Wer schon einmal über nachhaltige Kleidung nachgedacht hat, ist mit Sicherheit auch beim Do-It-Yourself gelandet. Gerade Häkeln und Stricken sind in den letzten Jahren wieder im großen Stil beliebt geworden. Die Handarbeit mit Wolle bietet ein langsames Pendant zur sonstigen Fast Fashion. Zudem sind die Kleidungsstücke meist langlebig, robust und zeitlos. Doch was oft unbedacht bleibt, sind die versteckten ökologischen und sozialen Folgen. Wichtig für die Nachhaltigkeit eines Textilgarns sind beispielsweise der Flächen-, Wasser- und Energieverbrauch sowie der Pestizideinsatz. Auch Transportwege und CO2 Ausstöße müssen mit eingerechnet werden. Einen Überblick über die nachhaltigsten Strick- und Häkel-Garne, bekommt ihr hier. [1] [7] [8]
Gründe gegen tierische Wolle
Tierische Wolle wie etwa Angora, Schafwolle oder Cashmere sind meist mit großem Tierleid verbunden. Die Tiere sind mit Blick auf eine möglichst profitreiche Wollproduktion das Resultat einer Qualzucht. Dabei leiden sie nicht nur unter den Folgen dieser Zucht, sondern auch unter gewaltvollem Scheren und fehlender artgerechten Haltung. Die industrielle Tierhaltung ist aber nicht nur für die Ziegen, Schafe oder Kaninchen ein schwerwiegender Prozess, sondern auch eine der größten Ursachen des Klimawandels. Die Tiere produzieren riesige Mengen an CO2 Emissionen und sind auch für einen massiven Methan-Ausstoß verantwortlich. Für die Haltung der Tiere werden natürliche Ökosysteme zerstört, Wälder abgeholzt und die Böden unfruchtbar. Zusammen mit einem hohen Wasserverbrauch sowie dem vermehrten Einsatz von Pestiziden gefährden diese Prozesse die Biodiversität und die Umwelt im Allgemeinen. [2] [3]
Eine Alternative zu tierischer Wolle bieten demnach Fasern aus Pflanzen: Baumwolle, Leinen, Hanf oder auch synthetische Stoffe reduzieren das Tierleid. Sind sie jedoch hinsichtlich der umweltschädigenden Aspekte eine bessere Alternative zur tierischen Wolle?
Das Problem mit der Baumwolle
Baumwolle erscheint auf den ersten Blick die passende Alternative zur tierischen Wolle: sie ist schnell verfügbar, vielfältig einsetzbar und kostengünstig. Die Produktion von Baumwolle steht jedoch ebenfalls in engem Zusammenhang mit einem hohen Wasserverbrauch. Oft wird sie in tropischen Gebieten aufgrund der starken Sonneneinstrahlung angebaut und muss dann künstlich bewässert werden. Im Schnitt werden etwa 8700 Liter Wasser verbraucht, um einen Kilo Baumwollfasern zu produzieren. Zudem arbeiten die Menschen in der Baumwollproduktion oft unter verheerenden Bedingungen. Der Einsatz von Pestiziden und Mineraldüngern stellt eine große gesundheitliche Belastung dar. [4] [5]
Bio-Baumwolle bietet eine Möglichkeit, umwelt- und gesundheitsschonenden Anbau der Fasern zu unterstützen. Dabei werden unter anderem keine Pestizide oder Mineraldünger verwendet. Außerdem sind die Baumwollfelder im Bio-Anbau keine Monokulturen, sondern werden etwa durch Zwischenfrüchte, Mischkulturen und Fruchtwechsel ergänzt. [6]
Mögliche Alternativen: Synthetische oder Natürliche Fasern & Recycling
Synthetische Fasern, wie Polyester oder Acryl, verschmutzen die Umwelt durch den Einsatz giftiger Chemikalien bei der Herstellung. Zudem fördern sie das fortschreitende Mikroplastik-Problem, das nicht nur für die Meere, sondern auch für uns Menschen schädlich ist. Demnach ist aus einer umweltschützenden Perspektive auch von diesen Wollalternativen abzuraten. [1]
Immer mehr Menschen greifen aufgrund der oben beschriebenen Prozesse zu Naturfasern. Diese Garne schneiden beispielsweise beim Higg Index, einem Vergleich zur Nachhaltigkeit verschiedener Materialien und Arbeitsketten, deutlich besser ab als tierische Produkte. Wir stellen euch im Folgenden drei Naturfasern vor, die ihr vielseitig in euer nächstes Projekt einbauen könnt. [2] [3] [9]
- Hanf
Die Hanfpflanze ist die Basis für ein sehr robustes und strapazierfähiges Garn. Dabei erinnert es optisch an Leinenstoffe. Der Anbau kommt ohne den Einsatz von Pestiziden aus und verursacht keine Nährstoffarmut der Böden. Zusätzlich ist das Hanf-Garn biologisch abbaubar. Es eignet sich besonders gut für Projekte, die etwas robuster/stabiler sein dürfen, wie z.B. Deko-Objekte.
