Warum in Kronstorf?
Bereits 2008 hat Google 50 Hektar (ha) freie Fläche (Ackerland) in Kronstorf erworben. Durch die Nähe zu dem großen Umspannwerk Ernsthofen, das für die Stromversorgung wichtig ist, sowie die nahe gelegene Enns, welche die Ein- und Ableitung von Kühlwasser ermöglicht, scheint dieser Standort äußerst günstig für die Errichtung eines derartigen Rechenzentrums. Politische Zustimmung zu dem Projekt erfolgt aufgrund der Annahme, dass diese Infrastruktur benötigt wird, um in einer digitalisierten Welt bestehen zu können. Außerdem sei der Bau eine Milliardeninvestition in den Standort und schaffe Arbeitsplätze [1].
Rechenzentrum ja oder nein?
Aufgrund der ausgeprägten Kompetenzen in Energie- und Umwelttechnik, sowie KI- und Industrie-Kompetenz hat Oberösterreich die Jahrhundert-Chance, digitale Infrastruktur mit anspruchsvollem Umweltschutz zu verbinden. Die ökologischen Bedenken sind ernst zu nehmen. Wenn Oberösterreich auf ein Rechenzentrum verzichtet und gleichzeitig weiterhin digitale Dienste nutzt, verschwindet der dafür notwendige Ressourcenverbrauch allerdings eben auch nicht. Er entsteht lediglich anderswo [2].
Der Ressourcenverbrauch durch KI-Anwendungen ist explodiert. KI-Modelle werden immer größer, komplexer und energiehungriger. Der Rechenaufwand für das Erstellen eines KI-Modells („Training“) verdoppelt sich etwa alle sechs Monate. Der globale Strombedarf für KI-Rechenleistung wird 2030 ca. 11 Mal so hoch sein wie im Jahr 2023 [3].
Die bestehende Gesetzeslage hat mit der rasanten Entwicklung großer Rechenzentren nicht Schritt gehalten. Rechenzentren sind im österreichischen Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP)-Gesetz als eigener Projekttyp überhaupt nicht erfasst. Dadurch fehlen gesetzlich festgelegte Schwellenwerte, wie sie beispielsweise für Kraftwerke, Parkplätze oder Stauseen existieren. Eine offensichtliche Gesetzeslücke, die sowohl auf europäischer als auch auf nationaler Ebene geschlossen werden müsse [4].
Abgesehen von einer fehlenden Umweltverträglichkeitsprüfung wird auch die Wertschöpfung als nicht nachhaltig kritisiert: Google verbraucht in Österreich den Boden und Strom. Wir müssen Stromnetze erneuern, also die Infrastruktur erstellen. Und wir bekommen dafür Hitze und warmes Wasser. Bei Ausschreibungen für Wartungsarbeiten für Klimaanlagen oder Ähnliches wird die lokale Wirtschaft nicht profitieren. Ein kleiner Installateur hat nicht die Ressourcen, einen so großen Auftrag umzusetzen. Also kommen auch dort internationale Konzerne zum Tragen. Gewinne und Steuern wandern ins Ausland. Lärm und Hitze werden ein Problem. Rund um Rechenzentren ist es zwei Grad wärmer. Aber es gibt für dieses Rechenzentrum nicht einmal ein Mikroklima-Gutachten, wie das inzwischen in jeder Großstadt bei jedem Bauvorhaben gemacht wird [5].
Facts
Stromverbrauch
Da das Rechenzentrum Tag und Nacht in Betrieb sein wird, wird der Stromverbrauch sehr hoch werden. In der Endausbaustufe beträgt er 4,4 Terawattstunden (TWh). Das entspricht dem jährlichen Strombedarf von rund 1,1 Millionen durchschnittlichen Haushalten oder etwa 7 Prozent des gesamten österreichischen Stromverbrauchs. Harald Müllner von der „Bürger:inneninitiative Rechenzentrum Kronstorf“ sagt dazu: „Österreich kann den Strom nicht einfach herbeizaubern. Durch die Trockenheit produzieren die Flusskraftwerke weniger Energie, der Ausbau der Erneuerbaren stockt und wir brauchen hier zusätzlich Strom. Das ist nicht umsetzbar.“ Die Austrian Power Grid, der nationale Stromübrtragungsnetzbetreiber, arbeitet derzeit daran, die Stromversorgung für den Zentralraum Oberösterreich auch in Zukunft sicherzustellen [6].
Wasserverbrauch
Die Server müssen laufend gekühlt werden. Dafür soll Grundwasser aus Brunnen nahe der Enns oder direkt aus der Enns genutzt werden. Pro Tag dürfen von Google laut wasserrechtlicher Bewilligung insgesamt bis zu 5,8 Millionen Liter erwärmtes (30°C) Kühlwasser wieder in die Enns rückgeleitet werden. Von der zuständigen Behörde heißt es, die Temperaturerhöhung im Fluss liege auch bei voller Ausschöpfung der bewilligten Menge deutlich unter der maximal zulässigen Grenze. Kritiker warnen jedoch vor Folgen für die durch Hitze und Trockenheit ohnehin schon gestresste Gewässerökologie. Mitglieder der „Bürger:inneninitiative Rechenzentrum Kronstorf“ [7] befürchten negative Auswirkungen auf Fische und andere Wasserorganismen. Google kündigte an, über einen Fonds gemeinsam mit dem Oberösterreichischen Landesfischereiverband Projekte zur Verbesserung des Gewässerökosystems der Enns zu unterstützen [8].
Abwärme
Die entstehende Abwärme könnte grundsätzlich für Fernwärme oder industrielle Prozesse genutzt werden. Das seit 1. April 2026 gültige oberösterreichische Energieeffizienzgesetz verpflichtet Rechenzentren ab einer bestimmten Leistung, Abwärme nutzbar zu machen – sofern das technisch und wirtschaftlich möglich ist. Sobald ein geeigneter Abnehmer gefunden sei, könne, laut Google, die Abwärme kostenlos übernommen werden [9].
Flächenverbrauch
50 bis 70 Hektar Boden, fruchtbares Ackerland inklusive Zufahrtsstraßen – das entspricht bis zu 80 Fußballfeldern – werden dabei versiegelt. Dafür werden laut Google gerade mal 100 Arbeitsplätze neu geschaffen – oder anders ausgedrückt: Zwei Arbeitsplätze auf der Fläche eines Sportplatzes [10].
Forderung nach Gesamtprüfung
Die Bürger:inneninitiative Rechenzentrum Kronstorf hat mit der Petition #mein aufstehn eine Initiative gestartet, die eine transparente Gesamtprüfung fordert (37657 Unterschriften Stand 31.7.2026) [11].
ÖKOBÜRO und GLOBAL 2000 schlagen ein mehrstufiges Modell für die UVP-Pflicht vor [12].
Wie wirkt sich eigentlich meine eigene ChatGPT Anfrage aus [13]?
Es gibt inzwischen einige belastbare wissenschaftliche Schätzungen, aber keine exakten Zahlen. Der Grund ist, dass Unternehmen wie OpenAI keine Daten zum Energieverbrauch einzelner Anfragen veröffentlichen und dieser stark vom Modell, der Länge der Unterhaltung und der Auslastung der Rechenzentren abhängt.
Eine Anfrage an ChatGPT benötigt z.B. durchschnittlich 2,9 (Wattstunden) Wh. Im Vergleich dazu braucht eine herkömmliche Google-Suche etwa 0,3 Wh. Je komplexer die Anfrage ist, aber auch bis fast 9 Wh pro Anfrage.
Zu beachten ist allerdings, dass der Energieverbrauch des Rechenzentrums nur ein Teil der Umweltbilanz ist. Hinzu kommen: Kühlung der Server, Herstellung der Hardware, Bau und Betrieb der Rechenzentren, sowie die Energie für dein eigenes Endgerät und die Datenübertragung.
Fazit
Durch den Boom der künstlichen Intelligenz ist mit einem erheblichen Anstieg des Stromverbrauchs – und zwar weltweit, zu rechnen. Globale Statistiken zeigen, dass Rechenzentren heute ungefähr 1,5 Prozent des gesamten Stromverbrauchs einnehmen. Die Internationale Energieagentur erwartet, dass sich der Stromverbrauch von Rechenzentren bis 2030 sogar mehr als verdoppeln könnte. Der KI-Boom bringt wirtschaftliche Interessen, Energieversorgung und Umweltschutz in Konflikt. Nutzung von KI wirkt für Nutzer:innen oft immateriell – ihre Infrastruktur mit all ihren Folgewirkungen ist aber sehr real, wie man anhand des Projekts Kronstorf sieht. Nachdem weitere große Zentren in Wien-Umgebung, Salzburg und im Burgenland gebaut werden sollen, ist eine Regelung für umweltverträgliche Bedingungen unumgänglich bzw. ist die Gesetzeslage entsprechend anzupassen [14].
Quellen
[1] Zitat A.Pröll, Staatssekretär für Digitalisierung, Oberösterreichische Nachrichten vom 22.7.2027
[2] Rechenzentrum Ja oder Nein? Wirtschaft verstehen von T.A.Cocca, OÖ Nachrichten 21.7.2027
https://www.jku.at/fileadmin/gruppen/103/Asset_Management/Sonstiges/Kolumnen__Beitraege_und_Artikel/Kolumne_Rechenzentrum_Ja_oder_Nein.pdf Zugriff 31.7.2026
[3] Greenpeace, Unterrichtsmaterial zu KI und Klima. https://www.greenpeace.de/ueber-uns/umweltbildung/unterrichtsmaterial-kuenstliche-intelligenz-ki-und-klima Zugriff 31.7.2026
[4] UVP Gesetz kennt Datencenter bislang nicht. Mein Bezirk Linz Land v. 17.6.2026 https://www.meinbezirk.at/linz-land/c-lokales/umweltorganisationen-forde Zugriff 31.7.2026
[5] L.Wohlgenannt, International Press Agency vom 20.7.2026. Google-Rechenzentrum in Kronstorf: “Es wird null Wertschöpfung geben in Österreich“. https://www.pressenza.com/de/2026/07/google-rechenzentrum-in-kronstorf-es-wird-null-wertschoepfung-geben-in-oesterreich/ Zugriff 31.7.2026
[6] Science ORF vom 14.7.2026 Kritiker warnen vor Folgen. https://science.orf.at/stories/3236394/ Zugriff 31.7.2026
[7] Bürger:inneninitiative Rechenzentrum Kronstorf https://www.koogle.at/ Zugriff 31.7.2026
[8] siehe [6]
[9] siehe [6]
[10] LinzA Stadtmagazin. Ein Arbeitsplatz auf 7.000 Quadratmeter versiegelten Boden https://www.linza.at/googleserver/ Zugriff 31.7.2026
[11] Petition #mein aufstehn Bürger:inneninitiative Rechenzentrum Kronstorf https://mein.aufstehn.at/petitions/stopp-der-einzelgenehmigungen-wir-fordern Zugriff 31.7.2026
[12] siehe [4]
[13] Energiebedarf von KI Anfragen.
https://www.erneuerbare-energie.at/energiefakten/2025/17/01/energiebedarf-ki Zugriff 31.7.2026
[14] Die Computerwoche: Strombedarf von Rechenzentren wächst https://www.computerwoche.de/article/4183391/gartner-strombedarf-von-rechenzentren-wachst-2026-um-26-prozent.html Zugriff 31.7.2026