreiche Arten von Wildbienen und anderen Insekten bestäuben unsere Pflanzen. Leider sind besonders diese Tiere von der Abnahme und Zerstörung ihrer Lebensräume betroffen. 
  • Kohlenstoffspeicherung in Böden, Biomasse und Ozeanen [3]
  • Schutz vor Hochwasser, Lawinen, Erosion, uvm. [2]

Fest steht: Biodiversität ist die Grundlage für funktionierende Ökosysteme und deren Leistungen für den Menschen [4].

Artenvielfalt trägt zudem zur Widerstandsfähigkeit (Resilienz) der Natur bei. Damit können Schäden gering gehalten werden. Ein Beispiel ist der berüchtigte Borkenkäfer. Sein natürliches Habitat sind Fichtenwälder. In einer Monokultur kann er sich, verstärkt durch den Klimawandel, ziemlich ungebremst ausbreiten und damit dem Wald nachhaltig schaden. Ein Mischwald mit vielen verschiedenen Baumarten ist jedoch wesentlich  weniger schadensanfällig [5, 6].

Rückgang der Biodiversität 

Die Biodiversität ist über die letzten Jahrzehnte weltweit enorm zurückgegangen. Der “Living Planet Report” von WWF aus dem Jahr 2024 (nächste Ausgabe 2026) zeigt, dass die Bestände von Wirbeltieren seit 1970 um 73% zurückgegangen sind. Am stärksten betroffen sind Süßwassertiere, wo ein Rückgang von 85% beobachtet wurde [7].

Das Ausmaß dieser Bestandsrückgänge ist geographisch nicht gleich verteilt: In Lateinamerika und der Karibik haben sich die Bestände im Schnitt um 95% verringert, während sie in Europa durchschnittlich um nur 35% zurückgegangen sind [7].

Dabei muss aber betont werden, dass in Europa bereits vor 1970, worauf sich die Werte von WWF beziehen, die Bestände vieler Arten stark reduziert wurden. Zusätzlich werden die landwirtschaftlichen Flächen in Europa zunehmend weniger intensiv bewirtschaftet, was einerseits zwar positiv für die Artenvielfalt sein kann, aber andererseits bewirkt, dass vermehrt landwirtschaftliche Produkte aus dem Ausland importiert werden müssen. So werden z.B. in Lateinamerika große Flächen der Regenwälder, die besonders artenreich sind, gerodet und für die landwirtschaftliche Produktion verwendet, z.B. für Futtermittel von Nutztieren in Europa. Obwohl Europa niedrigere Rückgänge bei der Artenvielfalt vermerkt, sind wir also trotzdem mitverantwortlich für die Situation in Lateinamerika [7].

Konkret auf Österreich bezogen zeigt der Bericht des  WWF, dass mehr als 60% der heimischen Fischarten gefährdet sind. Gründe hierfür sind Flussregulierungen und Hindernisse wie z.B. Kraftwerke. Eine vielversprechende Möglichkeit, um Süßwasserarten wieder vermehrt zu schützen, wäre z.B. die Renaturierung von Flüssen. Das würde bedeuten, Flüsse wieder naturnaher zu gestalten [7].

Neben dem Living Planet Index gibt es ein weiteres wichtiges Instrument, welches den Zustand der Artenvielfalt abbildet und vielen Menschen bereits bekannt ist: Die Rote Liste.

Dabei handelt es sich um eine Auflistung der weltweit bedrohten Arten. Aktuell gelten laut dem WWF von ca. 172.000 erfassten Arten 48.600 als bedroht – das entspricht ungefähr einem Drittel der erfassten Arten [8].

Laut der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung sind mit Stand 2025 rund ein Viertel der Acht Millionen Pflanzen- und Tierarten vom Aussterben bedroht [9].

Lokal: Das Naturhistorische Museum Wien erarbeitet aktuell zudem eine Rote Liste für Wildbienen in Österreich. Insgesamt sind 707 Arten bekannt, erfasst wird  jetzt, wie viele Arten gefährdet sind [10].

Biodiversität und Klima in der “Zwillingskrise”

Die Abnahme der Biodiversität ist Folge einer Vielzahl an Faktoren, unter anderem der Ausweitung und Intensivierung von Landwirtschaft, Übernutzung, Urbanisierung, Verlust und Zerstückelung von Lebensräumen, Umweltverschmutzung und vielem mehr [11].

Auch die Klimakrise hat einen großen Einfluss. Biodiversitätsforscher Professor Josef Settele bezeichnet Biodiversitäts- und Klimakrise in einem Interview aus 2025 als “Zwillingskrisen” [5]. Die Veränderung des Klimas hat einen enormen Einfluss auf die Biodiversität und die Funktionalität von Ökosystemen. Durch steigende Temperaturen, veränderte Niederschlagsmengen, Dürren usw. werden Pflanzen und Tiere unter Druck gesetzt [12].

Gleichzeitig haben die Ökosysteme auch einen Einfluss auf das Klima. Gesunde Ökosysteme sind wertvoll, weil sie z.B. CO2 in Mooren oder den Ozeanen speichern können [12].

Professor Settele betont, dass viele naturbasierte Klimaschutzmaßnahmen positiv zum Erhalt der Biodiversität beitragen können [5].

