Der “Preis” der fossilen Abhängigkeit (von Sonya Shtereva)

Der Krieg zwischen den USA, Israel und Iran zeigt, wie eng militärische Konflikte und die Klimakrise miteinander verknüpft sind: Neben Verlusten an Menschenleben und wirtschaftlichen Folgen trägt die Zerstörung von Infrastruktur durch den Krieg auch zu zusätzlichen Emissionen und Umweltbelastungen bei. [1]

Durch die Eskalation im Nahen Osten sind die Großhandelspreise für Energie gestiegen. Die Regulierungsbehörde E-Control bewertet dies aktuell noch als kurzfristige Preisspitzen. Wie stark die Preise steigen und wie lange sie auf hohem Niveau bleiben, hängt davon ab, wie lange der Konflikt anhält. Wenn die Großhandelspreise jedoch über längere Zeit hoch bleiben, könnten neue Strom- und Gasverträge für Haushalte schnell teurer werden. [2]

Haushalte mit bestehenden Verträgen und Preisgarantie sind vorerst vor Preiserhöhungen geschützt, da solche Garantien meist ein Jahr gelten. Verträge ohne Preisbindung können dagegen mit Verzögerung teurer werden, wenn Preisanpassungsklauseln greifen. E-Control empfiehlt, bei fehlender Preisgarantie – etwa bei leicht kündbaren Altverträgen – auf Tarife mit fixer Preisbindung umzusteigen; neue Angebote starten aktuell bei rund 10 Cent pro kWh netto. Zudem sollte die Grundgebühr beachtet werden, die je nach Anbieter zwischen etwa 20 und 60 Euro pro Jahr liegt, insbesondere bei geringem Energieverbrauch. [3]

Europa ist insgesamt weniger auf Gasimporte aus dem Nahen Osten angewiesen als viele asiatische Länder. Zwar stammen einige Lieferungen, beispielsweise aus Katar, aus dieser Region, doch gibt es zugleich bedeutende Alternativen, etwa aus Norwegen, Nordafrika oder den USA. [4]

Österreich und Deutschland verpassen Energiestandards

Mit der Kehrtwende beim GEG (Gebäudeenergiegesetz) reduziert Deutschland die Anforderungen an erneuerbare Energien im Heizungsbereich drastisch. Statt verpflichtender 65 % Anteil erneuerbarer Energien dürfen Heizungen künftig größtenteils mit Öl und Gas betrieben werden, und lediglich 1 % Biokraftstoff ab 2028 ist vorgesehen. Die angebliche „Technologieoffenheit“ bedeutet praktisch, dass der Fossilanteil nur von 100 % auf 99 % sinkt, während klare Vorgaben fehlen und die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen bestehen bleibt. [5]

Die Baupraxis in Österreich sorgt dafür, dass neue Gebäude nicht so energieeffizient sind, wie es möglich wäre. Der durchschnittliche Heizwärmebedarf liegt bei 29 kWh/m²a, während die EU bereits seit 2021 den niedrigeren Wert von 25 kWh/m²a fordert. Passivhäuser oder Plusenergiehäuser, die fast keine externe Energie benötigen oder sogar Strom erzeugen, bleiben damit noch weit entfernt. [6]

Der Ukraine-Krieg hätte Europa bereits die Gefahren der Abhängigkeit von fossilen Energien vor Augen führen müssen. Nun verschärft die Sperrung der Meerenge von Hormus durch die iranische Revolutionsgarde die Situation, da ein großer Teil des weltweiten Rohöls und Flüssigerdgases darüber transportiert wird. Infolge dessen erreichen die Ölpreise ein Mehrjahreshoch, was sich kurzfristig auch an den Tankstellen bemerkbar macht. Deutschland muss daher seine Energieversorgung unabhängiger gestalten, indem erneuerbare Energien stärker ausgebaut und Stromnetze sowie Batteriespeicher erweitert werden. [7]

Trotzdem: 

Anstatt den Ausbau erneuerbarer Energien voranzutreiben, will Wirtschaftsministerin Katherina Reiche diesen weiter bremsen, etwa durch den Entfall von Ausgleichszahlungen bei nicht eingespeistem Strom. Auch die Unterstützung für private Solaranlagen soll gestrichen werden. Parallel dazu plant Bundeskanzler Friedrich Merz neue Gaskraftwerke – ein Vorgehen, das die Abhängigkeit von fossilen Energien weiter verstärkt. [8]

