Künstliche Intelligenz (KI) ist in kürzester Zeit zu einem großen Thema unserer Zeit geworden. Während manche Prozesse durch die Einbindung von KI effizienter gestaltet werden können, birgt diese Technologie aber auch Gefahren für das Klima, die Umwelt und unsere Gesellschaft. KI stellt uns nun vor ganz neue Herausforderungen und Ungerechtigkeiten, mit denen umzugehen gelernt werden muss.
Falschinformationen durch (generative) KI
Wir leben im Zeitalter von Social Media. Eine Vielzahl von Menschen informiert sich über das Weltgeschehen zuallererst über Instagram und Co. Mit der Weiterentwicklung von generativer KI, mit der nun jede:r in kürzester Zeit realistische Bilder, Tonaufnahmen, Videos (Deep Fakes) und Texte erstellen kann, verbreiten sich auch Falschnachrichten immer mehr. Und sie von echten Nachrichten zu unterscheiden wird immer schwieriger [1].
KI-Systeme werden von Menschen hinsichtlich ihrer Ergebnisse meist als neutral und vertrauenswürdig wahrgenommen. Tatsächlich kommt es aber oft zu „Halluzinationen durch KI“, was bedeutet, dass eine KI ungenaue oder falsche Ergebnisse liefert, die häufig auch auf keinen echten Daten basieren [2].
Laut der Europäischen Rundfunkunion (EBU) enthielten 45 % der Chatbot-Antworten im Oktober 2025 signifikante Mängel hinsichtlich der Genauigkeit, den Quellenangaben und dem Kontext. Grund dafür können veraltete Daten sein, mit denen die KI trainiert wurde oder auch, dass als Quelle andere KI-generierte Inhalte genutzt wurden [3].
Wenn allerdings absichtlich falsche Informationen verbreitet werden, bezeichnet man das im Allgemeinen als “Desinformation”. Gründe für die Verbreitung von Falschnachrichten sind meist ökonomischer oder politischer Natur: zum Teil um Aufsehen zu erregen und Werbeeinnahmen zu steigern, insbesondere aber um öffentliche Diskurse zu lenken und zu destabilisieren und damit Unsicherheit und Spaltung in der Gesellschaft zu erzeugen. Laut der ÖAW (2026) richten sich solche Desinformations-Kampagnen besonders häufig gegen Minderheiten und gesellschaftsliberale Werte [1].
Im August 2025 hat sich gezeigt, dass 10 % von 1.441 überprüften Falschmeldungen mit KI generiert wurden. Das bedeutet, dass KI systematisch als Desinformations-Werkzeug eingesetzt wird. Und ein besonders beliebtes Desinformationsziel ist die Klimakrise [4].
Über ein passendes Beispiel aus dem diesjährigen Sommer hat auch die Tagesschau berichtet: In einem KI-generierten Video wurde die Wetter-Berichterstattung von früheren Jahren mit heute „verglichen“, womit suggeriert werden sollte, dass die aktuelle Berichterstattung über extreme Hitze übertreibt. Jedoch waren beide „Berichte“ nicht echt [5].
Wie wir wissen, halten sich Klimaleugnungsgerüchte und -mythen lange, werden immer wieder reproduziert und sind schwer wieder aus der Welt zu schaffen. Jede weitere Klima-Desinformation führt dazu, dass Menschen nicht an die Dringlichkeit der Krise glauben und wichtige Entscheidungen und Maßnahmen verzögert werden [6].
Probleme des KI-Trainings
Damit KI-Systeme Texte und Bildmaterial erstellen können, müssen sie erst einmal trainiert werden. Dieses Training birgt gleich mehrere Probleme.
Bias – Diskriminierung durch systematische Verzerrung
Das Ergebnis einer KI-Anfrage ist davon abhängig, welche Inhalte für das Training genutzt wurden. Wenn Vorurteile (im engl. Bias) in den Trainingsprozess eingeflossen sind, z.B. in Form von verzerrten historischen Daten, ist es wahrscheinlich, dass die KI dieselben Vorurteile reproduziert oder sogar verstärkt, was in weiterer Folge zu Diskriminierung führen kann [2,7].
Es wird z.B. immer üblicher, KI in Bewerbungsverfahren einzusetzen. Studien zeigen aber, dass Bewerbungen von Menschen mit bestimmten Nachnamen systematisch benachteiligt werden [8].
Urheberrechte – Woher bekommt die KI ihre ”Inspiration”?
Letztes Jahr war es total im Trend, KI-Bilder der eigenen Familie im Stil von Studio-Ghibli oder Disney-Charakteren generieren zu lassen. Und das, obwohl Disney-Figuren urheberrechtlich geschützt sind und der Schaffer von Ghibli ausgesprochener KI-Gegner ist [9].
