Bewusster Kleiderkonsum im Alltag (von Veronika Maierhofer)

Ein Blick in Österreichs Kleiderschränke

Kleiderbestand und Tragedauer [1]

In einer repräsentativen Online-Umfrage zu Kleiderkonsum befragte das Institut Integral im Auftrag von Greenpeace und der Arbeiterkammer Wien 1.506 Österreicher:innen hinsichtlich ihres Kleidungskonsums sowie ihrer Einstellungen dazu.

–       Jährlich werden ca. 800€ für Kleidung ausgegeben

–       Durchschnittlich 100 Kleidungsstücke besitzt jeder

–       Die Nutzungsdauer bewegt sich zwischen 1-3 Jahren, nur Jacken und Mäntel werden im Schnitt mit 4,8 Jahren am längsten getragen.

–       Beim Kauf wird sehr oder eher auf Funktionalität (92 %) sowie hohe Qualität und Verarbeitung (85 %) geachtet. Aber auch der günstigste Preis ist für 78 % sehr oder eher kaufentscheidend, während deutlich weniger Befragte hohe Umweltstandards (44 %) oder Sozialstandards (40 %) nannten.

–       Als Hauptbezugsquellen nannte die Hälfte der Befragten Filialen von großen Modeketten wie H&M oder Zara (49 %) sowie Onlineshops oder Kataloge von großen Händlern wie Amazon oder Zalando (48 %).

–       Rund 25 % der Kleidung wird nur gelegentlich getragen, 15 % sehr selten und 12 % nie. Die Hälfte ihrer Kleidung tragen die Befragten oft.

Demnach hängen in Österreich etwa 185 Millionen Stück Kleidung quasi ungetragen in den Kleidungsschränken!

Die Problematik scheint bewusst zu sein

Unter den Befragten herrschte beinahe Einigkeit darüber, dass Menschen zu viel Kleidung kaufen (92 %), die Umwelt durch die Überproduktion von Kleidung  massiv belastet wird (86 %) und dass Fast Fashion ein großes Übel (81%) sei.

43 % der Befragten drückten ihre prinzipielle Bereitschaft aus, langlebigere Produkte zu kaufen, auch wenn diese teurer wären; 30 % tun dies bereits. Die Zustimmung zu gesetzlicher Regulierung ist hoch: 91% sprechen sich für ein Lieferkettengesetz und 86 % für ein Vernichtungsverbot für Neuwaren aus.

Die Versuchung – Shopping Laune….[2]

Wir kaufen nicht nur Kleidung ein, weil wir sie unbedingt brauchen, sondern auch weil es uns Freude macht, wir „in“ sein oder uns belohnen wollen. Shoppen hat einen Unterhaltungswert erlangt, wir genießen ein neues Outfit, sind auf Schnäppchenjagd und im Abverkaufsfieber.

Einmal bitte kurz innehalten und dann stell dir die folgenden drei Fragen:

1. Wie oft werde ich diese Kleidung tragen?

2. Wie lange wird diese Kleidung halten?

3. Wie viel Kleidung habe ich eigentlich schon?

Meist merkt man dann, dass man das neue Kleidungsstück nicht wirklich braucht.

Eine Regel zur Reduktion des Kleiderkonsums könnte auch sein: Du darfst dir erst etwas kaufen, wenn du die kaputte Hose, die schon seit Wochen herumliegt, endlich geflickt hast. Dann anziehen und stolz sein. Das fühlt sich genauso gut an wie ein neues Kleidungsstück. Und brauchst du dann wirklich noch eine neue Hose?

Neue Kleidung macht Spaß – aber sie muss nicht komplett neu sein. Frag einfach Freund:innen mit ähnlicher Kleidergröße, ob sie Klamotten tauschen wollen.

Oder besuche eine Kleidertauschparty. Im Internet findest du Termine und Ort [3]. Fühlt sich an wie Shoppen, kostet aber keinen Cent – und keine neuen Ressourcen. Auch umändern, upcyclen oder visible mending sind angesagte Verbesserungs-/Repararturideen für getragene Kleidung [4].

Die Online Shopping Falle [5]

Besonders groß ist die Versuchung beim Kleiderkauf im Internet. Einfach von der Couch zu Hause über den Laptop oder unterwegs mit dem Smartphone zu shoppen, ist für uns zu einer Selbstverständlichkeit geworden. Da ist dann schnell ein Stück bestellt und das Nachdenken setzt zu spät ein.

·       Retouren vermeiden durch bewusste Auswahl:  Die Retourenquoten sind besonders bei Kleidungsstücken und Schuhen sehr hoch. Dadurch werden das Transportaufkommen und zum Teil der Verpackungsverbrauch und der Ausschuss erhöht. Oft wird Retourware auch einfach vernichtet.

·   Bei Onlinekäufen darauf achten, wo die Anbieter sitzen und ob die Produkte die hohen EU-Standards einhalten, z.B. in Bezug auf den Chemikalieneinsatz in den Produkten.

·       Wenn schon online bestellen, dann Produktbeschreibungen genau lesen und Größentabellen nutzen.  Bewertungen von anderen Kund:innen geben oft gute Einschätzungen und Einsichten zu den Vor- und Nachteilen der Produkte.

Aber: Im Zweifelsfall lieber vor Ort kaufen. So vermeidest Du Retouren und unterstützt den Einzelhandel in Deiner Umgebung.

So bringst Du mehr Nachhaltigkeit in Deinen Kleiderschrank [6]

Achte beim Kauf von Textilien auf Siegel, die Umwelt- und Sozialstandards garantieren.
– Kaufe Baumwolltextilien in Bio-Qualität („organic cotton“).
– Kaufe Kleidung aus Secondhand oder besuche Kleidertauschpartys.
– Miete Kleidungsstücke für einmalige Anlässe wie Hochzeiten, Partys und feierliche Events.
– Trage Deine Kleidung möglichst lange und lass sie reparieren oder umändern.
– Gib Deine nicht genutzte Kleidung weiter.
– Hinterfrage Modetrends und sei kritisch gegenüber Fast-Fashion. Diskutiere darüber im Freundeskreis.

Ein paar Tricks zur Vermeidung von Überfluss im Kleiderkasten
Du möchtest gerne eine abwechslungsreiche, hochwertige und nachhaltige Garderobe?

Die 3-3-3 Regel [7]

Die 3-3-3-Regel ist eine einfache Formel, mit der Du Deinen Stil mit minimalem Aufwand maximieren kannst. Sie beinhaltet die Auswahl von 3 Oberteilen, 3 Unterteilen und 3 Paar Schuhen , die sich leicht kombinieren lassen. Diese 9 essentiellen Teile bilden eine „Mini-Garderobe“ (oder Capsule Collection), die überraschend vielfältige Outfit-Optionen bietet, ohne dabei überladen zu wirken.

Mit nur 9 Kleidungsstücken lassen sich über 20 einzigartige Outfit-Kombinationen kreieren . Das ist der Clou dieser Regel: Sie fördert mehr Kreativität mit weniger Kleidung.

Die 3-3-3-Regel in der Mode ist Teil eines wachsenden Lifestyle-Trends namens Minimalismus – der Idee, dass „weniger mehr ist“. Minimalismus lehrt uns, dass wir nicht viele Dinge brauchen, um gut zu leben. Stattdessen sollten wir uns auf wenige, aber bedeutungsvolle Gegenstände konzentrieren, die unser Leben wirklich bereichern, d.h.

  • das Tragen schlichter, zeitloser und hochwertiger Kleidung
  • weniger Teile kaufen, die sich aber problemlos mit allem kombinieren lassen
  • Kleidung so pflegen, dass sie länger hält

Die Cost per Wear Formel [8]

Bei der Cost per Wear-Formel wird der Preis des Kleidungsstücks durch die Anzahl der Male geteilt, die Du es tragen wirst.

Dabei sollte das Kleidungsstück natürlich deinem Geschmack entsprechen und mehrfach kombinierbar sein. Auch die Qualität des Kleidungsstücks spielt eine Rolle. Angenommen, Du kaufst ein Shirt für 5 Euro und ziehst es 10 mal an, bevor Du merkst, dass es wohl doch nur ein Trendteil war oder es so aus der Form geraten ist, dass Du es aussortierst. Dann entspricht die Cost per Wear-Summe 5:10=50 Cent. Zum Vergleich: Wenn du ein Shirt für 40 Euro kaufst und dieses für fünf Jahre einmal pro Woche trägst, liegt die Cost per Wear bei weniger als 16 Cent.

Ordnung schaffen nach Marie Kondo – die Konmari Methode [9]

Wem ist es noch nicht passiert, dass plötzlich ein längst vergessenes und möglicherweise noch nie getragenes Kleidungsstück im Kasten auftaucht? Das könnte in einem Kleiderschrank, der nach der Konmari Methode eingeräumt ist, nicht passieren. Wie funktioniert das?

Man legt alle Klamotten auf einen Haufen und nimmt jedes Kleidungsstück einzeln in die Hand und fragt sich: Macht es mich glücklich? Wenn ja, dann wird es behalten. Wenn nein, dann wird es aussortiert und zu einer Charity oder einem Second Hand Laden gebracht oder entsorgt, je nach Zustand.

Du wirst wahrscheinlich nicht nur erstaunt sein, wie viele Sachen sich in Deinen Schränken verbergen, sondern auch, wie viele Du kaum trägst oder Dir nichts mehr sagen. Dieses ritualisierte Ausmisten schafft nicht nur Ordnung, es verhindert auch Überfluss.

Fazit
Das nachhaltigste Kleidungsstück ist immer jenes, das nicht produziert werden muss. Je länger die Tragedauer eines Kleidungsstücks, desto besser, um der Trendspirale in der Textilindustrie entgegenzuwirken. Es muss nicht immer etwas Neues sein. Verändern, kombinieren, reparieren, tauschen, leihen und bei Neukauf auf Gütesiegel achten, das schafft mehr Freude an weniger, aber guter Kleidung.


Quellen

[1] Studie der Arbeiterkammer in Zusammenarbeit mit Greenpeace und Integral.

https://www.akeuropa.eu/sites/default/files/2023-02/Studie_Modekonsum_in_Oesterreich.pdf

Zugriff 9.6.2026
[2] Utopia: Du hast Shoppinglaune, brauchst aber nichts.

https://utopia.de/ratgeber/schluss-mit-sinnlosem-shopping-diese-tipps-sparen-geld-v3_840865/ Zugriff 9.6.2026

[3] Wiener Wäsch: Termine für Kleidertauschparties. https://wienerwaesch.info/ Zugriff 9.6.2026

[4] Resi Slow Fashion: Kleidung sichtbar reparieren. https://www.resislowfashion.at Zugriff 9.6.2026

[5] Umweltbundesamt: Online shopping

https://www.umweltbundesamt.de/umwelttipps-fuer-den-alltag/uebergreifende-tipps/onlineshopping#nachhaltig-online-shoppen-daran-sollten-sie-sich-orientieren Zugriff 9.6.2026

[6] Umweltbundesamt:Kleidung bewusst und nachhaltig konsumieren

https://www.umweltbundesamt.de/umwelttipps-fuer-den-alltag/haushalt-wohnen/bekleidung Zugriff 9.6.2026

[7] Trendanalytics: Die 3-3-3 Regel https://trendalytics.co/insights/why-3-3-3-rule-in-fashion-trend#:~:text=The%203%2D3%2D3%20Rule%20is%20a%20simple%20formula%20designed,be%20easily%20mixed%20and%20matched Zugriff 9.6.2026

[8] Salzwasser, ein Bericht von Nachhaltigkeitsexpertin Nina Kegel: Cost per Wear

https://salzwasser.eu/blogs/bewusster-konsum/cost-per-wear-formel Zugriff 9.6.2026

[9] Japanwelt, Das Marie Kondo Prinzip

https://www.japanwelt.de/blog/marie-kondo-prinzip-und-6-regeln-zum-aufraeumen Zugriff 9.6.2026


Veronika Maierhofer

Schreiben macht mir Freude und Umweltthemen sind für mich sehr wichtig. Fotografie ist meine Leidenschaft, TaiChi fokussiert mich und für jede Art von Kunst kann ich mich begeistern. Ich lebe das halbe Jahr ganz urban in Wien und sonst meist am Bauernhof am Attersee.

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