Zwischen 2000 und 2015 stieg die Zahl der weltweit verkauften Kleidungsstücke von 50 auf 100 Milliarden und könnte bis 2030 auf 200 Milliarden pro Jahr anwachsen. Dieser steigende Kleidungskonsum belastet vor allem die Umwelt. Textilrecycling soll helfen, doch dies allein reicht es nicht aus, um die Modeindustrie nachhaltig zu machen. Die Textilindustrie gehört zu den umweltschädlichsten Branchen: Sie verursacht etwa 10 % der weltweiten Treibhausgasemissionen, verbraucht große Mengen Wasser und Pestizide beim Baumwollanbau, nutzt Erdöl für Kunstfasern wie Polyester und Polyamid und benötigt viel Energie sowie Chemikalien für die Herstellung von Kleidung. [1]
Der Altkleiderberg wächst durch häufig wechselnde Modekollektionen, billige Massenware und geringe Qualität. In deutschen Kleiderschränken liegen etwa 5,2 Milliarden Kleidungsstücke, von denen viele kaum getragen werden. Trotzdem kauft jede Person in Deutschland durchschnittlich 60 neue Kleidungsstücke pro Jahr, wodurch auch immer mehr Kleidung aussortiert wird. [2]
Der Berg an aussortierter Kleidung wächst, ohne dass es eine nachhaltige Lösung für Textilien am Ende ihrer Nutzungsdauer gibt. Viele nicht mehr verwertbare Klamotten werden downgecycelt, wobei lediglich etwa 8 Prozent als Putzlappen für die Industrie Verwendung finden. Fasern tragbarer Kleidungsstücke werden in Reißereien als Rohstoffe für Produkte wie Malervlies oder Polster verwendet. Diese Methoden verlängern zwar die Nutzungsdauer der Fasern, führen jedoch dazu, dass die Endprodukte letztlich im Müll landen. Echte Recyclinglösungen könnten Materialien wie T-Shirts in ihrer ursprünglichen Form wiederverwendbar machen.[3]
- Im Jahr 2022 verursachte jede Person in der EU und der Schweiz durchschnittlich rund 15 kg Textilmüll, was 7 bis 7,5 Millionen Tonnen Textilmüll pro Jahr entspricht. Bis 2030 könnte dieser Wert auf 20 kg pro Person steigen. [4]
Nach den neuen EU-Vorgaben sollen alte Kleidungsstücke grundsätzlich in den Altkleidercontainer und nicht in den Restmüll. Ausgenommen sind kaputte oder stark verschmutzte Textilien, die weiterhin in die Restmülltonne gehören. Schlechte Kleidung erhöht den Aufwand und die Kosten für die Organisationen, da sie aussortiert und entsorgt werden muss. Gut erhaltene Kleidung sollte gespendet werden, damit sie wiederverwendet oder recycelt werden kann. [5]
- Mechanisches Recyceln – die klassische Methode
Beim mechanischen Recycling in Reißereien werden aus Altkleidern Fasern für neue Garne gewonnen. Dabei entstehen jedoch oft kurze und dünne Fasern, wodurch die Qualität der neuen Garne sinkt. Der Prozess benötigt viel Energie und wird deshalb ökologisch kritisch bewertet. Zudem bleiben Fremdstoffe und Chemikalien aus den alten Textilien erhalten und können die neuen Garne belasten. [6]
- Chemisches Recyceln – moderne Verfahren in der Entwicklung
Beim chemischen und biochemischen Recycling werden Textilien zerkleinert und mithilfe von Chemikalien in ihre Grundbestandteile zerlegt, aus denen anschließend neue Fasern hergestellt werden können. Eine große Herausforderung sind Materialmischungen in Kleidung, da sie schwer zu trennen sind. Zudem erschwert die oft nicht erkennbare Materialzusammensetzung die Sortierung. Deshalb werden derzeit spezielle Verfahren entwickelt, die die Materialien von Altkleidern automatisch erkennen und das Sortieren erleichtern. [7]
Wie wird alte Kleidung recycelt?
Nach dem Kreislaufwirtschaftsgesetz darf nur Kleidung verbrannt oder entsorgt werden, die nicht mehr verwertet werden kann. Das Recycling ist jedoch oft schwierig, weil viele Kleidungsstücke aus unterschiedlichen Materialien bestehen und ihre genaue Zusammensetzung nicht immer eindeutig gekennzeichnet ist. Deshalb werden alte Textilien häufig downgecycelt: Aus kaputten T-Shirts und Hosen entstehen zum Beispiel Putzlappen oder Dämmmaterial für Gebäude. Durch diese Wiederverwertung müssen am Ende nur etwa 8 bis 10 Prozent der Kleidung aus Altkleidercontainern tatsächlich als Müll entsorgt und verbrannt werden. [8]
Warum Textilien kaum recycelt werden?
Weltweit wird nur etwa ein Prozent der Alttextilien recycelt. Zwar gibt es Technologien, um aus alter Kleidung neues Garn herzustellen, doch sie werden bisher kaum genutzt. Außerdem fehlen viele Sortier- und Recyclinganlagen. Jedes Jahr entstehen rund 92 Millionen Tonnen Textilabfälle, und die Menge nimmt weiter zu. Ein Ende dieser Entwicklung ist bisher nicht in Sicht. [9]
Recycling – Die wahre Lösung des Problems?
Obwohl sich Recyclingtechnologien in der Textilbranche noch nicht flächendeckend etabliert haben, ist es wichtig, schon heute Maßnahmen für mehr Nachhaltigkeit zu ergreifen. Ein entscheidender Ansatz liegt bereits in der Gestaltung der Kleidung: Hochwertige, langlebige und gut recycelbare Textilien verlängern die Lebensdauer von Produkten und erleichtern ihre Wiederverwertung. Gleichzeitig spielt auch ein bewussterer Modekonsum eine zentrale Rolle. Recycling allein reicht jedoch nicht aus – erst der Wandel von einer linearen Wirtschaft hin zu einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft ermöglicht eine wirklich nachhaltige Zukunft. [10]
Die Internetseite der „Sendung mit der Maus“ des WDR erklärt das Thema Textilrecycling auf verständliche Weise. Sie zeigt, wie aus alten Kleidungsstücken neue Fasern und Stoffe entstehen und warum das Recycling von Kleidung wichtig für den Umweltschutz ist. Dabei wird beschrieben, wie gebrauchte Kleidung zunächst sortiert wird. Anschließend werden die Textilien zerkleinert und zu neuen Fasern verarbeitet. Aus diesen Fasern wird neues Garn hergestellt, aus dem schließlich wieder Stoffe und neue Kleidungsstücke entstehen können. Außerdem wird erklärt, dass durch Textilrecycling wertvolle Rohstoffe und Wasser eingespart werden können. [11]
Link zur Internetseite: https://www.wdrmaus.de/filme/sachgeschichten/textilrecycling.php5
Und vergessen wir nicht das Motto der Designerin Vivienne Westwood: „Buy less, choose well, make it last.“ („Kaufe weniger, wähle gut aus und sorge dafür, dass es lange hält.“) Nachhaltige Mode beginnt mit bewussten Entscheidungen
Quellenverzeichnis:
[1], [3], [4], [6], [7], [10] Ahlmann & Ahlmann. (2023, 20. September). Aus Alt mach Neu? Kreislaufwirtschaft & Textilrecycling. Altkleiderspenden.de. https://altkleiderspenden.de/blog/aus-alt-mach-neu-kreislaufwirtschaft-textilrecycling-36362
[2], [5], [8] Rundfunk, B. (2025, 6. März). Altkleider: Was passiert mit alter Kleidung? Bayerischer Rundfunk. https://www.br.de/radio/bayern1/altkleider-116.html
[9] Br & R. E. (2026, 4. März). Warum alte Textilien kaum recycelt werden. tagesschau.de. https://www.tagesschau.de/wissen/klima/textilrecycling-100.html
[11] M. K. (2025, 26. September). Textilrecycling. Die Seite mit der Maus – WDR. https://www.wdrmaus.de/filme/sachgeschichten/textilrecycling.php5