Leider  lässt sich aber feststellen, dass die Dringlichkeit und Bedeutsamkeit der Biodiversitätskrise weder in der breiten Gesellschaft noch in der Politik ausreichend wahrgenommen wird. Es gibt zwar viele biodiversitätsfördernde Programme und Ziele wie die EU-Biodiversitätsstrategie und “nature positive” (https://www.naturepositive.org/), es fehlt aber oft an politischem Willen, Artenvielfalt und Naturschutz gegenüber anderen Themen zu priorisieren und konkrete Maßnahmen umzusetzen. Dazu würde gehören: [13]

  • Lebensräume von bedrohten Arten wiederherzustellen und zu erhalten 
  • Renaturierung von Flüssen
  • Nachhaltige Landwirtschaft fördern
  • Verringerung von Treibhausgasemissionen 
  • Ausweitung und Vernetzung von bestehenden Naturschutzgebieten (zur Stärkung der genetischen Vielfalt) [13]

Auch als Privatperson kann man zur Erhaltung der heimischen Biodiversität beitragen: 

  • Heimische und insektenfreundliche Pflanzen im Garten anbauen 
  • Totholz liegen lassen (für Igel, Vögel, Insekten)
  • Kein Englischer Rasen, stattdessen heimische Gräser und Wildblumen 
  • und nicht zu häufig (nur 1-2 pro Jahr) oder zu niedrig (mind. 10 cm überlassen) mähen. Ideal ist es, die Fläche nicht auf einmal zu mähen, sondern immer einen Teil stehen zu lassen, damit es Rückzugsorte für die Tiere gibt [14]. 

Quellen:

[1] Umweltbundesamt (o.J.). Biodiversität. https://www.umweltbundesamt.at/umweltthemen/naturschutz/biologischevielfalt (21.05.2026)

[2] Umweltbundesamt (2019). Erfassung und Darstellung von Ökosystemdienstleistungen in Österreich. https://www.umweltbundesamt.at/fileadmin/site/publikationen/rep0693.pdf (21.05.2026)

[3] Myclimate Österreich (o.J.). Wie hängen Klimakrise und Biodiversitätsverlust zusammen?

https://www.myclimate.org/de-at/informieren/faq/faq-detail/wie-haengen-klimakrise-und-biodiversitaetsverlust-zusammen/ (21.05.2026)

[4] Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung (2022). Bedrohte Artenvielfalt: Was bedeutet die Biodiversitätskrise für den Menschen? Forschungsinitiative zum Erhalt der Artenvielfalt (FEdA). 

https://www.feda.bio/de/pressemitteilungen/bedrohte-artenvielfalt-was-bedeutet-die-biodiversitaetskrise-fuer-den-menschen/ (21.05.2026)

[5] DGVN (2025). „Kli­ma- und Bio­diver­sitäts­kri­se sind Zwillings­krisen“. Interview mit Professor Josef Settele vom 23.1.2025. Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen e.V. (DGVN). https://dgvn.de/meldung/klima-und-biodiversitaetskrise-sind-zwillingskrisen (21.05.2026)

[6] Waldverband Österreich & LFI Österreich (2018). Borkenkäfer: Vorbeugung und Bekämpfung. https://www.waldverband.at/wp-content/uploads/2024/01/Borkenkaefer-2018_Web-1.pdf (21.05.2026)

[7] WWF (2024). Living Planet Report 2024. https://www.wwf.at/livingplanetreport/ (21.05.2026)

[8] WWF (2026): Die Rote Liste bedrohter Tier-, Pflanzen- und Pilzarten. https://www.wwf.de/themen-projekte/artenschutz/rote-liste-gefaehrdeter-arten#c82353 (21.05.2026)

[9] Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung (2025). Vorteil Biodiversität: Lösungsansätze und Investitionschancen im Einklang mit der Natur (2025). Pressemeldung (21.03.2025). https://www.senckenberg.de/de/pressemeldungen/vorteil-biodiversitaet-loesungsansaetze-und-investitionschancen-im-einklang-mit-der-natur/ (21.05.2026)

[10] Naturhistorisches Museum Wien (o.J.). Rote Liste der Wildbienen Österreichs

https://www.nhm.at/forschung/2_zoologie_insekten/sammlungen/hymenoptera/rote_liste_wildbienen_(21.05.2026)

[11] Lohmeyer, M. (2024). Die Artenvielfalt ist um 73 Prozent gesunken. Artikel in: Die Presse, 10.10.2024. https://www.diepresse.com/18944560/die-artenvielfalt-ist-um-73-prozent-gesunken (21.05.2026)

[12] Verein Biodiversität. Jetzt! (o.J.). Klimakrise und Artenverlust: Wie hängt das zusammen? https://www.aufleben-natur.ch/artikel/klimakrise-und-artenverlust-wie-hangt-das-zusammen (21.05.2026)

[13] Birdlife Österreich (o.J.). Klima- und Biodiversitätskrise. https://www.birdlife.at/vogelschutz/naturschutzpolitik/klimakrise-und-biodiversitaetskrise/ (21.05.2026) [14] Global2000 (o.J.). Rasenmähen – Ja? Nein? Heute noch nicht! https://www.global2000.at/rasenmaehen (21.05.2026)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert