Kreislaufwirtschaft und Ressourcenschonung – Ein Appell zur Reparatur  (von Benjamin Kraus)

Die Menschheit verbraucht mehr natürliche Ressourcen als die Erde nachproduzieren kann. Im Rahmen des Erdüberlastungstags bzw. Earth Overshoot Day, einer Kampagne des Global Footprint Network, wird diese Diskrepanz von Verfügbarkeit, also Biokapazität, und Verbrauch, also ökologischer Fußabdruck, jährlich berechnet und mit einem Datum versehen. Demnach haben wir die Ressourcen dieses Jahr am 30. Juli ausgeschöpft. [1] Berechnungen zufolge würden für unseren aktuellen Ressourcenverbrauch 1,7 Erden benötigt werden, um das Gleichgewicht zwischen Verbrauch und natürlicher Regeneration herzustellen. [2]

Dadurch wird deutlich, wie wichtig Ressourcenschonung ist. Da es nicht zumutbar ist, dies allein dem Konsumenten aufzubürden, kommt der Politik in ihrer Steuerungsfunktion sowie der Wirtschaft hier eine besondere Rolle zu. Denn Ressourcenschonung auf systemischer Ebene benötigt entsprechende Rahmenbedingungen und Anreize. Ein zentrales Konzept ist hier jenes der Kreislaufwirtschaft.

Was ist Kreislaufwirtschaft?

Kreislaufwirtschaft ist ein zirkuläres System, welches das Ziel hat, den Ressourcenverbrauch zu minimieren. Produkte sollen so konzipiert werden, dass diese unter anderem langlebiger und leichter zu reparieren sind und deren Materialien wiederverwertet werden können. [3] Dies steht somit im Gegensatz zum sogenannten linearen Wirtschaftsmodell, welches nach den Prinzipien von Entnahme, Herstellung und Entsorgung funktioniert. Das Ziel ist also, Ressourcen zu schonen und Abfälle zu minimieren. Damit stellt Kreislaufwirtschaft einen wichtigen Hebel auf dem Weg zur Klimaneutralität dar.

Kreislaufwirtschaft ist mehr als bloßes Recycling, das sogenannte 9-R-Framework spezifiziert die verschiedenen Prinzipien:

  • R0 Refuse – Vermeiden
    Der beste Müll ist jener, welcher nie entsteht.
  • R1 Rethink – Umdenken
    Systemisches Umdenken wie z.B. Änderungen im Konsumverhalten.
  • R2 Reduce – Reduzieren
    Minderung im Verbrauch der Ressourcen durch Effizienz oder Innovation.
  • R3 Reuse – Wiederverwenden
    z.B. Second-Hand-Shops.
  • R4 Repair – Reparieren
    Funktion eines Produktes wird durch Reparatur wiederhergestellt.
  • R5 Refurbish – Aufbereiten
    Das Produkt wird überholt, aufbereitet und upgedatet z.B. Handy.
  • R6 Remanufacture – Wiederverwendung
    Die Einzelteile eines Produktes werden für ein neues Produkt wiederverwendet z.B. Autobestandteile.
  • R7 Repurpose – Wiedereinsatz
    Die Funktion ist eine andere, ein Produkt oder seine Teile werden hier wiederverwertet z.B. Taschen aus Reifen hergestellt.
  • R8 Recycle – Recyceln
    Ein Produkt oder seine Rohstoffe werden aufbereitet, damit die Qualität des Materials erhalten wird.
  • R9 Recover – Verwertung
    Die Materialien eines Produktes werden zur Energiegewinnung weiterverwertet. [4]

Kreislaufwirtschaft umfasst somit den gesamten Produktionsprozess von der Ideenfindung, über die Entnahme von Rohstoffen, der Konzipierung von Produkten und der Entsorgung und Verwertung von Abfällen.

Zahlen, Richtlinien und Rechtliche Verankerung

Jeder EU-Bürger verbraucht jährlich 14,1 Tonnen Material und erzeugt fünf Tonnen Abfall und EU-weit fallen jährlich 35 Millionen Tonnen Abfall an. [5] Zudem ist die EU hinsichtlich ihres Zugangs zu natürlichen Ressourcen von Importen abhängig. 2024 mussten 74,9 % des EU-Verbrauchs an fossiler Energie und 49,0 % ihres Verbrauchs an Metallerzen eingeführt werden. [6] Im Jahr 2023 stammten 11,8 % der von der EU-Wirtschaft verwendeten Rohstoffe aus Recyclingmaterial. [7]

Im Rahmen des Maßnahmenplans des Green Deals mit dem Ziel Europa zum ersten klimaneutralen Kontinent zu machen, wurde 2020 mit dem Circular Economy Action Plan (CEAP) ein politisches Strategiepapier und Maßnahmenplan zu Kreislaufwirtschaft vorgelegt woraus sich in den Einzelstaaten rechtlich bindende Gesetze ableiten sollen. [8] Dies wird über Verordnungen und Gesetze der Europäischen Union wie dem Ökodesigngesetz ESPR (Ecodesign for Sustainable Products Regulation), der Verpackungsverordnung PPWR (Packaging and Packaging Waste Regulation), der Vorschrift für die Nachhaltigkeitsberichterstattung von Firmen  CSRD (Corporate Sustainability Reporting Directive), der Verordnung gegen die Entwaldung EUDR (EU Deforestation Regulation) und dem CO₂-Grenzausgleichsmechanismus der EU CBAM (Carbon Border Adjustment Mechanism) geregelt. 

