Manchmal ist der Appetit größer als der Hunger. Wahrscheinlich ist es Dir auch schon passiert: Du gehst hungrig einkaufen und kaufst mehr ein, als Du in einer Woche essen kannst und schon ist etwas schlecht und landet in der Mülltonne.
Aber was ist schon eine Packung weggeworfene Lebensmittel? – Die Antwort ist: Viel mehr als man denkt!
Dieser Beitrag soll die Dimensionen von Lebensmittelverschwendung aufzeigen, erläutern, wie es dazu kommt und was man dagegen tun kann.
Was fällt alles unter “Lebensmittelabfälle”?
Lebensmittelabfälle werden als Essen definiert, welches während der Lieferkette oder bei Konsumierenden als Abfall entsorgt wird. Unterschieden wird in vermeidbare und nicht vermeidbare Abfälle [1].
Nicht vermeidbare Abfälle fallen z.B. bei der Zubereitung von Speisen an oder es handelt sich um Teile, die nicht essbar sind (z.B. Knochen) oder normalerweise nicht gegessen werden, aber potenziell essbar wären. Das wären z.B. Gemüseschalen, äußere Salatblätter, usw. [1].
Im Gegenteil handelt es sich bei vermeidbaren Lebensmittelabfällen um Essen, welches bei rechtzeitigem Konsum genießbar gewesen wäre oder zum Zeitpunkt der Entsorgung genießbar war. Also zum Beispiel Tellerreste im Restaurant oder angeschimmeltes Brot [1].
Ein weiterer Begriff, der bei diesem Thema häufig vorkommt, ist “Lebensmittelverluste”. Er beschreibt die Verluste, die entlang der Wertschöpfungskette der Lebensmittel passieren. Das fängt in der landwirtschaftlichen Produktion und Verarbeitung an und endet beim Beginn des Handels . Häufige Gründe sind Überproduktion und zu lange oder falsche Lagerung [1].
Wirkung auf Klima, Umwelt, Mensch und Tier
Im Jahr 2022 wurden Schätzungen der Vereinten Nationen zufolge weltweit 1 Milliarden Tonnen Lebensmittel weggeschmissen [2]. Der finanzielle Wert der globalen Lebensmittelabfälle und -verluste lässt sich auf ungefähr 1 Billionen US-Dollar schätzen [3].
Angesichts der Klimakrise sind die Treibhausgasemissionen dabei das Hauptproblem.
Das IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) schätzt, dass 21-37 % der weltweiten Treibhausgasemissionen durch unsere Lebensmittelproduktion verursacht werden. Genauer sind es 9-14 % durch Pflanzenbau und Viehzucht, 5-14 % durch Landnutzung und 5-10 % durch die weitere Wertschöpfungskette der Produktion [4].
Schockierend ist: Lebensmittelabfälle und -verluste sind für ca. 8-10 % der gesamten globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich [3].
Zur Veranschaulichung: Das ist etwa 5-Mal so viel wie die Emissionen, die durch den Flugverkehr ausgestoßen werden! [3]
Berücksichtigt werden muss auch, dass sich der Aufwand in der Produktion und die damit verbundenen Auswirkungen verschiedener Lebensmittel immens unterscheidet. Während z.B. Gemüse mit ~0,7 kg CO2 einen geringen ökologischen Fußabdruck hat, sind Milch- (~3,8 kg CO2) und Fleischprodukte (~9 kg CO2) durch den hohen Aufwand wesentlich ressourcenintensiver [5].
Von der landwirtschaftlichen Produktion und Verarbeitung, über den Handel und den Einsatz in der Gastronomie bis zu den Konsument:innen: Lebensmittel durchlaufen viele Schritte bis sie gegessen werden.
Entlang dieser Lieferkette werden viele Ressourcen eingesetzt, ein paar Beispiele:
- 70 % des weltweit entnommenen Frischwassers wird in der Landwirtschaft eingesetzt [6].
- Die Lebensmittelproduktion ist (entlang der ganzen Wertschöpfungskette) für 30 % des globalen Energieeinsatzes verantwortlich [7].
- 45% der weltweit bewohnbaren Fläche wird landwirtschaftlich genutzt (davon 80% für Viehzucht und nur 18% Pflanzen für den direkten menschlichen Verzehr) [8].
- 3,73 Millionen Tonnen Pestizide und 182,96 Millionen Tonnen Dünger wurden im Jahr 2023 eingesetzt [9, 10].
- Im Jahr 2024 wurden fast 88 Milliarden Landtiere für den menschlichen Konsum geschlachtet [11].
Nun werden aber etwa 40 % der produzierten Lebensmittel nie gegessen [12, 13]. Damit ist der Ressourcen- und Energieeinsatz umsonst gewesen…
Aber leider nicht wirklich umsonst, denn die negativen Auswirkungen der Produktion sind trotzdem da: THG-Emissionen, Bodenerosion, Verlust von Nährstoffen, Verlust von Biodiversität und vieles mehr.
Hinsichtlich der Fleisch- und Milchindustrie müssen auch die Tierleben hervorgehoben werden. Im Jahr 2019 wurden laut einer Studie etwa 18 Milliarden Tiere für den menschlichen Verzehr getötet, die schlussendlich aber nur als Abfall angefallen sind [14].