Meinungen von Expert*innen und Politiker*innen:

Sabrina Schulz, Energieexpertin, Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik

Der Zeitpunkt der Energiewende ist entscheidend, da Deutschlands Abhängigkeit von fossilen Energieträgern deutlich spürbar ist. Der geplante Bau von über 15 neuen Gaskraftwerken ist zur Stabilisierung des Stromnetzes notwendig, jedoch gibt es Kontroversen über die Menge an Gas für die Stromerzeugung und die zukünftige Umstellung auf Wasserstoff. Die Verfügbarkeit von bezahlbarem grünem Wasserstoff bleibt unklar. Gleichzeitig könnte der Betrieb neuer Solar- und Windkraftanlagen unprofitabel werden, und eine angemessene finanzielle Entschädigung bei zwangsweiser Abschaltung der Anlagen ist fraglich, da das Stromnetz die gesamte produzierte Menge nicht aufnehmen kann. [9] 

Prof. Jan Rosenow, Energieexpert, Universität Oxford:

Wir müssten schneller und nicht langsamer handeln, wenn wir die Klimaziele und den Ausstieg aus den Importen fossiler Energieträger als wichtig behandeln. [10]

Jens Spahn, CDU, Fraktionsvorsitzender 

Damit werde der Heizungskeller wieder zur privaten Angelegenheit erklärt und die Bürger seien frei, ihre Entscheidungen über Heizung selbst zu treffen. Das Energiepaket erlaubt weiterhin den Einbau neuer Gas- und sogar Ölheizungen, obwohl ein großer Teil des Energieverbrauchs – etwa 30 Prozent – allein auf das Heizen entfällt. [11]

Prof. Jan Rosenow, Energieexperte, Universität Oxford

Es betrifft die gesamte Gesellschaft, da sowohl Klimaziele verfehlt werden als auch neue geopolitische Abhängigkeiten entstehen – daher ist es keine Privatsache. [12]

Christian Lindner, FDP, ehem. Bundesfinanzminister 

Erneuerbare Energien seien Freiheitsenergien, weil sie uns von Abhängigkeiten lösen. [13]

Der VCD (ökologischer Verkehrsclub) warnt, dass der Konflikt im Nahen Osten erneut verdeutlicht, wie gefährlich Deutschlands Abhängigkeit von Öl und Gas ist. Die Bundesvorsitzende des VCD Christiane Rohleder fordert die Bundesregierung auf, endlich auf erneuerbare Energien, E-Mobilität und alternative Verkehrskonzepte zu setzen, um Klimaschutz und finanzielle Belastungen für die Bürger zu reduzieren. [14]

Rohlender kritisiert, dass die Bundesregierung den Ausbau von Solarenergie für Privathaushalte erschwert und die 2035-Regel für emissionsfreie Fahrzeuge abschwächt – ein Schritt, der die Abhängigkeit von Öl und Gas verschärft. Müller-Görnert (verkehrspolitischer Sprecher des VCD) schlägt kluge Anreize wie eine CO2-Zulassungssteuer vor, um Elektromobilität in Deutschland schneller zu verbreiten, wie es in Ländern wie Norwegen und Dänemark bereits erfolgreich umgesetzt wird. [15]

Klima als Opfer im Krieg

Der aktuelle Nahost-Krieg wäre ohne fossile Energien undenkbar, da militärische Einsätze enorme Mengen Treibstoff benötigen. Untersuchungen zeigen, dass das US-Verteidigungsministerium der weltweit größte institutionelle Emittent von Treibhausgasen ist. Zusammengerechnet

verursachen Krieg und Militär zusammen mehr CO₂ als die meisten Staaten der Welt.[16]

“Wie betrifft das mich?”

