Ernährung von Städten (von Rebecca Lang)

Schätzungen zufolge lebten 2025 ungefähr 58% der Weltbevölkerung in Städten – Tendenz steigend [1]. Urbane Räume sind geprägt von Bodenversiegelung und Bebauung und werden auf geringem Raum von vielen Menschen bewohnt. Damit bleibt wenig Platz für die Produktion von Nahrungsmitteln. Es stellt sich also die Frage, wie die Menschen in Städten nachhaltig mit frischen und nährstoffreichen Lebensmitteln versorgt werden können. 

Fruchtbares Land

Das Projekt WeltTellerFeld in Wien-Donaustadt (https://welttellerfeld.at/) veranschaulicht den Landverbrauch unserer Ernährung. Das Feld ist 3.000m^2 groß, öffentlich zugänglich und zeigt hautnah, wie viel Fläche für den jährlichen Nahrungsmittelkonsum eines durchschnittlichen Menschen in Österreich notwendig ist. 

Umgelegt auf ganz Österreich sind 3,1 Mio. Hektar Fläche im In- und Ausland notwendig, um die Bevölkerung mit Nahrung zu versorgen – das ist etwa ⅓ der Fläche von Österreich. 75% dieses Land-Fußabdrucks werden durch die Produktion von tierischen Lebensmitteln verursacht, denn tierische Lebensmittel verbrauchen relativ gesehen mehr Fläche als pflanzliche: Laut WWF benötigt man für 1kg Hülsenfrüchte 3,6m^2 Land und für 1kg Rindfleisch 46m^2, also etwa die 13-fache Fläche. Grund für diesen großen Unterschied ist der Anbau von Futtermittel für Nutz- und Schlachttiere [2]. Um den Landverbrauch durch die eigene Ernährung zu reduzieren, ist also eine primär pflanzliche Ernährung wegweisend. 

Etwa 40% des österreichischen Land-Fußabdrucks liegt zudem im Ausland, das bedeutet, dass wir unseren Landverbrauch auslagern und für unsere Ernährung Lebensräume in anderen Ländern nutzen und belasten [2]. 

Nahrungsmittel am globalen Markt

In unserer globalisierten Welt erscheint es für uns ganz normal, im Supermarkt Avocados aus Peru zu kaufen und dass Erdbeeren auch im Winter verfügbar sind. Das ist aber nur möglich, weil das Obst und Gemüse in wärmeren Regionen angebaut und in die ganze Welt verfrachtet wird. Das passiert nicht nur mit pflanzlichen Lebensmitteln, auch große Mengen an Fleisch, Käse und anderen tierischen Produkten werden über weite Strecken nach Österreich transportiert. Zusätzlich werden österreichische Nutztiere mit Futtermittel (z.B. Sojaschrot) aus Übersee gefüttert. Abgesehen von lokalen Umweltbelastungen im Produktionsland des Futtermittels, wie die Abholzung des Regenwaldes, verursacht dieser Import auch große Mengen an Treibhausgase [3]. Transportiert wird mit dem Schiff, dem Flugzeug, der Bahn oder dem LKW – aus Klimasicht schneidet das Flugzeug eindeutig am schlechtesten ab [4].

In “Food Miles” werden die Meilen/Kilometer gemessen, die beim Transport der Nahrung zurückgelegt werden. Abhängig vom Verkehrsmittel können die dadurch ausgestoßenen Treibhausgase abgeschätzt werden. Testet es gerne selber und schaut nach wie weit der Weg bis auf euren Teller ist: https://www.foodmiles.com/ ​​

Fehlende Versorgungssicherheit

Nachdem Großstädte nicht in ausreichender Menge Nahrung produzieren können, um ihre Bevölkerung zu versorgen, muss aus ländlichen Regionen geliefert werden. Das bedeutet aber, dass die Städte von diesem Transport und Import zunehmend abhängig sind und bei Problemen oder Krisen ein Risiko von Unruhen besteht [5].

Auch ein relevanter Aspekt bezüglich der regionalen Lebensmittelversorgung ist die fehlende Vielfalt in der Landwirtschaft. In Österreich sind Weizen und Mais die Kulturen, die die meiste Fläche beanspruchen [6]. Mais wird zu großen Teilen als Tierfutter oder für die Biogasproduktion verwendet [7]. Das führt dazu, dass andere Kulturen, wie Gemüse und Hülsenfrüchte, wesentlich seltener angebaut werden und dementsprechend weniger regional zur Verfügung stehen [8]. Das bedeutet auch, dass ein großer Teil der landwirtschaftlichen Fläche in Österreich nicht für die Produktion von direkt verzehrbaren Lebensmitteln genutzt wird. Das zeigt sich auch beim Soja: Nur 50% des österreichischen Sojas werden für den direkten menschlichen Verzehr angebaut, die andere Hälfte wird für Futtermittel genutzt [9].

Nahrung soll gesund und leistbar sein

Viele Stadtmenschen sind aufgrund von Zeitmangel und Geldknappheit im Alltag auf günstige, hochverarbeitete Produkte angewiesen, wobei Studien klar zeigen, dass diese das Risiko für vielerlei Erkrankungen erhöhen [10]. In einer idealen Welt sollte jedoch jeder Mensch die Möglichkeit haben, sich frische Lebensmittel zu leisten und zubereiten zu können. 

Zum Thema Leistbarkeit gibt es wenig Handlungsspielraum für die Bürger*innen selbst, aber umso mehr für die Politik. Anfang 2026 hat die österreichische Bundesregierung beschlossen, die Umsatzsteuer auf gewisse Nahrungsmittel zu senken [11]. Es wird sich zeigen, wie entlastend diese Maßnahme wirken wird. Für die Zukunft wäre auch eine Begünstigung von biologisch angebauten pflanzlichen Lebensmitteln sinnvoll, da die Leistbarkeit häufig als große Hürde gesehen wird, sich pflanzlicher zu ernähren. Wichtig ist jedenfalls, dass frische Lebensmittel wie Obst und Gemüse leistbar und zugänglich sind. 

Geht Landwirtschaft auch in der Stadt?

Etwas, was sich positiv auf die oben genannten Probleme auswirkt, ist Urban Gardening, also in der Stadt zu gärtnern. Menschen mit Garten können diesen direkt für den Gemüseanbau nutzen, aber auch am Balkon kann mithilfe von Hochbeeten und Töpfen eigenes Gemüse angebaut werden. In Wien werden bereits jetzt in vielen Wohnbauprojekten Gemeinschaftsgärten oder -hochbeete für die gemeinsame Nutzung eingeplant.

Außerdem gibt es in Wien auch die Möglichkeit, als Privatperson richtige Felder zu bestellen. Verschiedene Höfe bieten Selbsternteparzellen in Wien an, die in den wärmeren Monaten den Gemüseanbau ermöglichen. Wenn dann zusätzlich auch Methoden der Haltbarmachung und Lagerung gelernt werden, lässt sich ein Teil der gekauften Lebensmittel mit dem eigens produzierten ersetzen. 

Urban Gardening lässt die Menschen wieder mehr in Kontakt mit der Lebensmittelproduktion treten. Dadurch steigert man das eigene Verständnis für die Ressourcen, die notwendig sind, um sich selbst zu ernähren [5]. 

Wie sieht es in Wien und Singapur aus?

Wien ist ein besonderes Beispiel für die Nahrungsmittelversorgung einer Millionenstadt: Rund 15% der Gesamtfläche von Wien werden landwirtschaftlich genutzt, davon ⅓ mit biologischer Bewirtschaftung. Daher hat Wien auch einen hohen Grad der Selbstversorgung – ca. ⅓ des Bedarfs an Gemüse von Wiener*innen wird durch lokale Betriebe gedeckt. Speziell bei Gurken ist Wien Expertin, da 2 von 3 Gurken in Österreich aus Wien stammen. Die Stadt Wien agiert selbst auch als Biobetrieb und bewirtschaftet rund 2.200 Hektar Acker- und Weinflächen [14].

Ein wenig anders ist es in Singapur. Dort leben 6 Millionen Menschen, aufgrund von Wohnungsbau macht die landwirtschaftlich genutzte Fläche nur noch 1% aus. Dennoch hat Singapur das Ziel ebenfalls ⅓ der konsumierten Nahrungsmittel vor Ort zu produzieren. Dafür wird viel in Forschung zu innovativer Lebensmittelproduktion investiert. Zum Beispiel wird daran geforscht, proteinreiche und nachhaltige Lebensmittelalternativen zu entwickeln – beispielsweise aus Algen, die mit besonders wenig Platz und Nährstoffen auskommen [15]. 

