Die Umweltauswirkungen von Ernährungsweisen (von Benjamin Kraus)

Status Quo

Dass der europa- und weltweit enorme Konsum tierischer Lebensmittel bedingt durch die massenhafte Viehzucht und deren ökologische Auswirkungen die Umwelt und das Klima sowie auch unsere Gesundheit schädigt, ist weitgehend bekannt. In diesem Beitrag werden hierzu relevante Daten und Fakten erläutert und Handlungsanweisungen vermittelt, die zu einem umwelt- und klimafreundlicheren Handeln beitragen. Auch wenn tierethische Erwägung für den Verzicht und die Reduktion des Konsums von tierischen Nahrungsmitteln zentral sind, fokussiert dieser Beitrag die umwelt- und klimarelevanten Aspekte.

Auswirkungen von Fleischkonsum

Die Nahrungsmittelproduktion ist für rund ein Drittel der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich. Etwa 15% sind, Stand 2014, auf Viehzucht zurückzuführen. [1] Davon stammt der Großteil aus der Produktion und Verarbeitung von Futtermitteln, Lieferketten und dem tierischen Verdauungsprozess, wie etwa durch die Freisetzung von Methan, sowie der Verarbeitung und Lagerung von Dung. [2] Die Produktion tierischer Nahrungsmittel beansprucht global über 80% der landwirtschaftlich genutzten Flächen, deckt aber nur 30% des Eiweißbedarfs und belastet Böden und Grundwasser. [3] 

Auch in Österreich ist die Nahrungsmittelproduktion für ca. 30% der Emissionen verantwortlich, wobei der Anteil des Fleischkonsums an den Gesamtemissionen der Lebensmittelproduktion 43 % beträgt und auch sonst viele Auswirkungen auf die Umwelt hat. [4] Dazu zählen neben den klimaschädlichen Treibhausgasemissionen die Abholzung von Waldflächen für die Tierfutterproduktion, die Entwässerung von Mooren, der ressourcenintensive Verbrauch von Wasser und der großflächige Einsatz von Pestiziden und Herbiziden. [5] Da das Tierfutter in Form von Mais und Soja zum überwiegenden Großteil aus Lateinamerika stammt, verursacht unser Fleischkonsum auch weit entfernt Umweltbelastungen durch die Abholzung von Waldflächen und den Einsatz von Umweltgiften und Düngemitteln, was verstärkt zu Bodenerosion und einer Verschlechterung der Wasserqualität und weiteren ökologischen Folgen beiträgt. Bezüglich der Gesundheit haben Veganer:innen und Vegetarier:innen im Vergleich zu Fleischessern durchschnittlich gesündere Blutfettwerte und einen geringeren Body Mass Index und daher ein geringeres Risiko für chronische Krankheiten wie Herzkreislauferkrankungen, Typ-2-Diabetes, Adipositas oder Krebs. [6] 

Hier gibt es also großes Potenzial für umwelt- und klimafreundlicheres Handeln im Zusammenhang mit unserer Ernährungsweise. Denn ein Großteil der Emissionen und anderen Umweltschäden ist durch unseren enormen Fleischkonsum bedingt.

Fleischkonsum in Österreich und Deutschland

Im Vergleich zum globalen Fleischkonsum, der sich in den letzten 20 Jahren mehr als verdoppelt hat, ist der Fleischkonsum in Österreich zwar leicht rückläufig, aber laut Statista liegt Österreich mit 58 kg pro Kopf und Jahr dennoch im europäischen Vergleich ziemlich weit vorne. [7] [8] Laut österreichischem Gesundheitsministerium werden pro Woche 300 bis 450 Gramm Fleisch empfohlen, was aufs Jahr gerechnet 15,6 bis 23,4 Kilogramm beträgt. [9] Nach klimawissenschaftlichen Empfehlungen sollte der Fleischkonsum pro Jahr 15 Kilogramm nicht überschreiten. [10] Die Ökobilanz von pflanzlicher Ernährung ist in der Regel deutlich besser als jene von tierischen produkten, da weniger Treibhausgase emittiert werden und die Produktion allgemein weniger umweltbelastend und ressourcenschonender ist. Daten aus Deutschland zeigen, dass sich 66% der ernährungsbedingten Treibhausgasemissionen und 61% der Flächeninanspruchnahme auf tierische Lebensmittel zurückführen lassen. [11] Außerdem sind etwa ein Viertel der 11 Tonnen CO2-Emissionen, die Deutschen pro Kopf und Jahr zugerechnet werden, auf die Ernährungsweise zurückzuführen. [12] 

