Unsichtbar, aber gefährlich: Chemikalien in Fast-Fashion (von Rebecca Lang)

Überproduktion, Überkonsum und Umweltverschmutzung – alles davon trifft auf Fast-Fashion zu. Der Anteil von Fast-Fashion-Marken und -Online-Plattformen nimmt weltweit stark zu. Durch kurzlebige Trends und Werbung lassen sich viele Menschen zu spontanen Einkäufen hinreißen und die niedrigen Preise motivieren zum Einkauf von immer mehr neuen Kleidungsstücken.

Dabei ist besonders die Modeindustrie sehr klimaschädlich, verursacht Umweltverschmutzungen und verbraucht viele Ressourcen [1]. Zudem gefährdet der Einsatz von gefährlichen Chemikalien die Gesundheit der Arbeiter:innen und Konsument:innen und die Umwelt. Erst Anfang 2026 deckte Greenpeace wieder Mal auf, dass Kleidung einer Fast-Fashion-Marke namens Shein stark mit PFAS belastet ist [5]. Um die schädlichen Auswirkungen gefährlicher Chemikalien in der Modebranche geht es in diesem Beitrag.

Was versteht man unter Fast-Fashion?

Fast-Fashion, übersetzt “schnelle Mode”, beschreibt die Produktion von einer großen Anzahl von Modekollektionen und Kleidungsstücken in immer kürzerer Zeit. Schnellstens sind die neuesten Modetrends überall erhältlich. Während es früher normal war, im Jahr vier Kollektionen, eine pro Jahreszeit, herauszubringen, veröffentlichen Fast-Fashion-Marken fast jede Woche eine neue Kollektion [1].

Fast-Fashion fällt durch günstige Preise, hohe Stückzahlen, niedrige Materialqualität und eine kurze Lebensdauer auf. Sie lebt davon, dass Konsument:innen ständig neue Stücke kaufen und diese nicht lange nutzen [1]. 

Fest steht: Bei diesem Konzept wird NICHT auf ökologische oder soziale Nachhaltigkeit geachtet und damit der Umwelt und dem Klima geschadet [1]. 

Wusstest Du, dass es nun sogar bereits den Begriff “Ultra-Fast-Fashion” gibt? Hier wird noch schneller noch mehr produziert. Die Marke SHEIN ist hierfür ein bekanntes Beispiel [2]. 

Gefährliche Chemikalien in unserer Kleidung

Greenpeace zufolge werden mehr als 3.500 verschiedene Chemikalien in der Kleidungsproduktion eingesetzt. Davon sind viele schädlich für die Umwelt und die menschliche Gesundheit [3].

Besonders beim Färben werden zahlreiche Chemikalien verwendet. Diese werden am Ende zum größten Teil wieder herausgewaschen, wobei dennoch ein Teil am Endprodukt verbleiben kann. Die größte Chemikalienbelastung findet also in den Produktionsländern statt [4]. Neben 12-Stunden-Tagen und einem hohen Risiko für Arbeitsunfälle, sind Arbeiter:innen in der Textilbranche systematisch gefährlichen Chemikalien ausgesetzt, welche auf lange Sicht ihre Gesundheit gefährden [11]. 

In der EU gibt es strenge Grenzwerte, die den Einsatz von gesundheitsgefährdenden Substanzen beschränken, um die menschliche Gesundheit und die Umwelt zu schützen. Geregelt werden diese Grenzwerte in der REACH-Verordnung. REACH steht für Registrierung, Evaluierung, Autorisierung und Restriktion von Chemikalien [6]. 

Die Kleidung von gängigen Fast-Fashion-Marken wird größtenteils in Asien produziert, wo EU-Standards nicht verpflichtend sind. Der Verkauf von Produkten, welche EU-Grenzwerte überschreiten, ist in Europa jedoch dennoch verboten. Aber: Online-Händler wie Shein versenden ihre Ware direkt aus Asien, womit sie nicht als “in Österreich gekauft” gilt. Diese rechtlichen Schlupflöcher werden von Greenpeace stark kritisiert, da den Käufer:innen meist nicht bewusst ist, dass die gekaufte Kleidung damit nicht den EU-Standards entspricht [7] [2]. 

Welche Chemikalien sind gefährlich? Und warum?

Färbemittel können unter anderem Schwermetalle wie Kupfer, Blei oder Chrom enthalten. Schwermetalle können sich im Körper anreichern, das Nervensystem schädigen und krebserregend wirken [4] [8]. 

Zudem sind besonders die Azofarbstoffe bedenklich. Es besteht der Verdacht, dass Abbauprodukte von manchen dieser Farbstoffe bei Hautkontakt krebserregend wirken. Besonders für die Arbeiter:innen in der Produktion sind diese Stoffe eine Gefahr. Die gefährlichen Farbstoffe sind für die Färbung von Textilien in der EU nicht mehr zugelassen und auch der Import von Kleidung, die solche Substanzen enthalten, ist verboten [9].

Phthalate (Weichmacher) werden eingesetzt, um Kunststoffe geschmeidiger zu machen. Bei vielen Phthalaten ist nachgewiesen, dass sie die Fruchtbarkeit beeinträchtigen und hormonähnlich wirken. Sie gelangen über Nahrung, Atemluft oder direkten Hautkontakt in den Körper. Aufgrund dieser Risiken wird der Einsatz solcher Stoffe reguliert. Produkte mit mehr als 0,1% dieser Weichmacher dürfen seit Juli 2020 nicht mehr verkauft werden [4] [8].

Tenside werden als Hilfsmittel beim Färben verwendet, damit die Farbe von den Fasern besser aufgenommen wird. Jedoch können gängige Tenside wie Alkylphenole (APEOs) und Nonylphenol-Ethoxylate (NPEs) den Hormonhaushalt stören. Zudem sind sie, wie viele der anderen Substanzen, schwer abbaubar. In der EU ist der Einsatz von APEOs und NPEs in der Textilbranche verboten, aber in importierten Kleidungsstücken finden sich die Substanzen immer noch [4]. 

PFAS (per- und polyfluorierte Alkylverbindungen), häufig auch als “Ewigkeitschemikalien” bezeichnet, sind besonders stabil und gehören zu den am schwersten abbaubaren Verbindungen. Sie sorgen dafür, dass Kleidung wasser-, schmutz- und fettabweisend ist. PFAS können über die Nahrung, Luft und Trinkwasser aufgenommen werden, reichern sich im Körper an und können kaum wieder ausgeschieden werden [8]. 

Zu den PFAS gehören auch Perfluoroctansäuren (PFOA) und Perfluorcarbonsäuren (PFCA). Sowohl PFOA als auch PFCA sind nur schwer oder gar nicht abbaubar und reichern sich in der Umwelt an [8]. Zudem können sie toxisch wirken und die Entwicklung von Tumoren, wie Leberkrebs, bewirken. Außerdem kann die Fruchtbarkeit negativ beeinflusst werden [4] [8].

Ab ins Labor: Was wird in gekaufter Kleidung nachgewiesen?

In einem Screening von Global 2000 aus dem Jahr 2025 wurden Produkte von den Marken Shein und Temu untersucht. Sieben der 20 untersuchten Kleidungsstücke haben Chemikalien-Grenzwerte deutlich überschritten, weswegen der Verkauf dieser Kleidung in der EU eigentlich nicht erlaubt sein dürfte [8]. 

In vier Stücken wurden PFAS nachgewiesen, wobei eine Jacke den Grenzwert um das 4.000-Fache überschritt. Alle vier Proben überschritten zudem die Grenzwerte von PFOA-ähnlichen Substanzen in einem hohen Ausmaß. In drei untersuchten Schuhen lagen die Phthalat-Werte (Weichmacher) weit über den Grenzwerten, teils 360-fach mehr als erlaubt. Eine dieser Proben überschritt zudem den Grenzwert für das Schwermetall Blei um das 1,2-Fache [8].