Vertical Farming ist ein Konzept, welches ermöglicht, lokal in dicht verbauten Gebieten Lebensmittel zu produzieren. Damit lässt sich der Landverbrauch reduzieren, indem auf übereinander angelegten Flächen Lebensmittel angebaut werden. Wichtig ist, die geeigneten Wachstumsbedingungen energie- und ressourceneffizient sicherzustellen. Für einen breiten Einsatz in der Zukunft ist aktuell noch viel Forschung notwendig [16].

Mit Blick in die Zukunft

Mit der zunehmenden Urbanisierung wächst die Notwendigkeit, Konzepte zu entwickeln, die eine nachhaltige Lebensmittelversorgung sicherstellen können.

Für Konsument*innen ist der Einkaufskorb der größte Hebel. Um auf das Klima und die Umwelt zu achten, sollte nach Möglichkeit saisonal, regional und biologisch eingekauft werden und allgemein einer pflanzenbetonten Ernährung nachgegangen werden. Dafür werden weniger Ressourcen und Platz verbraucht und die Lebensmittel müssen weniger weit transportiert werden. Hierbei hilft ein Saisonkalender: (https://www.gesundheit.gv.at/leben/ernaehrung/saisonkalender.html) Mit ihm kann man übers Jahr hinweg abwechslungsreich Gemüse einkaufen und verkochen. Man bekommt damit ein Gefühl dafür, wann welches Gemüse und Obst gerade in der Saison ist und probiert auch mal neue Arten aus. Wichtig ist nur, dass man darauf achtet, dass der Kalender auf die eigene Region abgestimmt ist.

Regionale Lebensmittel sind nicht nur nachhaltiger, sondern machen unser Ernährungssystem auch krisensicherer, da wir weniger abhängig von Importen sind [17]. Daher ist es sinnvoll, Landwirtschaft in Städten staatlich zu fördern. Während biologischer Anbau finanziell unterstützt werden sollte, sodass der Bio-Anteil ansteigt, sollten Subventionen für die Fleisch- und Milchindustrie reduziert werden, um die landwirtschaftlichen Flächen effizienter zu nutzen und den Ressourcenverbrauch zu verringern [18].

Für die Zukunft ist die Weiterentwicklung von innovativen Landwirtschaftskonzepten relevant, dafür wird noch viel Forschung und staatliche Unterstützung notwendig sein. Urban Gardening kann gering zum Selbstversorgungsgrad von Städten beitragen, reicht aber nicht aus, um Städte ausreichend zu versorgen [5]. Vertical Farming wird vor allem in dicht verbauten Gebieten an Bedeutung gewinnen. 

Schlussendlich steht fest: Unser Ernährungssystem gehört regional gesichert und es braucht Maßnahmen, die ermöglichen, dass alle Menschen Zugang zu leistbarer und gesunder Nahrung haben.

Literaturverweise:

[1] Destatis, 2025

[2] WWF, o.J.

[3] VCÖ, 2018

[4] alimentarium, o.J.

[5] Brot für die Welt, o.J.

[6] Statistik Austria, 2021

[7] BMLUK, o.J.

[8] Institute for Sustainable Agriculture and Food Economics, 2017

[9] Fachverband der Nahrungs- und Genussmittel­industrie Österreichs, 2023

[10] Córdova, 2023

[11] BKA, 2026

[12] WDR, o.J.

[13] Stadt Wien, o.J.

[14] Wiener Tourismusverband, o.J.