- Leinen
Ein Klassiker der Naturfasern ist Garn aus Leinen. Es zeichnet sich durch ein robustes Gefühl aus, wobei es mit jeder Nutzung weicher wird. Auch hier kommt der Anbau der Pflanze mit deutlich weniger Pestiziden und Düngemitteln aus als bspw. bei regulärer Baumwolle. Außerdem ist auch Leinen biologisch abbaubar. Das leichte Garn ist perfekt für Sommerkleidung oder lockere Projekte.
- Soja
Ein Garn, von dem ihr vielleicht noch nicht gehört habt, sind Sojafasern. Das Besondere an dieser Naturfaser ist, dass sie ein natürliches Nebenprodukt der Sojaproduktion ist. Zusätzlich können die Reste der Pflanze nach der Faserproduktion wieder weiter Verwendung finden, zum Beispiel als Futtermittel. Die Produktion der Sojafasern erfolgt außerdem ohne giftige Chemikalien oder Pestizide. Das Garn ist sehr weich, glänzt und erinnert dadurch an Kashmir. Sojafasern gibt es momentan noch nicht als reines Garn, werden aber häufig als Mischgarn verkauft und können dadurch andere Stoffe aufwerten.
Eine zusätzliche nachhaltige Alternative zu Wolle darf allerdings nicht unerwähnt bleiben: Recycling. Alte Stoffe, T-Shirts, Bettlaken und vieles mehr können aufgewertet und neu verwendet werden. Dafür schneidest Du die Stoffe in einen langen Streifen und rollst sie in einen Ball für den weiteren Gebrauch. Je nach verwendetem Stoff kannst Du aus Deinen recycelten Materialien verschiedenste Projekte machen. Oft kannst Du auch bereits recycelte Fasern, zum Beispiel aus Produktionsüberschüssen, vom Hersteller kaufen. [1] [3]
Fazit
Es gibt viele Möglichkeiten, beim Arbeiten mit Textilgarnen auf nachhaltige Stoffe und tierleidfreie Garne zu setzen. In Wien gibt es zahlreiche Woll-Geschäfte, die Naturfasern und nachhaltige Materialien für dein nächstes Projekt verkaufen. Schau doch zum Beispiel mal bei Woll-Habitat vorbei oder frag beim Geschäft deiner Wahl nach!
(Achtung: Achte beim Kauf immer auf die Zusammensetzung der Textilgarne. Viele sind eine Mischung aus verschiedenen Stoffen. So kannst Du Dir sicher sein, die passende Entscheidung für dein Projekt und für die Umwelt zu treffen!)
Quellenverzeichnis:
[1] Umweltinstitut München e.V., n.d., Wolle bewusst auswählen: Nachhaltig stricken und häkeln, https://umweltinstitut.org/welt-und-handel/meldungen/wolle-bewusst-auswaehlen-nachhaltig-stricken-und-haekeln/
[2] PETA Deutschland e.V., 2022, Nachhaltige Wolle: So schadet tierische Wolle Klima & Umwelt, https://www.peta.de/themen/nachhaltige-wolle/
[3] Utopia.de, 2024, Wolle zum Stricken: Alternativen zu Schafswolle und Co.
https://utopia.de/ratgeber/wolle-zum-stricken-alternativen-zu-schafswolle-und-co_81937/
[4] GLOBAL2000, n.d., Baumwolle, https://www.global2000.at/baumwolle
[5] Umweltinstitut München e.V., n.d., Ihr Weg zu einem öko-fairen Kleiderschrank, https://umweltinstitut.org/welt-und-handel/slow-fashion-und-baumwolle/
[6] FEMNET e.V., 2015, Sustainable Sourcing, https://femnet.de/download/send/37-lieferketten/123-sustainable-sourcing.html
[7] IWB, 2023, So nachhaltig ist: Das Stricken, https://www.iwb.ch/klimadreh/magazin-uebersicht/so-nachhaltig-ist-das-stricken
[8] serlo, n.d., Nachhaltigkeit von verschiedenen Textilfasern, https://de.serlo.org/nachhaltigkeit/108552/nachhaltigkeit-von-verschiedenen-textilfasern
[9] Mohné, n.d., Sojafasern mit Proteinen, https://nachhaltige-stoffe.de/material/sojafasern/