Auch im August 2026 war KI-Training in den Nachrichten, mit der Schlagzeile, dass Amazon alte Bücher für ihr KI-Training zerstört. Alte, seltene Bücher werden massenhaft gekauft und durch einen möglichst schnellen Scan-Vorgang zerstört. Alles mit dem Ziel die eigene KI mit neuen Inhalten zu trainieren [10].
Für das KI-Training verwendet werden gleichermaßen wissenschaftliche Informationen, Texte und Bilder aus dem Netz, Kunst, Musik, Bücher und Videos. Diese Verwendung kann derzeit noch ohne Einholung der Erlaubnis der Urheber:innen stattfinden, denn im Urheberrechtsgesetz gibt es eine Ausnahme für Text- und Data-Mining. Nachdem generative KI eine noch recht neue Technologie ist, sind auch die Rechtsfragen neu und noch nicht ganz geklärt. Daher gibt es großen Bedarf nach aktuelleren Regelungen, die sich auch mit der Frage befassen, ob und wie die Urheber:innen vergütet werden sollten [11].
Bedeutung des Menschlichen Schaffens
Man kann die ganze Thematik auch philosophisch betrachten und sich die Frage stellen, wie es ist, wenn KI dem Menschen das „Schaffen“ abnimmt.
Eigentlich wurde KI dafür entwickelt, uns die Arbeit zu erleichtern und sie effizienter zu gestalten. Utopisch gesehen vielleicht sogar, um weniger zu arbeiten und mehr Zeit für die schönen Dinge im Leben zu haben.
Aktuell schaut es jedoch nicht danach aus, als würden die Menschen in Zukunft durch KI weniger arbeiten. Eine Studie von Aruna Ranganathan and Xingqi Maggie Ye (2026) hat gezeigt, dass zwar durch KI-Tools schneller gearbeitet werden kann, aber dann meist auch länger und intensiver [12,13]. Zudem fürchten auch viele Menschen darum, dass KI sie in Zukunft am Arbeitsmarkt ersetzen könnte. Das würde sowohl die finanzielle Lebensgrundlage der Menschen bedrohen, als auch zu einer Art Identitätsverlust führen, da der eigene Beruf für viele Menschen sehr sinnstiftend ist [14].
Gleichzeitig übernimmt die KI auch die schönen Dinge im Leben. Bilder, die bereits existierende Kunst verarbeitet und imitiert haben, Musik, Bücher und in Zukunft vielleicht auch ganze Filme könnten in Zukunft KI generiert werden. Dahinter stehen keine kreativen Köpfe mehr, die ihre Fähigkeiten nutzen, um etwas Eigenes zu schaffen, sondern lediglich eine Person, die prompted (d.h. eine Anfrage stellt oder eine Aufgabe in einem KI System formuliert) und ein Ergebnis erhält, für das sie nichts tun musste. Dabei ist doch besonders Kunst, Musik und Film etwas, für das sich viele Menschen begeistern und aus Leidenschaft tun. Wieso sollte man hier den Menschen aus dem Schaffensprozess entfernen?
Durch den uneingeschränkten privaten Zugang zu generativer KI entsteht zudem ein Überangebot an Material. Erik Hoel spricht in seinem Essay von einer „semantischen Sättigung auf kultureller Ebene“. Wenn alles gleich aussieht und immer und immer wieder ausgespuckt wird, immer derselbe Stil, immer dieselbe Geschichte, dann geht irgendwann der Reiz daran verloren und das Ganze wird bedeutungslos [9].
Um nicht auf KI-generierte Nachrichten und Informationen mit unrichtigen Inhalten hereinzufallen, ist es wichtig diese zu erkennen:
- Nutze Faktenchecks, z.B. von klimaaktiv https://www.klimaaktiv.at/klima-fakenews-auf-der-spur
- Lerne, wie man KI-generierte Inhalte erkennt [15]
- Recherchiere seriöse Quellen und vergleiche die Angaben
- Nutze eine Bild-Rückwärtssuche um den Ursprung des Bildes zu finden
- Achte auf Fehler in KI-Bildern/Videos, z.B. Anzahl von Fingern, Lichteffekte, usw.
- Überdenke Deinen eigenen KI-Konsum
- Kennzeichnungspflicht, damit KI-Inhalte transparent ersichtlich sind
- Bei manchen Suchmaschinen wird seit längerem immer eine KI-Übersicht angezeigt. Diese ist oft weder hilfreich noch korrekt. Daher ist es sinnvoll, zu einer Suchmaschine zu wechseln, die das nicht anbietet, oder diese Übersicht in den Einstellungen zu deaktivieren.