[15] TUM, 2023

[16] Energy Innovation Austria, 2018

[17] ÖAW, 2023

[18] National Geographic, 2025

Literaturverzeichnis:

Alimentarium (o.J.). Nahrungsmitteltransport. https://www.alimentarium.org/de/fact-sheet/nahrungsmittel-transport (Letzter Zugriff: 15.02.2026)

BMLUK (o.J.). Getreideanbau und Getreidearten in Österreich. https://www.bmluk.gv.at/themen/landwirtschaft/landwirtschaft-in-oesterreich/pflanzliche-produktion/getreide/Getreide.html (Letzter Zugriff: 15.02.2026)

Brot für die Welt (o.J.). Nimmersatte Megastädte. https://www.brot-fuer-die-welt.de/themen/satt-ist-nicht-genug-stadt/essen-in-der-stadt/nimmersatte-megastaedte/ (Letzter Zugriff: 15.02.2026)

Bundeskanzleramt (BKA) (2026). Ministerrat beschließt Liste der Grundnahrungsmittel mit ermäßigter Mehrwertsteuer. https://services.bundeskanzleramt.gv.at/newsletter/bka-medien-newsletter/innenpolitik/bka-medieninformation-28-01-2026.html (Letzter Zugriff: 15.02.2026)

Córdova, R. (2023). Fastfood und Co.: So ungesund wie ihr Ruf. https://rudolphina.univie.ac.at/ultra-hochverarbeitete-lebensmittel (Letzter Zugriff: 15.02.2026)

Energy Innovation Austria (2018). Vertical Farming. https://www.energy-innovation-austria.at/article/vertical-farming/ (Letzter Zugriff: 16.02.2026)

Fachverband der Nahrungs- und Genussmittel­industrie Österreichs (2023). Soja im Faktencheck. https://www.oesterreich-isst-informiert.at/tipps-service/soja-im-faktencheck/ (Letzter Zugriff: 15.02.2026)

Institute for Sustainable Agriculture and Food Economics (2017). Regionale Lebensmittel: Können sich Großstädte selbst versorgen? https://www.nutrition-impacts.org/regional-supply-of-megacities/ (Letzter Zugriff: 15.02.2026)

National Geographic (2025). Wie ernähren wir die Welt, ohne den Planeten zu zerstören? https://nationalgeographic.de/umwelt/2019/07/wie-ernaehren-wir-die-welt-ohne-den-planeten-zu-zerstoeren/ (Letzter Zugriff: 16.02.2026)

ÖAW (2023). Die Stadt als Ernährungsraum.

https://www.oeaw.ac.at/ita/detail/news/die-stadt-als-ernaehrungsraum (Letzter Zugriff: 16.02.2026)

Stadt Wien (o.J.). Lebensmittelabfälle: Zahlen, Daten und Fakten. https://www.wien.gv.at/umwelt/lebensmittel-abfaelle-zahlen-fakten#page (Letzter Zugriff: 15.02.2026)

Statistik Austria (2021). STATISTIK DER LANDWIRTSCHAFT.

https://www.statistik.at/fileadmin/publications/statistik_der_landwirtschaft_2020_barr.pdf (Letzter Zugriff: 15.02.2026)

Statistisches Bundesamt Deutschland (Destatis) (2025). Die größten Städte der Welt 2025.

https://www.destatis.de/DE/Themen/Laender-Regionen/Internationales/Thema/bevoelkerung-arbeit-soziales/bevoelkerung/Stadtbevoelkerung.html (Letzter Zugriff: 15.02.2026)

Technische Universität München (TUM) (2023). Lebensmittelforschung in Singapur Proteine für die Megacity. https://www.tum.de/aktuelles/alle-meldungen/pressemitteilungen/details/proteine-fuer-die-megacity-1 (Letzter Zugriff: 16.02.2026)

VCÖ (2018). Weitgereiste Lebensmittel. https://vcoe.at/publikationen/vcoe-factsheets/detail/vcoe-factsheet-2018-03-weitgereiste-lebensmittel (Letzter Zugriff: 15.02.2026)

WDR (o.J.). Planet Wissen: Geschichte der Landwirtschaft.

https://www.planet-wissen.de/gesellschaft/landwirtschaft/geschichte_der_landwirtschaft/index.html#heute (Letzter Zugriff: 15.02.2026)

Wiener Tourismusverband (o.J.). Wiener Stadtlandwirtschaft. https://www.wien.info/de/lebenswertes-wien/nachhaltiges-wien/stadtlandwirtschaft-425384 (Letzter Zugriff: 15.02.2026)

WWF (o.J.). Ernährung und Klimaschutz: Wie wir mit unserer Ernährung unseren Planeten retten können. https://www.wwf.at/nachhaltig-leben/ernaehrung-und-klimaschutz/ (Letzter Zugriff: 15.02.2026)

WeltTellerFeld
https://welttellerfeld.at/

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