Den Fleischkonsum zu reduzieren ist daher nicht nur im Interesse der Tiere, sondern auch im Interesse unserer Gesundheit sowie des Klimas und der Umwelt.

Reduktion und fleischlose Ernährung

Je nach Studienlage können bei einer deutlichen Reduktion tierischer Produkte (70% weniger Fleisch und 20% weniger Milchprodukte) Treibhausgasemmissionen um 22% verringert werden. [13] Andere Studien gehen bei einer Reduktion des Fleischkonsums um zwei Drittel, was der Empfehlung der Österreichischen Gesellschaft für Ernährung (ÖGE) entspricht, und 100% Bio-Fleisch von einer Reduktion um 41% und bei rein vegetarischer Ernährung und ausschließlich Bio-Produkten von einer Reduktion um 57% aus. [14] Eine vegane Ernährungsweise wird mit 70% bzw. 76% Reduktion bei reiner Ernährung von Bio-Produkten als klimafreundlichste Ernährungsweise ausgewiesen. [15] 

Beim Konsum tierischer Produkte sind im Sinne der Nachhaltigkeit regionale und Bio-Produkte sowie Weidehaltung zu erwähnen, da hierbei die Emissionen langer Lieferketten wegfällt, die Umweltbelastung durch geringere Verwendung von Düngemitteln und Pestiziden niedriger ausfällt und weniger Wasser und Fläche für den Futtermittelanbau benötigt wird.

(vgl. https://greenpeace.at/news/blog-klimaschutz-und-ernaehrung/)

Fazit

Abseits des Tierleids ist also festzuhalten, dass sich unsere Ernährungsweise massiv auf die Umwelt und den Klimawandel auswirkt. Ein großer Anteil der Emissionen der Nahrungsmittelproduktion entfällt hierbei auf tierische Nahrungsmittel wie Fleisch und Milchprodukte. Essen müssen wir nunmal, jedoch müssen wir keine tierischen Nahrungsmittel essen und nicht in den riesigen Ausmaßen, wie es derzeit der Fall ist. Ideal wäre natürlich, wenn möglichst viele Menschen komplett auf Fleisch oder allgemein auf tierische Nahrungsmittel verzichten. Das bedeutet jedoch nicht, dass jeder von heute auf morgen zum/zur Veganer:in werden muss, aber eine Reduktion des Fleischkonsums ist für jeden möglich. Jeder noch so kleine Schritt ist wertvoll, auch wenn erstmal nur ein Tag oder eine Mahlzeit fleischlos gestaltet wird und dieses Verhalten dann bestenfalls ausgeweitet wird. Wie oben beschrieben tut dies nicht nur der Umwelt und dem Klima gut, sondern ist auch im Interesse der eigenen Gesundheit. Ein Hoffnungsschimmer ist, dass sich die 15- bis 29-Jährigen im Vergleich zur Gesamtbevölkerung doppelt so häufig vegetarisch und vegan ernähren. [16] Ein gewisses Umdenken scheint bei der jungen Generation also schon stattgefunden zu haben und es bleibt zu hoffen, dass sich der Trend weiter fortsetzt.

