Die Ziele der Europäischen Union zur Kreislaufwirtschaft (von Sonya Shtereva)

Es gibt nur eine Erde, und dennoch wird die Welt bis 2050 so viel verbrauchen, als hätten wir drei Planeten. [1] 

In der EU fallen jährlich etwa fünf Tonnen Abfall pro Person an, wobei der größte Teil aus dem Bau- und Bergbausektor stammt und Siedlungsabfälle nur rund 10 % ausmachen. [2]

Verständnis der Abfallströme

  • Ende der Abfalleigenschaft:
    Bezeichnet die Phase am Ende des Abfallbehandlungsprozesses, in der Materialien nicht mehr als Abfall gelten, sofern sie bestimmte Bedingungen erfüllen, die als „End-of-Waste-Kriterien“ bezeichnet werden. [3]
  • Erweiterte Herstellerverantwortung:
    Es macht den Hersteller für den gesamten Lebenszyklus eines Produkts verantwortlich. [4]
  • Recyclingfähige Abfälle:
    Dazu zählen Eisen- und Nichteisenmetalle, Glas, Papier, Gummi, Kunststoffe, Holz und Textilabfälle – unabhängig davon, ob sie gefährlich oder ungefährlich sind [5]
  • Abfallstrom:
    Der vollständige Weg eines Abfalls von seiner Entstehung im privaten oder industriellen Bereich bis hin zur Verwertung, zum Recycling oder zur endgültigen Entsorgung. [6]

Verständnis der Kreislaufwirtschaft

Kreislaufwirtschaft (Circular Economy):
Ein Wirtschaftsmodell, das unter anderem auf Teilen, Leasing, Wiederverwendung, Reparatur, Aufarbeitung und Recycling basiert. Es funktioniert in einem weitgehend geschlossenen Kreislauf und verfolgt das Ziel, den Nutzen und den Wert von Produkten, Komponenten und Materialien möglichst lange auf einem hohen Niveau zu halten. [7]

Erweiterte Herstellerverantwortung (EPR):
Ein umweltpolitischer Ansatz, bei dem Hersteller die finanzielle und/oder organisatorische Verantwortung für die Sammlung bzw. Rücknahme gebrauchter Produkte sowie für deren Sortierung und Behandlung zum Recycling übernehmen. [8] S 2

Kreislaufwirtschaft vs. lineare Wirtschaft 

Kreislaufwirtschaftlineare Wirtschaft
Verringerung von Abfall, Ressourcennutzung und Umweltverschmutzung durch Re-use und RecyclingModell der Entnahme, Herstellung, des Verbrauchs und der Entsorgung
Reduzierung von Verbrauchsfußabdruck und EmissionenBelastung der natürlichen Ressourcen
neue Arbeitsplätze und GeschäftsmöglichkeitenAbfallaufkommen und Umweltverschmutzung
Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit Europas auf dem Weltmarkthoher Rohstoffbedarf und Abhängigkeit der EU von Importen

[9]

Die Kreislaufwirtschaft in der EU

Der Anteil der in der EU verwendeten Materialien, die aus recyceltem Material stammen, liegt derzeit bei weniger als 10 %. [10]

  • Im Jahr 2025 fallen laut Eurostat über 185 kg Verpackungsabfälle pro Person an, wovon nur 38 % recycelt werden. [11]

Das Europäische Parlament

  • 9. Juli 2015: „Ressourceneffizienz – Übergang zur Kreislaufwirtschaft“, Bis 2020: Verbrennung von wiederverwertbaren & biologisch abbaubaren Abfällen begrenzen, Bis 2030: Deponierung schrittweise verbieten, Ausnahme: bestimmte gefährliche Abfälle & Restabfälle, Bis 2030: Recycling & Wiederverwendung erhöhen: Siedlungsabfälle: mind. 70 %, Verpackungsabfälle: mind. 80 % [12]
  • Am 12. Dezember 2013: „Öko-Innovation – Arbeitsplätze und Wachstum durch Umweltpolitik“, nachhaltige Industriepolitik mit Ressourceneffizienz (doppelte ökologische und wirtschaftliche Vorteile des Übergangs zu einer grünen und nachhaltigen Wirtschaft) [13]
  • Am 24. Mai 2012 zu einem ‘ressourceneffizienten Europa’ – Entkopplung des Wirtschaftswachstums vom Ressourcenverbrauch [14]
  • Bis 2030: Ressourceneffizienz um 30 % gegenüber 2014 steigern, „Dashboard“: Indikatoren zur Messung des Ressourcenverbrauchs, Rechtsvorschriften: Ökodesign & Produktpolitik überprüfen, Förderung: Innovationen & Investitionen in neue Technologien und Geschäftsmodelle,Beispiel: „Leasing-Gesellschaft“ → Produkte als Dienstleistung nutzen, statt sie dauerhaft zu kaufen [15]

Was ist der Circular Economy Act 2026? 

