Klimafreundliche Technologien und technologische Innovationen, wie grüne Energie, sind für die Bekämpfung des Klimawandels essenziell. Jedoch möchte ich vor einem überschießenden Optimismus und Naivität warnen. Denn auch wenn es jene Technologien gibt, müssen diese skalierbar sein und sich immer noch gegenüber dem politischen Status Quo bzw. den Interessen und der Einflussnahme etwa von der Ölindustrie durchsetzen. Und so manch ein Tech-Milliardär sieht die Klimakrise wie ein Handwerker, der mit einem Hammer als Werkzeug überall Nägel sieht, wie ein Problem, das vor allem mit Technologie zu lösen wäre. So fördert Elon Musk Forschung an CO2-Entnahme-Technologien mittels Preisgeldern und Bill Gates investiert in Forschung zu Geoengineering. [1] Wie diese futuristischen Technologien aussehen und wieso sie als Lösungen unrealistisch sind und vom Eigentlichen ablenken können, wird im Folgenden erläutert.
Futuristische Technologien
Um den Klimawandel zu bremsen, ist es notwendig weniger bzw. keine Treibhausgase mehr auszustoßen, was auch als Klimaneutralität bezeichnet wird. Dem Klimawandel kann aber auch entgegengewirkt werden, indem bestehende Treibhausgase aus der Atmosphäre entfernt werden. Das kann auf natürlichem Wege geschehen, etwa durch Aufforstung, also dem Pflanzen von neuen Bäumen, welche mittels Fotosynthese CO2 aus der Luft aufnehmen, in Biomasse binden und in Sauerstoff umwandeln. Aber auch verschiedene CO2-Entnahme-Technologien existieren, die im kleinen Rahmen CO2 aus der Atmosphäre absaugen. Derartige Technologien, die großräumig in geochemische und biogeochemische Kreisläufe der Erde eingreifen, fallen auch unter den Begriff Geoengineering bzw. Climate Engineering.
Neben dem Absaugen von Treibhausgasen aus der Atmosphäre gilt etwa auch künstlich hergestelltes Laborfleisch, welches keine Nutztierhaltung und die damit einhergehende Treibhausgasemissionen voraussetzt, als technologische Lösung für Klimawandelbekämpfung.
Ein weiteres Feld von Technologien, welche den Klimawandel bremsen sollen und auch zu Geoengineering zählt, wird als Strahlungsmanagement bezeichnet. Dabei ist das Ziel, Sonnenstrahlung zurück ins All zu reflektieren, um die Erde zu kühlen. Dies kann über verschiedene Wege erreicht werden, etwa über reflektierende Aerosolpartikel, die in die Atmosphäre injiziert werden, wie es etwa bei Vulkanausbrüchen der Fall ist, über das gezielte Aufhellen von Meereswolken mittels Versprühen von feinstem Meerwassersalz, damit diese mehr Sonnenstrahlung reflektieren oder über die Installation von Weltraumspiegeln bzw. reflektierenden Objekten, die im Weltall zwischen Erde und Sonne positioniert werden sollen. Diese Technologien werden im Folgenden kurz beschrieben.
CO2-Entnahme
CO2-Entnahme bzw. Carbon Dioxide Removal (CDR) nutzt entweder die natürlichen biochemischen Prozesse von Fotosynthese oder versucht diese technologisch nachzuahmen. Da es sich bei diesem Prozess um das Gegenteil von Emissionen handelt, bezeichnet man das auch als “Negativemissionen”. Das aus dem Kreislauf entfernte CO2 wird dabei zum Beispiel in geologischen Formationen, also Gesteinsschichten, gespeichert, was auch mit dem Begriff Carbon Capture and Storage (CCS) bezeichnet wird. [2] CO2-Entnahme kann land- oder ozeanbasiert erfolgen, also auf dem Land oder im Meer. An Land etwa mittels technischer Anlagen, die als künstliche Bäume fungieren und mittels Ventilatoren Luft einsaugen und das CO2 herausfiltern, sowie im Meer mittels Ozeandüngung, also durch das Einbringen von Nährstoffen, um das Algenwachstum zu fördern. [3] Der Einsatz dieser Technologien benötigt jedoch Land, Wasser und Energie. In der folgenden Grafik sind verschiedene Methoden des CDR illustriert.