Mehr als ein Drittel der untersuchten Kleidungsstücke wiesen also Werte von gefährlichen Chemikalien auf, die weit über den festgelegten Grenzwerten liegen. Diese Artikel verstoßen damit gegen EU-Recht und dürften in der EU nicht verkauft werden. Dennoch ist es möglich, diese Produkte nach Österreich zu bestellen. Der Test zeigt also, welche gesundheitliche Gefahr von Fast-Fashion-Kleidung ausgehen kann und wie notwendig Kontrollen und gesetzliche Regulierungen sind [8]. 

In einem anderen Test, diesmal durch Greenpeace, wurden verschiedene Kleidungsstücke der Marke Shein im Labor untersucht. 15% der untersuchten Proben enthielten gefährliche Chemikalien, die die EU-Grenzwerte der REACH-Verordnung überschritten [2]. 

Greenpeace wies Shein auf die belasteten Produkte hin, woraufhin der Händler versprach, die betroffenen Artikel aus dem Sortiment zu nehmen. In einem Folgetest stellte sich jedoch heraus, dass Shein maximal die konkret gemeldeten Produkte entfernt habe, nicht aber ähnliche oder identische Artikel in z.B. einer anderen Farbe. In 80% der getesteten Kleidung wurden erneut gefährliche Chemikalien über den Grenzwerten gefunden [10]. 

Trotz Beteuerungen des Konzerns, dass die Produktsicherheit und die Einhaltung von EU-Standards oberste Priorität hätten, sind gefährliche Produkte weiterhin erhältlich [10].  

Ausblick

Gut ist, dass bereits viel vorangegangen ist. Viele gefährliche Substanzen sind in der EU verboten und auch der Import von problematischen Produkten wird reguliert. Durch Kampagnen wie “Detox my Fashion” von Greenpeace wurde bereits in der Vergangenheit Aufmerksamkeit auf die Gefahr der Modebranche gelenkt und bewirkt, dass Marken wie H&M und Zara begonnen haben ihre Lieferketten zu “entgiften” und transparenter zu kommunizieren [2]. Heutzutage sind besonders Online-Plattformen ein großes Problem, da diese täglich unzählige Produkte in die ganze Welt exportieren, während ihr Chemikalien-Einsatz nicht transparent kommuniziert wird und die EU-Vorgaben in den Produktionsländern nicht zwingend eingehalten werden [2]. 

Was kannst Du also tun? Und wie muss die Politik handeln?

  • Für Deine eigene Gesundheit solltest Du beim Einkaufen auf Gütesiegel achten und bevorzugt biologisch angebaute Naturfasern kaufen. 

Für Kleidung besonders relevant und von Greenpeace für vertrauenswürdig bewertet, sind die Siegel GOTS (Global Organic Textile Standard), Oeko-Tex Made in Green und IVN Best.

Im Gütezeichen-Check von Greenpeace werden die Kriterien der einzelnen Labels genauer erklärt und noch viele weitere Siegel kritisch betrachtet (https://greenpeace.at/ratgeber/guetesiegel-guide-kleidung/). 

Besonders bei Labels von Modekonzernen ist jedoch Vorsicht geboten, da durch zu lockere Standards mit den Labels Greenwashing betrieben werden kann. 

  • Besondere Eigenschaften, wie “wasserabweisend” und “knitterfrei”, lassen sich nur durch spezielle Chemikalien, wie PFAS, erreichen [8]. Reflektiere vor Deinem Einkauf, ob diese Eigenschaften bei dem gesuchten Kleidungsstück wirklich notwendig sind. Häufig lässt sich darauf gut verzichten.
  • Greenpeace und andere Umweltorganisationen setzen sich für Verbote und bessere Regulierungen in der Modeindustrie ein. Zum Thema Fast-Fashion läuft im Moment auch eine Petition namens “Schluss mit Fast Fashion!”: https://greenpeace.at/petitionen/fast-fashion/?
  • Politisch muss gegen Online-Anbieter von potentiell gefährlicher Fast-Fashion vorgegangen werden. Es darf nicht sein, dass Produkte in der EU verkauft werden, welche die gesetzlichen Grenzwerte massiv übersteigen [8]. 