  • Höhere Stromrechnung
  • Teurere Tankkosten
  • Mietpreise durch Energiekosten

Für das Problem gibt es eine Lösung: Beschleunigung des Ausbaus erneuerbarer Energien 

Das Energie-Ausbaugesetz (EABG) soll den Ausbau erneuerbarer Energien in Österreich deutlich vorantreiben, um die Abhängigkeit von Öl- und Gasimporten zu reduzieren und die Stromproduktion bis 2030 um 27 Terawattstunden zu erhöhen. Das Gesetz stuft Wind-, Solar- und Geothermieprojekte erstmals als „überragendes öffentliches Interesse“ ein, vereinfacht Genehmigungsverfahren durch zentrale „One-Stop-Shops“ und legt verbindliche Ausbauziele für die Bundesländer fest, mit möglichen Sanktionen bei Nichterfüllung. Gemeinden werden finanziell einbezogen, etwa über Entschädigungen für Hochspannungsleitungen, um die Akzeptanz vor Ort zu stärken. Trotz Kritik an teils unklaren Vorgaben und Widerstand einzelner Länder gilt das EABG als entscheidender Schritt, um Bauprozesse zu beschleunigen, Flächen effizient zu nutzen und die Energieversorgung langfristig zu sichern. [17]

Quellen:

[1] (Watzka, 2026)

[2] (Orf.At, 2026)

[3] (Orf.At, 2026)

[4] (Orf.At, 2026)

[5] (Wiener Institut für Management GmbH, 2026a)

[6] (Wiener Institut für Management GmbH, 2026b)

[7] (Hinsberger, 2026)

[8] (Hinsberger, 2026)

[9] (Ganschow, 2026)

[10] (Ganschow, 2026)

[11] (Ganschow, 2026)

[12] (Ganschow, 2026)

[13] (Ganschow, 2026)

[14] (Neißendorfer, 2026)

[15] (Neißendorfer, 2026)

[16] (Watzka, 2026)

[17] (Prager, Gepp & Hahn, 2026) 

Quellenverzeichnis:

Ganschow, L. (Moderatorin). (2026, März 12). Der Irankrieg offenbart die Schwächen von Reiches Energiepolitik [TV-Beitrag]. In Kontraste. Rundfunk Berlin-Brandenburg. https://www.rbb-online.de/kontraste/archiv/20260312_2145/irankrieg-offenbart-schwaechen-von-reiches-energiepolitik.html 

Hinsberger, N. T. (2026, März 2). Der Iran‑Krieg legt Deutschlands gefährliche fossile Abhängigkeit offen. Frankfurter Rundschau. https://www.fr.de/wirtschaft/der-iran-krieg-legt-unsere-gefaehrliche-fossile-abhaengigkeit-offen-94194382.html 

Watzka, B. (2026, März 6). Gigantischer Sprit-Verbrauch – Mega-Emissionen – Angriff auf Iran ist auch Klima-Krieg. (C) 2026 DJ Digitale Medien GmbH. https://www.heute.at/s/mega-emissionen-angriff-auf-iran-ist-auch-klima-krieg-120167306 

Wiener Institut für Management GmbH. (2026a, März 12). Zurück zu den Fossilen, raus aus den Erneuerbaren: Was wir Mitte März 2026 wissen. TGA. https://tga.at/branche/zurueck-zu-den-fossilen-raus-aus-den-erneuerbaren-was-wir-mitte-maerz-2026-wissen/ 

Wiener Institut für Management GmbH. (2026b, März 5). Der Neubau produziert den Sanierungsbedarf von morgen. TGA. https://tga.at/branche/neubau-produziert-sanierungsbedarf/ 

Neißendorfer, M. (2026, März 6). Irankrieg: „Erneuerbare Energien sind Sicherheitsenergien“. Elektroauto-News. https://www.elektroauto-news.net/news/irankrieg-erneuerbare-energien-sind-sicherheitsenergien 

Orf.At. (2026, März 14). Energiekosten: Preisgarantie kann vorerst schützen. help.ORF.at. https://help.orf.at/stories/3234610/ 

Prager, A., Gepp, J., & Hahn, A. (2026, März 27). Weg aus der fossilen Abhängigkeit: Wie die Regierung bei Erneuerbaren den Turbo zünden will. DER STANDARD. https://www.derstandard.at/story/3000000314437/weg-aus-der-fossilen-abhaengigkeit-wie-die-regierung-bei-erneuerbaren-den-turbo-zuenden-will 


Sonya Shtereva

Das Schreiben begeistert mich, weil es mir die Möglichkeit bietet, komplexe gesellschaftliche und politische Themen greifbar zu machen und unterschiedliche Perspektiven zusammenzuführen. Als Studentin der Publizistik- und Kommunikationswissenschaft interessiere ich mich besonders für aktuelle Entwicklungen – etwa im Bereich Umwelt, Gesellschaft und Politik – und nutze das Schreiben, um meine Recherchen und Überzeugungen fundiert und reflektiert einzubringen.

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