(https://www.helmholtz-klima.de/klimawissen/methoden-zur-co2-entnahme-aus-der-luft)
Laborfleisch
Neben den ökologischen Folgen wird Laborfleisch viel diskutiert, da es dadurch potentiell möglich wird, Fleisch zu konsumieren, ohne dass Tiere leiden müssen. Hinsichtlich der Auswirkungen auf den Klimawandel ist bekannt, dass die industrielle Tierhaltung Unmengen an Ressourcen verschlingt und Treibhausgase emittiert. Diese würden bei Laborfleisch, welches aus tierischen Stammzellen gewonnen und im Bioreaktor hergestellt wird, wegfallen. Allerdings ist zu erwähnen, dass die Produktion von Laborfleisch bei derzeitigem Stand der Technologie aufgrund der Gewinnung des Stammzellenserums sowie des Betreibens des Bioreaktors ebenso energie- und emissionsintensiv sein kann. Verschiedene Studien kommen hier zu unterschiedlichen Ergebnissen, was unter anderem auf die Modellierungsentscheidungen, Technologien und weitere Faktoren zurückzuführen ist. [4] Laborfleisch scheint bei derzeitigem Stand der Technologie also nicht notwendigerweise klimafreundlicher zu sein.
Strahlungmanagement bzw. solares Geoengineering
Die folgenden technologischen Maßnahmen klingen am meisten nach Science Fiction. Ansätze von Solar Radiation Modification (SRM) behandeln nur die symptomatischen Folgen der Klimaerwärmung, indem die Erdtemperatur durch geringere Sonneneinstrahlung gesenkt wird, ohne die zugrundeliegenden Ursachen zu adressieren. [5] Dabei bestünde die Gefahr des sogenannten Absetzschocks, also dass die globale Durchschnittstemperatur bei plötzlichen Beenden von SRM Maßnahmen sprunghaft ansteigen würde, weshalb derartige Maßnahmen quasi dauerhaft bzw. über Jahrhunderte aufrechterhalten werden müssten. [6] Ansätze zu SRM lassen sich in fünf Kategorien einteilen:
1) Installationen im Weltall: Dieser Ansatz umfasst sogenannte Weltraumspiegel bzw. Sonnensegel, welche zwischen Erde und Sonne angebracht würden, um die Sonneneinstrahlung zu reduzieren.
2) Stratosphärische Aerosol-Injektion (SAI): Hier würden durch Flugzeuge spezielle Stoffe in die Stratosphäre eingebracht, deren Partikel Sonnenstrahlen reflektieren.
3) Cirrus Cloud Thinning (CCT): Durch das Ausdünnen von sogenannten Zirrus-Wolken in hohen Höhen mittels zusätzlicher Partikel, welche große Kristallisationskerne formen, kann mehr Wärmestrahlung aus der Atmosphäre entweichen.
4) Marine Cloud Brightening (MCB): Durch das Erzeugen oder Aufhellen sogenannter Stratocumulus-Wolken durch das Einbringen von Salzpartikeln in die untere Atmosphäre kann mehr Sonnenlicht reflektiert werden.
5) Erhöhung der Oberflächenalbedo: Albedo bezeichnet das Verhältnis von reflektierter zu einfallender Sonnenstrahlung. Helle Oberflächen können als Kühlung fungieren indem etwa Dächer weiß angestrichen, Glaskügelchen auf Eisflächen ausgebracht oder Reflektoren in der Wüste aufgestellt werden. [7]
Probleme dieser Technologien
Skalierung und Entwicklung: Viele der vorgestellten Technologien sind zwar bereits vorhanden oder theoretisch möglich, aber müssten in großem Ausmaß eingesetzt werden, um sich merkbar auf das Klima auszuwirken. Und das geht wiederum mit technischen Hürden einher und ist kosten- und ressourcenintensiv.
Durchführbarkeit: Teilweise sind die Technologien zwar vorhanden, wie etwa das Speichern von CO2 in Gestein, aber der Betrieb ist so teuer, dass er nicht rentabel ist. [8] Außerdem sind viele dieser Technologien auch mit teilweise unklaren Risiken verbunden.
Naives Vertrauen: Das Vertrauen in derartige Technologien kann die Bemühungen für wirksame Maßnahmen zur Treibhausgasemissionssenkung bremsen oder stoppen. Denkbar wäre, dass politische Machthaber:innen sich weniger um die Reduktion der Treibhausgasemissionen kümmern würden, in dem Glauben, dass diese schon künstlich ausgeglichen werden können. Und in dem Sinne weiter business-as-usual betrieben wird. Besonders wenn die Folgen des Klimawandels mit spekulativen und potentiell riskanten, Technologien nur symptomatisch behandelt werden, wird befürchtet, dass die Aufmerksamkeit von tatsächlich wirksamen Maßnahmen abgelenkt wird.
Fazit
Die vorgestellten Technologien variieren in dem Ausmaß, in dem sie in natürliche ökologische Kreisläufe eingreifen. Besonders Geoengineering ist mit besonders großen Eingriffen verbunden und Strahlungsmanagement behandelt nur die symptomatischen Folgen des Klimawandels. Allgemein gilt:
Je größer der Eingriff in die natürlichen Kreisläufe, desto größer sind auch die potentiellen Risiken.
Zudem sind viele der Technologien nicht ohne weiteres in großen Maßstäben skalierbar und selbst auch ressourcen- und kostenintensiv. Zuletzt sollte sich nicht darauf verlassen werden, dass der Klimawandel alleine durch technologische Lösungen aufzuhalten ist. Dennoch ist es wichtig, an entsprechenden Technologien zu forschen, denn für Klimaneutralität sind auch Negativemissionen essentiell. Allerdings sind systemische und strukturelle Veränderungen unserer Industrien und Produktionsprozessen am dringendsten. Darüber sollten uns auch keine Versprechen von Technologieunternehmen und Milliardär:innen hinwegtäuschen.
Insofern ist das Setzen auf erneuerbare Energien die aussichtsreichste technologische Lösung im Kampf gegen den Klimawandel. Wobei auch hier kein naiver Optimismus angebracht ist, denn der Umwelt- und Technikhistoriker Jean-Baptiste Fressoz behauptet zum Beispiel, dass die Idee einer Energiewende, also von abrupten Übergängen von Mitteln der Energieerzeugung, eine Illusion und historisch präzedenzlos ist. [9] Aber das ist Stoff für einen eigenen Artikel.
Quellen
[3] https://wiki.bildungsserver.de/klimawandel/index.php/CO2-Entnahme_und_-Speicherung
[4] https://www.trendingtopics.eu/laborfleisch-koennte-25-mal-umweltschaedlicher-als-fleisch-aus-tierhaltung-sein/; Risner, D., Negulescu, P., Kim, Y., Nguyen, C., Siegel, J. B., & Spang, E. S. (2025). Environmental impacts of cultured meat: A cradle-to-gate life cycle assessment. ACS food science & technology, 5(1), 61-74.; https://www.greenqueen.com.hk/cultivated-lab-grown-meat-environmental-impact-bene-meat-lca/; Stieberová, B., Žilka, M., Bubeníček, P., & Kubeš, T. (2026). Life cycle assessment of industrial-scale cultivated meat production: case study of real market entry via pet food application. The International Journal of Life Cycle Assessment, 31(4), 62.
[5] https://www.umweltbundesamt.de/themen/klima-energie/internationale-klimapolitik/geoengineering#
[6] https://www.umweltbundesamt.de/themen/klima-energie/internationale-klimapolitik/geoengineering#
[7] https://www.umweltbundesamt.de/themen/klima-energie/internationale-klimapolitik/geoengineering#
[8] https://www.ardalpha.de/wissen/umwelt/klima/klimawandel/treibhausgase-wegraeumen-co2-sauger-100.html