Abseits der individuellen Ebene kann die Ernährungsweise der Bevölkerung auch durch politische und marktwirtschaftliche Regelungen beeinflusst werden. Wenn etwa Subventionen für Nahrungsmittelproduktion gezielt dort Anwendung finden, wo es im Sinne der Nachhaltigkeit am besten ist. Oder wenn die Preise für Lebensmittel auch ihre ökologischen Auswirkungen abbilden würden. Insofern ist auch ein politisches Tätigwerden wichtig, um die Agrarpolitik in eine Richtung zu lenken, die für Mensch, Tier und Umwelt am verträglichsten ist.

[1] vgl. https://www.news.at/umwelt/vegetarisch-fleischkonsum-klima

[2] vgl. https://www.news.at/umwelt/vegetarisch-fleischkonsum-klima

[3] vgl. https://science.orf.at/stories/3232271/ 

[4] vgl. https://www.wwf.at/nachhaltig-leben/fleisch/

[5] vgl. https://science.orf.at/stories/3232271/ 

[6] vgl. https://science.orf.at/stories/3232271/ 

[7] vgl. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/287345/umfrage/pro-kopf-konsum-von-fleisch-in-oesterreich/ 

[8] vgl. https://www.news.at/umwelt/vegetarisch-fleischkonsum-klima

[9] vgl. https://www.news.at/umwelt/vegetarisch-fleischkonsum-klima 

[10] vgl. https://www.news.at/umwelt/vegetarisch-fleischkonsum-klima 

[11] vgl. https://science.orf.at/stories/3232271/ 

[12] vgl. https://www.umweltbundesamt.de/umwelttipps-fuer-den-alltag/essen-trinken/klima-umweltfreundliche-ernaehrung#hintergrund 

[13] vgl. https://www.wwf.at/nachhaltig-leben/fleisch/ 

[14] vgl. https://www.news.at/umwelt/vegetarisch-fleischkonsum-klima; https://boku.ac.at/universitaetsleitung/rektorat/stabsstellen/oeffentlichkeitsarbeit/themen/presseaussendungen/presseaussendungen-2020/17122020-grosses-einsparpotential-durch-ernaehrung-fuer-den-klimawandel; https://www.fibl.org/fileadmin/documents/de/news/2020/startclim_endbericht_2012.pdf 

[15] vgl. https://www.news.at/umwelt/vegetarisch-fleischkonsum-klima; https://boku.ac.at/universitaetsleitung/rektorat/stabsstellen/oeffentlichkeitsarbeit/themen/presseaussendungen/presseaussendungen-2020/17122020-grosses-einsparpotential-durch-ernaehrung-fuer-den-klimawandel; https://www.fibl.org/fileadmin/documents/de/news/2020/startclim_endbericht_2012.pdf 

[16] vgl. https://www.global2000.at/sites/global/files/Fleischatlas-2021.pdf, S. 41

Quellen

https://boku.ac.at/universitaetsleitung/rektorat/stabsstellen/oeffentlichkeitsarbeit/themen/presseaussendungen/presseaussendungen-2020/17122020-grosses-einsparpotential-durch-ernaehrung-fuer-den-klimawandel

https://www.fibl.org/fileadmin/documents/de/news/2020/startclim_endbericht_2012.pdf

https://www.global2000.at/sites/global/files/Fleischatlas-2021.pdf

https://greenpeace.at/news/blog-klimaschutz-und-ernaehrung

https://www.news.at/umwelt/vegetarisch-fleischkonsum-klima

https://science.orf.at/stories/3232271

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/287345/umfrage/pro-kopf-konsum-von-fleisch-in-oesterreich/ 
https://www.wwf.at/nachhaltig-leben/fleisch/


Benjamin Kraus (MA)

Durch mein Philosophiestudium habe ich die Neugierde schätzen gelernt und meine Passion für das Schreiben entdeckt. Neugierde hat etwas Kindliches, aber ich finde es wichtig, diese auch im Erwachsenenalter zu kultivieren. Ich lese mich gerne in neue Themengebiete ein und mir gefällt es, komplexe Sachverhalte verständlich, aber nicht verkürzt, zu erklären. Außerdem ist mir die Umwelt wichtig und in dieser Tätigkeit als Blogautor kann ich all jene Punkte wunderbar verbinden.