 Der Circular Economy Deal basiert auf einem ganzheitlichen Ansatz, der die gesamte Wertschöpfungskette umfasst – von der Produktentwicklung über die Nutzung bis hin zur Wiederverwertung. [16]

1. Nachhaltiges Produktdesign (Ökodesign)

Die Designphase legt einen Großteil der Umweltauswirkungen eines Produkts fest. [17] Kreislaufwirtschaft schont natürliche Ressourcen, schützt Landschaften und die biologische Vielfalt und reduziert Treibhausgasemissionen. Produkte sollten bereits in der Designphase ressourcen- und energiesparend gestaltet werden. Außerdem soll die Menge an Verpackungsabfällen durch weniger Verpackung sowie besseres Design für Wiederverwendung und Recycling verringert werden. [18] 

2. Stärkung von Sekundärrohstoffen

Für die Kreislaufwirtschaft ist ein funktionierender Markt für recycelte Materialien von zentraler Bedeutung. [19] Rohstoffe sind begrenzt und die steigende Weltbevölkerung erhöht die Nachfrage. Die EU ist deshalb teilweise von Importen und anderen Ländern abhängig. Durch Recycling und Wiederverwendung können Versorgungsrisiken, Preisschwankungen und Importabhängigkeit verringert werden – besonders bei kritischen Rohstoffen, die für Batterien, Elektromotoren und andere wichtige Klimatechnologien benötigt werden [20] 

3. Abfallvermeidung und Recycling

Die europäische Kreislaufpolitik orientiert sich an der Abfallhierarchie, die der Abfallvermeidung die höchste Priorität einräumt. [21]

4. Wirtschaftliche und strategische Bedeutung  

Die Kreislaufwirtschaft stellt einen strategischen Aspekt für die Industrieansiedlung in Europa dar. [22] Sie kann Wettbewerbsfähigkeit und Innovation fördern, das Wirtschaftswachstum stärken und neue Arbeitsplätze schaffen – allein in der EU könnten bis 2030 etwa 700.000 Arbeitsplätze entstehen. [23]

EU-Abfallziele im Überblick

  • “Recycling bzw. Vorbereitung für die Wiederverwertung von 55% der Siedlungsabfälle bis 2025”, “Recycling bzw. Vorbereitung für die Wiederverwertung von 65% der Verpackungsabfälle bis 2025”, “Das vorgegebene ‘Deponieziel’ sieht die Verringerung des abgelagerten Mülls von 10 Prozent der insgesamt anfallenden Menge bis 2035 vor” [24]

Schlüsselbereiche mit hohem Ressourcenverbrauch und großem Kreislaufpotenzial: [25]

  • Elektronik und Informations- und Kommunikationstechnik
  • Batterien und Fahrzeuge
  • Verpackungen
  • Kunststoffe
  • Textilien
  • Bauwirtschaft und Gebäude
  • Lebensmittel, Wasser und Nährstoffe

Der Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft könnte zahlreiche Chancen bieten, darunter eine geringere Belastung der Umwelt, eine höhere Versorgungssicherheit bei Rohstoffen, eine gesteigerte Wettbewerbsfähigkeit, mehr Innovation sowie Wirtschaftswachstum und die Schaffung von Arbeitsplätzen. Gleichzeitig bringt dieser Wandel auch Herausforderungen mit sich, beispielsweise bei der Finanzierung, bei den notwendigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, bei den erforderlichen Kompetenzen und Qualifikationen, beim Verbraucherverhalten und bei Geschäftsmodellen sowie bei der Governance auf mehreren Ebenen.

Quellenverzeichnis:

[1] European Commission. (2026, 27. Juli). Circular economy. Directorate-General for Environment. https://environment.ec.europa.eu/strategy/circular-economy_en?prefLang=de%0A

[2] Didier Bourguignon. (2015). Understanding waste management. Policy challenges and opportunities. European Parliament, European Parliamentary Research. 

https://www.europarl.europa.eu/RegData/etudes/BRIE/2015/559493/EPRS_BRI(2015)559493_EN.pdf

[3], [4], [5], [6] Didier Bourguignon. (2015). Understanding waste streams. Treatment of specific waste. European Parliament, European Parliamentary Research.

https://www.europarl.europa.eu/RegData/etudes/BRIE/2015/564398/EPRS_BRI(2015)564398_EN.pdf

[7], [8] Didier Bourguignon. (2015). Closing the loop. New circular economy package. European Parliament, European Parliamentary Research. 

https://www.europarl.europa.eu/RegData/etudes/BRIE/2016/573899/EPRS_BRI%282016%29573899_EN.pdf

[9], [10], [11] Rat der Europäischen Union. (2025). Die Kreislaufwirtschaft im Detail. von https://www.consilium.europa.eu/de/policies/the-circular-economy-explained/

[12], [13], [14], [15] Didier Bourguignon. (2015). Closing the loop. New circular economy package. European Parliament, European Parliamentary Research. 

https://www.europarl.europa.eu/RegData/etudes/BRIE/2016/573899/EPRS_BRI%282016%29573899_EN.pdf

[16], [17], [19], [21], [22] Alcock, M. (2026, 4. Februar). EU Circular Economy Act 2026 – Daten, fakten, Ziele. Haltermann Carless Group GmbH. https://www.electricaloilservices.com/de/blog/eu-circular-economy-act-2026-daten-fakten-ziele 

[18], [20], [23] Europäisches Parlament (2023): Kreislaufwirtschaft: Definition und Vorteile. https://www.europarl.europa.eu/topics/de/article/20151201STO05603/kreislaufwirtschaft-definition-und-vorteile

[24] Lisa Franziska Gruber. (2026, 9. April). Sind die EU-Abfallziele on track?

Wiener Stadtwerke Public Affairs. https://positionen.wienerstadtwerke.at/aktuelles/eu-abfallbericht 

[25] Bundesumweltministeriums. (2024, 3. Juni). Circular Economy in der Europäischen Union. BMUKN. https://www.bundesumweltministerium.de/download/europa-will-eine-transformation-der-ressourcennutzung-erreichen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert