Wasserkreislaufwirtschaft (von Veronika Maierhofer)

Von der Trinkwasserversorgung bis zur Abwasserreinigung [1].

Wasser ist eine der wichtigsten Lebensgrundlagen des Menschen. Die Wasserkreislaufwirtschaft umfasst alle Maßnahmen von der Gewinnung des Trinkwassers über die Verteilung an Haushalte und Betriebe bis zur Sammlung, Reinigung und Rückführung des Abwassers in die Umwelt. Österreich verfügt aufgrund seiner geologischen und klimatischen Bedingungen über große Wasserressourcen und zählt zu den Ländern mit der besten Trinkwasserqualität Europas. Dennoch erfordert die Versorgung von Millionen Menschen sowie der Schutz der Gewässer einen hohen technischen und organisatorischen Aufwand. Dieser Bereich wird unter dem Begriff Siedlungswasserbau zusammengefasst. Dazu gehören Wasserleitungen, Speicheranlagen, Pumpwerke, Kanäle und Kläranlagen.

Woher kommt unser Trinkwasser? [2]
Fast 100 Prozent des Trinkwassers stammen aus Grundwasser und Quellen. Etwa die Hälfte des Trinkwassers wird aus Grundwasservorkommen in Tal- und Beckenlagen gewonnen, die andere Hälfte aus Quellen der Gebirgsregionen.

Grundwasser entsteht, wenn Niederschläge im Boden versickern und in tieferen Bodenschichten gespeichert werden. Es wird durch natürliche Filterprozesse gereinigt und besitzt daher oft eine hohe Qualität.

Das österreichische Leitungsnetz für Trinkwasser umfasst beinahe 80.000 Kilometer. Nur 7% der Bevölkerung beziehen ihr Wasser aus privaten Hausbrunnen oder Quellen. Für die Mehrheit sorgen rund 5.500 Wasserversorgungsunternehmen dafür, dass jederzeit ausreichend Trinkwasser zur Verfügung steht.

Obwohl Österreich in einer günstigen Lage bezüglich Trinkwasservorkommen ist, gibt die heurige extreme Trockenperiode Anlass zur Sorge. Laut Greenpeace [3] sind 70% der Grundwasserstände zu niedrig. Besonders die Landwirtschaft hat dadurch mit negativen Folgen wie verringerter Ernte, vermehrtem Schädlingsbefall und Hitzestress für Tiere zu kämpfen [4].

Wieviel Wasser verbrauchen wir? [5]
Unser jährlicher Gesamtwasserbedarf liegt bei etwa 3,14 Milliarden Kubikmetern (1m3=1000 Liter). Davon entfallen rund 70 % auf Industrie und Gewerbe, 24 % auf die öffentliche Trinkwasserversorgung und etwa 4 % auf die Landwirtschaft.

Der durchschnittliche private Trinkwasserverbrauch in Österreich beträgt etwa 130 Liter pro Person und Tag (ohne Industrie oder Landwirtschaft)

Die Nutzung verteilt sich ungefähr wie folgt:

  • Toilettenspülung: 25 %
  • Duschen und Baden: 22 %
  • Wasserhähne in Küche und Bad: 27 %
  • Garten, Pool und Außenbereich: 14 %
  • Wäschewaschen: 10 %
  • Geschirrspülen: 2 %

Ein Vier-Personen-Haushalt verbraucht somit durchschnittlich rund 520 Liter Wasser pro Tag bzw. etwa 190 Kubikmeter pro Jahr.

Diese Werte beziehen sich auf „Normaltemperaturen“. Während vermehrter Hitze- und Trockenperioden steigt der Bedarf an. Dann steht Gartenbewässerung und die Befüllung von Swimmingpools besonders in der Kritik: Das Befüllen von 3 Pools mit je 50 Kubikmeter entspricht der täglichen Versorgung mit Trinkwasser von ca. 1000 Menschen. Somit kann in einer kleinen Gemeinde schnell einmal der Trinkwasserspeicher leer werden. Um dem entgegenzuwirken, wurden Poolbefüllungspläne erstellt [6].

Welches Abwasser fällt in einem Haushalt an?
Nicht jedes verwendete Wasser ist gleich stark verschmutzt. Man unterscheidet daher verschiedene Arten:

Grauwasser
Als Grauwasser bezeichnet man relativ schwach verschmutztes Wasser aus Duschen, Badewannen oder Waschbecken. Es enthält Seifenreste, Haare und geringe Mengen an Schmutzstoffen.