Rebecca Lang
Texte zu schreiben macht mir viel Spaß, vor allem wenn es um wichtige Themen wie Klima- und Umweltschutz geht. In meiner Freizeit beschäftige ich mich viel mit Veganismus, höre und mache gerne Musik, probiere neue Rezepte und beobachte gern Vögel in der Natur.
Literatur
[1] ÖAW (2026). KI, Bots und Clickbait: Wie Desinformation heute funktioniert. https://www.oeaw.ac.at/news/ki-bots-und-clickbait-wie-desinformation-heute-funktioniert (zuletzt abgerufen am: 06.09.2026)
[2] Amnesty International (o. J.). Gefährlich hilfreich: Wie künstliche Intelligenz unsere Menschenrechte bedroht. https://www.amnesty.at/themen/technologie-digitalisierung-und-menschenrechte/gefaehrlich-hilfreich-wie-kuenstliche-intelligenz-unsere-menschenrechte-bedroht/#ki-gefahren (zuletzt abgerufen am: 06.09.2026)
[3] Bücker, T. (2026). Wie KI-Halluzination in Studien landet. In: Tageschau, 20.06.2026. https://www.tagesschau.de/wirtschaft/digitales/kuenstliche-intelligenz-halluzination-beratung-wissenschaft-100.html (zuletzt abgerufen am: 06.09.2026)
[4] Spiess, C. (2025). KI-Lügen, Kriegsfantasien, Klima-Mythen: Der August 2025 war ein Desinformationsfeuer. Hrsg: Mimikama, 19.09.2025. https://www.mimikama.org/desinformation-ki-krieg-klima-august-2025/ (zuletzt abgerufen am: 06.09.2026)
[5] Reveland, C. und Siggelkow, P. (2026). Fakes relativieren Hitzewelle. . In: Tageschau, 25.06.2026. https://www.tagesschau.de/faktenfinder/hitze-fakes-100.html (zuletzt abgerufen am: 06.09.2026)
[6] Mimikama (o. J.). Klima-Desinformation erkennen: CO₂-Mythen & Faktencheck. https://www.mimikama.org/desinformation-verstehen/klima-desinformation-erkennen/ (zuletzt abgerufen am: 06.09.2026)
[7] Wagner, R. (o. J.). Ökologische und soziale Auswirkungen von KI-Projekten: Risiken erkennen und minimieren. https://riccardo-wagner.de/1402/ (zuletzt abgerufen am: 06.09.2026)
[8] Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina e.V. (2025). Künstliche Intelligenz und Gesellschaft. https://www.leopoldina.org/themen/kuenstliche-intelligenz/kuenstliche-intelligenz-und-gesellschaft (zuletzt abgerufen am: 06.09.2026)
[9] Hoel, E. (2025). Bedeutungsverlust im Studio-Ghibli-Stil. Goethe-Institut. https://www.goethe.de/prj/ruy/de/kuq/26927371.html (zuletzt abgerufen am: 06.09.2026)
[10] Zellinger, P. und Swist-Standl, S. (2026). Heimliches KI-Training: Amazon zerstört massenhaft alte Bücher. In: Der Standard, 19.08.2026. https://www.derstandard.at/story/3000000335984/heimliches-ki-training-amazon-zerstoert-massenhaft-alte-buecher (zuletzt abgerufen am: 06.09.2026)
[11] AD HOC NEWS (2026). BGH verhandelt KI-Training: Darf Laion 5,85 Mrd. Bilder nutzen? In: AD HOC News, 04.09.2026. https://www.ad-hoc-news.de/wissenschaft/bgh-verhandelt-ki-training-darf-laion-5-85-mrd-bilder-nutzen/70052389 (zuletzt abgerufen am: 06.09.2026)
[12] Ranganathan, A. und Ye, X. M. (2026). AI Doesn’t Reduce Work—It Intensifies It. https://hbr.org/2026/02/ai-doesnt-reduce-work-it-intensifies-it (zuletzt abgerufen am: 06.09.2026)
[13] Bäumer, F. (2026). Wenn KI nicht weniger, sondern mehr Arbeit macht. In: Tageschau, 21.02.2026. https://www.tagesschau.de/wissen/forschung/ki-arbeitsintensitaet-folgen-100.html (zuletzt abgerufen am: 06.09.2026)
[14] Quarks (2026). Mal angenommen: Was wäre, wenn KI uns die Arbeit abnimmt? Quarks, 23.01.2026. https://www.quarks.de/technik/digitalisierung/ki-arbeit-mal-angenommen/ (zuletzt abgerufen am: 07.09.2026)
[15] Media Lab Bayern (2025). KI & Fake News: Wie künstliche Intelligenz gleichzeitig zur Gefahr und Lösung wird. 28.08.2025. https://www.media-lab.de/de/blog/ki-und-fake-news/ (zuletzt abgerufen am: 06.09.2026)