In Österreich gibt es kein einzelnes Gesetz, das Kreislaufwirtschaft rechtlich verankert. Aber 2022 wurde die Österreichische Kreislaufwirtschaftsstrategie vorgestellt, welche messbare Ziele bis 2030 und 2050 vorgibt:

  •  Reduktion des Ressourcenverbrauchs
    – Inländischer Materialverbrauch (DMC): maximal 14 Tonnen pro Kopf/Jahr (2030)
    – Material-Fußabdruck (MF): maximal 7 Tonnen pro Kopf/Jahr (2050)
  • Steigerung Ressourcenproduktivität um 50 Prozent (2030)
  • Steigerung Zirkularitätsrate auf 18 Prozent (2030)
  • Reduktion Konsum privater Haushalte um 10 Prozent (2030) [9]

Andere Aspekte von Kreislaufwirtschaft werden etwa durch das Abfallwirtschaftsgesetz (AWG 2002) oder durch EU-Verordnungen mit unmittelbarer Geltung wie jene über Verpackungen und Verpackungsabfälle oder die EU-Batterieverordnung geregelt. 

Reparatur als Element von Kreislaufwirtschaft

Im April 2024 wurde die Richtlinie über die Förderung des „Rechts auf Reparatur“ durch die österreichische Bundesregierung verabschiedet. Damit wird das Recht auf Reparatur durch das Warenreparaturrichtlinie-Umsetzungsgesetz (WaRUG) in nationales Recht überführt. Die neuen Regelungen treten in Österreich am 1. Oktober 2026 in Kraft. [10] Diese regeln die Verlängerung der Gewährleistung bzw. Garantien, Reparaturpflicht für Hersteller nach Ablauf der Garantie zu angemessenen Preisen, die Verfügbarkeit von Ersatzteilen sowie die Transparenz von Kosten- und Angebotsübersichten bei Reparaturbetrieben.

In Österreich gibt es durch das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (BMLUK) aktuell die Geräte-Retter-Prämie, welche als Nachfolgemodell des Reparaturbonus die Reparatur, den Service und die Wartung von Elektro- und Elektronikgeräten unterstützt. [11] Der Schwerpunkt der Förderaktion liegt dabei auf klassischen Haushaltsgeräten, Werkzeugen, Geräten im Gesundheitsbereich sowie Computerbedarf und Unterhaltungselektronik (z.B. Kaffeemaschine, Wasserkocher, Waschmaschine, Innenleuchte, Fernsehgerät, Hi-Fi-Anlage, Laptop, Blutdruckmessgerät, Bohrmaschine). [12] Übernommen werden 50% des Bruttopreises und maximal 130 Euro pro Reparatur. Hierfür muss man sich auf der Website einen Reparaturbon erstellen und diesen bei gelisteten Partnerbetrieben einlösen.

Genaue Informationen über den Ablauf sind auf https://www.geräte-retter-prämie.at/ zu finden.

Fazit

Kreislaufwirtschaft ist mehr als Recycling und ein wesentlicher Aspekt, um Klimaneutralität zu erreichen. Maßnahmenpläne, Strategien und Gesetze hierfür gibt es auf EU-Ebene, welche teilweise unmittelbare Geltung haben und teilweise in nationales Recht zu überführen sind. In Österreich gibt es ebenso Strategien und Gesetze, welche Aspekte von Kreislaufwirtschaft verankern.

Reparatur ist ein Bestandteil von Kreislaufwirtschaft und trägt dazu bei Ressourcen zu schonen. Künftig sollen Hersteller nicht nur verpflichtet werden die Langlebigkeit ihrer Produkte zu erhöhen, sondern auch Aspekte von Reparatur für den Verbraucher zugänglicher zu machen. In Österreich können Privatpersonen derzeit mittels Geräte-Retter-Prämie bis zu 50% bzw. maximal 130 Euro Förderung für die Reparatur von Elektrogeräten erhalten.

Quellen

[1] Tagesschau vom 30.7.2026: F.Bäumer: Erdüberlastungstag – Ab heute lebt die Menschheit auf Pump. [Zugriff 9.8.2026] (https://www.tagesschau.de/wissen/klima/erdueberlastungstag-ressourcenverbrauch-weltweit-100.html)

[2] siehe [1]  

[3] vgl. https://www.derstandard.at/story/3000000239403/was-kreislaufwirtschaft-ist-nicht-gleich-recycling [Zugriff 9.8.2026] 

[4] https://www.wko.at/nachhaltigkeit/kreislaufwirtschaft-ressourcen-abfallmanagement#9_r_strategien [Zugriff 9.8.2026] 

[5] vgl. https://www.europarl.europa.eu/factsheets/de/sheet/76/ressourceneffizienz-und-kreislaufwirtschaft; https://www.europarl.europa.eu/topics/de/article/20220331STO26410/recht-auf-reparatur-massnahmen-um-reparaturen-attraktiver-zu-machen [Zugriff 9.8.2026] 

[6] siehe [5] 

[7] siehe [5] 

[8] vgl. https://tracextech.com/circular-economy-action-plan/ [Zugriff 9.8.2026] 

[9] https://www.umweltbundesamt.at/umweltthemen/abfall/abfallvermeidung/kreislaufwirtschafts-strategie [Zugriff 9.8.2026] 

[10] vgl. https://www.europarl.europa.eu/topics/de/article/20220331STO26410/recht-auf-reparatur-massnahme n-um-reparaturen-attraktiver-zu-machen; https://www.wko.at/handel/elektrohandel/recht-auf-reparatur-aenderungen-gewaehrleistungsrecht [Zugriff 9.8.2026] 

[11] vgl. https://www.oesterreich.gv.at/de/themen/umwelt_und_klima/energie_und_ressourcen_sparen/geraete-retter-praemie [Zugriff 9.8.2026] 

[12] siehe [11]

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