Schmutzwasser
Schmutzwasser entsteht vor allem durch Toiletten (Schwarzwasser) und Küchenabwässer. Es enthält organische Stoffe, Fäkalien, Krankheitserreger, Fette, Reinigungsmittel und weitere Schadstoffe.

Altöl bitte unbedingt bei Sammelstellen abgeben, die Industrie hat dafür Verwendung.

Durch die Kanalisation zur Kläranlage [7]
Nachdem Wasser im Haushalt genutzt wurde, gelangt es über die Hausanschlüsse in die Kanalisation. Das österreichische Kanalnetz besteht aus fast 100.000 km unterirdischer Kanäle. Ihre Errichtung begann im 19.Jahrhundert, flächendeckend ab 1966 mit Gesamtkosten von ca. 30 Milliarden Euro. 95% der österreichischen Haushalte sind an öffentliche Kanäle und Kläranlagen angeschlossen.

In die Kanalisation gelangt aber auch das sogenannte Oberflächenwasser, das durch Niederschlag wie Regen oder Schnee entsteht. Es ist durch Verkehr und Umwelt mit Gummiabrieb, Schadstoffen, Mikroplastik, Streusalz verunreinigt.

Wie funktioniert eine Kläranlage [8]?
Die Reinigung erfolgt meist in mehreren Stufen:

1. Mechanische Reinigung
Rechen und Siebe entfernen grobe Bestandteile wie Papier, Hygieneartikel oder Plastik. In Sandfängen werden Sand und Kies abgeschieden.

2. Biologische Reinigung
Mikroorganismen bauen gelöste organische Stoffe ab. Gleichzeitig werden Stickstoffverbindungen umgewandelt.

3. Chemische Reinigung
Phosphor wird durch Zugabe spezieller Fällmittel aus dem Wasser entfernt.

4. Erweiterte Reinigung
Moderne Anlagen setzen zunehmend Aktivkohle oder Ozon ein, um Medikamentenrückstände und andere Mikroschadstoffe zu entfernen.

Nach der Reinigung wird das Wasser in Flüsse oder andere Gewässer eingeleitet. Der verbleibende Klärschlamm wird weiterbehandelt und teilweise energetisch genutzt, verbrannt oder als Dünger aufgebracht.

Immer problematischer wird dabei der steigende Anteil an Mikroplastik, der wertvollen Dünger unbrauchbar macht.

Auch Medikamentenrückstände belasten die Qualität des gereinigten Abwassers, sie sind nicht komplett entfernbar und gelangen so wieder in Flüsse oder Grundwasser und können dort empfindliche Lebewesen schädigen.

Wie kann wertvolles Trinkwasser eingespart werden?
Durch steigende Temperaturen und erhöhtem Wasserbedarf, z.B. auch durch mehr Begrünung, werden Überlegungen angestellt, anstelle des wertvollen Trinkwassers gereinigtes Abwasser für bestimmte Zwecke zu verwenden.

Verwendung von Grauwasser (wenig verschmutztes Haushaltswasser)         Grauwasser lässt sich mit vergleichsweise geringem Aufwand reinigen und anschließend für bestimmte Zwecke nutzen, beispielsweise:

  • Bewässerung von Grünflächen
  • Landwirtschaftliche Nutzung
  • Toilettenspülungen
  • Straßenreinigung

In einigen europäischen Ländern werden solche Systeme bereits eingesetzt. In Mailand z.B, wird gereinigtes Kläranlagenwasser für die Landwirtschaft verwendet. Allerdings sind dafür zusätzliche Leitungsnetze, Speicheranlagen und Hygienekontrollen erforderlich. In der österreichischen Bauordnung ist dies nicht vorgesehen. In Österreich wird gereinigtes Wasser bisher nur in begrenztem Umfang wiederverwendet, da ausreichend hochwertige Wasserressourcen vorhanden sind.[9].

Regenwasser sammeln
Die gute alte Regentonne wird leider in Trockenperioden auch nicht mehr voll. Außerdem ist auch Regenwasser nicht komplett sauber. Aber zum Blumengießen kann man es gut verwenden.

Trockentoiletten
Die 30-40l Trinkwasser, die bei jeder Klospülung verbraucht werden, könnte man durch den Einbau von Trockentoiletten in Neubauten einsparen. Sie sind geruchsfrei, wartungsarm und finden z.B. auf zahlreichen Berghütten bereits ihre Verwendung. Die Toilette funktioniert wasserlos, die Ausscheidungen werden durch einen speziellen Einsatz voneinander getrennt und in zwei separate Behälter geleitet. Der Urin fließt in einen Kanister, während Kot mit einem Müllbeutel ausgekleideten Eimer landet. Die Trockentrenntoilette verzichtet auf chemische Zusätze. Stattdessen sorgt die Verwendung von Streu dafür, dass sich keine unangenehmen Gerüche bilden. Der Film „Holy Shit“ [10] zeigt höchst informativ den Umgang mit unseren Ausscheidungen.

Wärme durch Abwasser
In Wien z.B. versorgen Großwärmepumpen 112.000 Haushalte mit klimaneutraler Fernwärme aus gereinigtem Abwasser. Das bedeutet eine Einsparung von 300.000 Tonnen CO2 pro Jahr [11].

Bewusstsein schaffen
Die Umweltberatung bietet die Broschüre „Spartipps: Wasser sparen“ zum kostenlosen Download an [12].

Fazit
Die Wasserkreislaufwirtschaft in Österreich stellt sicher, dass hochwertiges Trinkwasser aus Grundwasser- und Quellvorkommen zu den Haushalten gelangt und das entstehende Abwasser über Kanäle und Kläranlagen gereinigt wird. Der Ausbau des Siedlungswasserbaus seit dem 20. Jahrhundert hat wesentlich zur Verbesserung von Hygiene, Gesundheit und Gewässerschutz beigetragen. Zukünftige Herausforderungen liegen vor allem im Schutz des Grundwassers, im Umgang mit Medikamentenrückständen und Mikroplastik sowie in der möglichen Wiederverwendung von gereinigtem Grauwasser für Landwirtschaft und Warmwasseraufbereitung. Österreich verfügt über ein leistungsfähiges System, das zu den besten Europas zählt. Dennoch sollten im Hinblick auf vermehrte Hitze- und Trockenperioden Massnahmen zum Schutz und zum sparsamen Gebrauch unseres kostbaren Trinkwassers entwickelt werden.

Quellen
[1] Umweltbundesamt Österreich – Trinkwasser. https://www.umweltbundesamt.at/umweltthemen/wasser/trinkwasser Zugriff 23.7.2026

[2] Bundesministerium für Land-und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft. Wasserversorgung und Wasserverbrauch. https://www.bmluk.gv.at/themen/wasser/nutzung-wasser/wasserversorgung/versorgung.html Zugriff 23.7.2026

[3] Greenpeace: Grundwasseranalyse vom 4.5.2026. https://greenpeace.at/presse/greenpeace-analyse-70-prozent-der-grundwasserstaende-in-oesterreich-zu-niedrig/ Zugriff 23.7.2026

[4] Klimawandel. Landwirtschaft. https://www.klimawandelanpassung.at/kwa-allgemein/kwa-landwirtschaft Zugriff 23.7.2026

[5] siehe [2] Trinkwasserverbrauch https://www.bmluk.gv.at/themen/wasser/wasser-oesterreich/zahlen/trinkwasserverbrauch.html Zugriff 23.7.2026

[6] Wirtschaftskammer. Poolbefüllungsplan. https://www.wko.at/oe/handel/oevs/befuellung-von-pools.pdf Zugriff 23.7.2026

[7] siehe [2] Kanalanlagenbestand https://www.bmluk.gv.at/themen/wasser/wasser-oesterreich/zahlen/anlagenbestand.html Zugriff 23.7.2026

 [8] siehe [2] Österreichischer Bericht über Kläranlagen und Abwasserrichtlinie KARL https://www.bmluk.gv.at/themen/wasser/wasser-eu-international/europaeische-und-internationale-wasserwirtschaft/berichte/lagebericht2024.html Zugriff 23.7.2026

Abwasserrichtlinie KARL https://www.bmluk.gv.at/themen/wasser/wasser-eu-international/kommunale-abwasserrichtlinie-beschlossen.html Zugriff 23.7.2026

[9] Austria Presse Agentur. Science:  https://science.apa.at/mehrzumthema/abwasser-fuer-die-landwirtschaft-danke-derzeit-kein-bedarf/ Zugriff 23.7.2026

[10] Holy Shit. Trailer https://www.youtube.com/watch?v=qGUErT2BKCU Zugriff 23.7.2026

[11] Stadt Wien: Fernwärme aus Abwasser https://www.wien.gv.at/spezial/klimatour/wasser/fernwarme-aus-abwasser/ Zugriff 23.7.2026

[12] Die Umweltberatung. Broschüre “Spartipps: Wasser sparen“. https://www.umweltberatung.at/spartipps-wasser-sparen-deutsch Zugriff 23.7.2026

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