Steigende Öl- und Gaspreise als Antrieb der Energiewende? (von Benjamin Kraus)

Krieg und steigende Spritpreise

Die durch den Krieg im Nahen Osten steigenden Öl- und Gaspreise machen sich auch in Österreich, das über 90% des benötigten Erdgases und Erdöls importiert, bemerkbar. [1] Und da sich das vor allem auch bei der Tankstelle bemerkbar macht, sind Elektroautos aktuell vermehrt Thema von Berichterstattung. Ob die steigenden Preise fossiler Energien die Energiewende und Elektromobilität ankurbeln können und welche Chancen und Schwierigkeiten damit verbunden sind, wird im Folgenden erörtert.

Zahlen und Fakten

In Österreich fließt etwa 85% des Erdöls in den Verkehr, der Rest wird für das Heizen und die Industrie verwendet. [2] Der Erdölverbrauch stieg von 1990 bis 2005 immer weiter an und geht seit 2005 kontinuierlich zurück, 2022 war das Niveau auf dem Stand von 2000. [3] Der Anteil an E- Autos unter allen PKWs liegt bei 4,9 Prozent, obwohl die Neuzulassungen steigen. [4]

Beim Ausbau erneuerbarer Energien liegt Österreich mit 43 Prozent des Bruttoenergieendverbrauchs Stand 2024 mit 25 Prozent über dem EU-Durchschnitt. [5] Der Bedarf an fossilen Energieträgern ist jedoch im Verkehrsbereich sowie der Erzeugung von Wärme noch hoch.

Chancen und Schwierigkeiten

Eine offenkundige Chance scheint darin zu bestehen, dass durch solche Konflikte und Preisschocks fossile Treibstoffe sowie Öl- und Gasheizungen unattraktiver werden, während Wärmepumpen, E-Autos und der Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel attraktiver werden. Dies ist jedoch von der Dauer und Intensität der Preissteigerung abhängig. Langfristig ist eine gewisse Autonomie von den fossilen Energiemärkten und deren Schwankungen durch Ausbau erneuerbarer Energien absolut wünschenswert, um die Auswirkungen solcher Preisschocks zu minimieren. 

Jedoch ist der Strompreis auch an den Gaspreis gebunden, denn dieser ist an der Strombörse immer am teuersten Kraftwerk orientiert, das benötigt wird, um den Strombedarf zu einer bestimmten Zeit zu decken, und dies ist meist ein Gaskraftwerk. [6] Daher können Preissteigerung bei den fossilen Energien auch die Elektrifizierung bremsen. 

Um das zu ändern, braucht es mehr erneuerbare Energien und vor allem Speichermöglichkeiten. 

Herausforderungen der Energiewende

Zu den großen Herausforderungen zählen auf technischer Ebene die Netzstabilität bei wetterabhängiger Erzeugung, die Balance unterschiedlicher Energieträger sowie von Erzeugung und Verbrauch sowie die Speicherung. All dies setzt einen Ausbau der Infrastruktur voraus, die im Sinne der Netzstabilität möglichst EU-weit erfolgen sollte, denn das Stromnetz ist europaweit ein eng verbundenes System und erfordert enge Koordination. Dies hängt alles wiederum auf politischer Ebene von der gesamtgesellschaftlichen Akzeptanz, der Bürokratie von Genehmigungsverfahren und politischem Willen ab und ist an hohe Investitionskosten gebunden. 

Elektroautos als Alternative

Im Sinne der Klimaschutzziele und angestrebter Klimaneutralität ist durch geplante Verbote von Neuzulassungen von Verbrennermotoren ein Umstieg auf Elektromobilität geplant. Die Akkus halten für Strecken von ein paar Hundert Kilometern und werden zunehmend besser. Allerdings ist die Herstellung von E-Autos auch an Rohstoffe wie Lithium gebunden, die zum einen mit  menschenrechtlich bedenklichen Arbeitsbedingungen und ökologischen Risiken in den Abbaugebieten verbunden sind und zum anderen bei steigendem Bedarf potenziell auf Versorgungskrisen zusteuern. [7] Lithium-Akkus sind zwar bis zu 75% recyclebar aber aufgrund der steigenden Nachfrage wird auch an Alternativen wie dem Natrium-Akku, der bald für die Massenproduktion tauglich ist und dessen Rohstoffe leichter zu gewinnen sind, gearbeitet. [8] Und auch hier ist der Umstieg auf eine großflächige Ladeinfrastruktur angewiesen. Außerdem ist die Anschaffung von E-Autos im Vergleich zu Autos mit Verbrennungsmotoren derzeit noch mit höheren Kosten verbunden, was sich aber politisch sicherlich lenken lässt. 

Auf technologischer Ebene gibt es Projekte, die E-Autos mittels “Vehicle-to-Grid”-Technologie als Stromspeicher fungieren und damit Teil des Netzes werden lassen und diese somit dazu beitragen können, das Netz zu stabilisieren. [9] Im Gegenzug erhalten Teilnehmer dieser Projekte gratis Energie oder kleine Boni. Die Realisierung solcher Projekte ist aber von der Menge an E-Autos auf den Straßen und einheitlichen Produktionsstandards abhängig. Die Erwartungen und das Potenzial werden als groß eingeschätzt und es wird prognostiziert, dass Elektroautos bis 2040 mehr als 10 Prozent des gesamten Strombedarfs Europas speichern könnten. [10] 

Fazit

Ob die gegenwärtige Krise im Nahen Osten die Energiewende ankurbelt, hängt von der Dauer der Preissteigerung der fossilen Energieträger ab. Jedenfalls kann diese Krise als Chance betrachtet werden, den Ausbau von Stromnetz und -speicher voranzutreiben, um langfristig eine möglichst große Autonomie von fossilen Energien zu gewährleisten. Dem stehen einige technische und politische Herausforderungen im Weg, die aber überwindbar und langfristig im Interesse aller zu verorten sind. Elektromobilität ist ebenso mit Herausforderungen konfrontiert, die an die Infrastruktur sowie die Batterien und Rohstoffe zu deren Herstellung gekoppelt sind. Aber auch hier gibt es Potenzial, dass es bestmöglich auszuschöpfen gilt. Gesamtgesellschaftlich ist es somit wichtig, Druck auf die Politik zu machen die Energiewende voranzutreiben, um die Einhaltung der Klimaschutzziele auch gewährleisten zu können.

[1] vgl. https://www.derstandard.at/story/3000000310924/koennten-die-steigenden-oel-und-gaspreise-die-energiewende-vorantreiben  

[2] vgl. https://www.derstandard.at/story/3000000310924/koennten-die-steigenden-oel-und-gaspreise-die-energiewende-vorantreiben  

[3] vgl. https://www.derstandard.at/story/3000000310924/koennten-die-steigenden-oel-und-gaspreise-die-energiewende-vorantreiben   

[4] vgl.

https://www.derstandard.at/story/3000000310924/koennten-die-steigenden-oel-und-gaspreise-die-energiewende-vorantreiben

[5]vgl.  https://energie.gv.at/energiewende/wie-steht-oesterreich-im-eu-vergleich-beim-ausbau-erneuerbarer-energie-da#:~:text=%C3%96sterreich%20hat%20gute%20Voraussetzungen%20f%C3%BCr%20die%20Nutzung,deutlich%20%C3%BCber%20dem%20EU%2DSchnitt%20von%2025%2C2%20Prozent

[6] vgl.

https://www.derstandard.at/story/3000000310924/koennten-die-steigenden-oel-und-gaspreise-die-energiewende-vorantreiben

[7] vgl. https://energie.gv.at/energiewende/wie-steht-oesterreich-im-eu-vergleich-beim-ausbau-erneuerbarer-energie-da#:~:text=%C3%96sterreich%20hat%20gute%20Voraussetzungen%20f%C3%BCr%20die%20Nutzung,deutlich%20%C3%BCber%20dem%20EU%2DSchnitt%20von%2025%2C2%20Prozent.; https://www.derstandard.at/story/3000000311036/lithium-engpass-2028-geht-der-energiewende-der-rohstoff-aus 

[8] vgl. https://www.derstandard.at/story/3000000313826/neuer-natrium-akku-fuer-e-autos-ermoeglicht-aufladen-in-elf-minuten 

[9] vgl. https://www.derstandard.at/story/3000000308850/ein-e-auto-als-energiespeicher-fuers-netz-dafuer-gibt-es-billigen-strom-wann-kommt-das-modell-in-oesterreich 

[10] vgl. https://www.derstandard.at/story/3000000308850/ein-e-auto-als-energiespeicher-fuers-netz-dafuer-gibt-es-billigen-strom-wann-kommt-das-modell-in-oesterreich 

Quellen:

https://www.derstandard.at/story/3000000310924/koennten-die-steigenden-oel-und-gaspreise-die-energiewende-vorantreiben

https://www.derstandard.at/story/3000000311036/lithium-engpass-2028-geht-der-energiewende-der-rohstoff-aus

https://www.derstandard.at/story/3000000313826/neuer-natrium-akku-fuer-e-autos-ermoeglicht-aufladen-in-elf-minuten

https://www.derstandard.at/story/3000000308850/ein-e-auto-als-energiespeicher-fuers-netz-dafuer-gibt-es-billigen-strom-wann-kommt-das-modell-in-oesterreich

https://energie.gv.at/energiewende/wie-steht-oesterreich-im-eu-vergleich-beim-ausbau-erneuerbarer-energie-da#:~:text=%C3%96sterreich%20hat%20gute%20Voraussetzungen%20f%C3%BCr%20die%20Nutzung,deutlich%20%C3%BCber%20dem%20EU%2DSchnitt%20von%2025%2C2%20Prozent.

https://www.energiesparverband.at/fileadmin/esv/Broschueren/Faktencheck-Batterie-Elektroauto.pdf


Benjamin Kraus (MA)

Durch mein Philosophiestudium habe ich die Neugierde schätzen gelernt und meine Passion für das Schreiben entdeckt. Neugierde hat etwas Kindliches, aber ich finde es wichtig, diese auch im Erwachsenenalter zu kultivieren. Ich lese mich gerne in neue Themengebiete ein und mir gefällt es, komplexe Sachverhalte verständlich, aber nicht verkürzt, zu erklären. Außerdem ist mir die Umwelt wichtig und in dieser Tätigkeit als Blogautor kann ich all jene Punkte wunderbar verbinden.

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