Daher braucht es ein starkes Lieferkettengesetz! Nur dadurch können Lieferketten und Produktionsstrukturen transparent werden, sodass Standards befolgt werden und Verstöße sichtbar werden [8]. 

Global 2000 fordert daher Maßnahmen gegen Überproduktion und -konsum und damit einhergehend ein Werbeverbot für Fast-Fashion. Ein besonderer Fokus soll auf Social Media liegen, da dort aktuell besonders viele Menschen erreicht und beeinflusst werden [8]. 

Quellen:

[1] Röderer, K. und Zanini-Freitag, D. (2023). Von Fast Fashion zu zirkulärer Fashion. Umweltbundesamt GmbH. Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie (BMK) https://www.umweltbundesamt.at/fileadmin/site/publikationen/dp187.pdf (zuletzt geöffnet am: 09.07.2026)

[2] Cobbing, M.; Wohlgemuth, V. und Panhuber, L. (2024). Mehr SHEIN als Sein: Gefährliche Chemikalien und und Naturzerstörung als Geschäftsmodell. Greenpeace. https://www.greenpeace.de/publikationen/S04261_DE_Konsumwende_Studie_Mehr_Schein_v5.pdf (zuletzt geöffnet am: 09.07.2026)

[3] Greenpeace (o.J.). Fast Fashion: Billige Plastik-Textilien überfluten unseren Planeten. https://www.greenpeace.de/infomaterial/LepoFastFashion.pdf (zuletzt geöffnet am: 09.07.2026)

[4] Jungmichel, N.; Wick, K. und Nill, M. (2020). Kleider mit Haken: Fallstudie zur globalen Umweltinanspruchnahme durch die Herstellung unserer Kleidung. Umweltbundesamt Deutschland. https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/479/publikationen/uba_kleider_mit_haken_bf.pdf (zuletzt geöffnet am: 09.07.2026)

[5] Greenpeace (2026a). Greenpeace-Test: SHEIN verkauft Jacken mit gefährlichen Chemikalien nun unter neuen Artikelnummern. https://greenpeace.at/presse/greenpeace-test-shein-verkauft-jacken-mit-gefaehrlichen-chemikalien-nun-unter-neuen-artikelnummern/ (zuletzt geöffnet am: 09.07.2026)

[6] Eurofins Scientific (2024). EU REACH Regulation Explained. https://www.eurofins.com/textile-leather/articles/eu-reach-regulation-explained/ (zuletzt geöffnet am: 09.07.2026)

[7] Greenpeace (2025). Greenpeace-Test: Jacken von SHEIN stark mit verbotenen PFAS-Giften belastet. https://greenpeace.at/presse/greenpeace-test-jacken-von-shein-stark-mit-verbotenen-pfas-giften-belastet/ (zuletzt geöffnet am: 09.07.2026)

[8] Global 2000 (2025). Mode mit Nebenwirkung: Giftige Wegwerfmode per Mausklick. https://www.global2000.at/sites/global/files/251104_Produkttest-Temu-Shein_A4_barrierefrei.pdf (zuletzt geöffnet am: 09.07.2026)

[9] Bundesministerium für Gesundheit Deutschland (2026). Chemikalien in Kleidung: Gesundheitlich unbedenklich? https://gesund.bund.de/chemikalien-in-kleidung (zuletzt geöffnet am: 09.07.2026)

[10] Greenpeace (2026b). Schäm dich, Shein: gefährliche Chemikalien weiterhin in Kleidung. https://www.greenpeace.de/engagieren/nachhaltiger-leben/shein (zuletzt geöffnet am: 09.07.2026)

[11] Tröger, N. und Panhuber, L. (2023). (Nachhaltiger) Modekonsum in Österreich: Hohes Bewusstsein, aber noch Lücken beim Handeln. Arbeiterkammer Wien.

https://www.akeuropa.eu/sites/default/files/2023-02/Studie_Modekonsum_in_Oesterreich.pdf (zuletzt geöffnet am: 09.07.2026)

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