Gleichzeitig litten im Jahr 2022 weltweit 783 Millionen Menschen an Hunger. Ein Drittel aller Menschen war von Ernährungsunsicherheit betroffen, was bedeutet, dass sie keinen ausreichend gesicherten Zugang zu Nahrung hatten [3]. Obwohl weltweit ausreichend Essen produziert wird, ist die Hungerproblematik immer noch nicht gelöst.
Gründe für Lebensmittelverschwendung
Die Gründe für Lebensmittelabfälle variieren stark in Betracht verschiedener Länder und der finanziellen Situation der Menschen.
Während in Ländern mit niedrigen Einkommen wenig auf Haushaltsebene weggeworfen wird, da weniger Geld zur Verfügung steht, wird in EU-Ländern etwa die Hälfte der Lebensmittelabfälle von Endkonsument:innen entsorgt [15, 16]. Dafür gibt es viele mögliche Gründe:
- Falsche Lagerung
- Zu viel eingekauft (z.B. wegen Rabattaktionen, Fehleinschätzung)
- Fehlendes Wissen über Haltbarkeit
- Verringerte Wertschätzung von Lebensmitteln
- Fehlender Bezug zur Lebensmittelproduktion und fehlendes Verständnis für Ressourceneinsatz und Auswirkungen der Verschwendung
Mythos: Mindest-Haltbarkeits-Datum
Das MHD (“mindestens haltbar bis …”) wird von vielen Menschen missverstanden. Bis zu diesem Datum versichern die Produzent:innen, dass das Produkt seine spezifischen Eigenschaften, wie Geschmack und Aussehen, behält. Das bedeutet aber NICHT, dass es danach nicht mehr genießbar ist [17].
Das MHD wird häufig mit dem Verbrauchsdatum (“zu verbrauchen bis …”) verwechselt. Diese Angabe findet sich auf schnell verderblichen Waren, die nach dem Ablaufdatum gesundheitsgefährdend sein können und daher nicht mehr gegessen werden sollten. Dieses Datum wird z.B. auf rohem Fleisch, Fisch, Geflügel angegeben [17].
Daher dürfen Lebensmittel, die das MHD überschreiten, danach auch noch verkauft werden, aber welche, die das Verbrauchsdatum überschreiten, nicht [18].
Wenn ein Produkt das MHD überschritten hat, gibt es einen einfachen Test, ob das Essen noch genießbar ist [17].
1-Minute-Self-Check:
- Sieht das Produkt aus wie normal?
Ausschau halten nach Flecken, Schädlingen, Schimmel, Schmierige Stellen, Verfärbungen usw.
- Riecht es noch gut?
Aufpassen, ob es muffig, ranzig, vergoren, stechend, süß, unangenehm oder allgemein sonderbar riecht.
- Schmeckt es so wie sonst auch?
Oder sauer, untypisch bitter, ranzig, schal oder allgemein anders.
Wenn das Lebensmittel einen der Tests nicht besteht, dann gehört es entsorgt.
Was kannst Du tun?
- Selbsttest MHD (siehe oben)
- Mahlzeiten planen und gezielt Einkaufen mit Einkaufslisten
- Fähigkeiten erlernen, um Lebensmittel länger haltbar zu machen (richtige Lagerung, Gemüse einlegen, einfrieren, trocknen, usw.) Link
- Food-Sharing: Bekannte fragen, öffentliche Kühlschränke nutzen, usw.
- Lebensmittel mit kurzem MHD kaufen und bald nutzen. In vielen Läden sogar vergünstigt.
- Freund:innen, Familie und Bekannte aufklären und Bewusstsein stärken
Was sollten Politik und Betriebe tun?
- Politik
- Verpflichtung zu Abfall-Monitoring in öffentlichen Einrichtungen, wie Schulen und Krankenhäusern
- Vereinfachung der Lebensmittelweitergabe an soziale Einrichtungen
- Handel
- Verbesserung der Mengenplanung, besonders hinsichtlich schnell verderblicher Ware.
- Vergünstigung von abgelaufener Ware oder Ware mit kurzem MHD
- Gastronomie
- Buffets verleiten Kund:innen so viel wie möglich auf den Teller zu schaufeln, was oft zu vielen Abfällen führt. Hinweise auf Abfallvermeidung oder Gebühren für nicht aufgegessenes Essen können hier helfen.
- Mengenplanung: Sowohl bei Buffets als auch à la carte, richtige Planung spart Geld und verhindert Abfälle
- ToGo-Boxen anbieten, idealerweise Mehrweg mit Pfand
- Übrig gebliebene Speisen rechtzeitig weitergeben oder über Plattformen wie TooGoodToGo anbieten
Interessantes
- Internationaler Tag gegen Lebensmittelverschwendung: 29.09.2026 [19]
- “Natürlich weniger Mist” (https://www.wenigermist.at/) ist eine Initiative der Stadt Wien, um Bewusstsein für Abfallvermeidung zu schaffen. Es werden Tipps angeboten, wie man Lebensmittelabfälle vermeiden kann, alte Lebensmittel doch noch verkochen kann und wie man richtig einkauft.
Rebecca Lang
Texte zu schreiben macht mir viel Spaß, vor allem wenn es um wichtige Themen wie Klima- und Umweltschutz geht. In meiner Freizeit beschäftige ich mich viel mit Veganismus, höre und mache gerne Musik, probiere neue Rezepte und beobachte gern Vögel in der Natur.
Literatur:
[1] Wiener Umweltanwaltschaft (2021). Abfallwirtschaft: Lebensmittelabfälle – Was sind Lebensmittelabfälle? https://wua-wien.at/umweltmanagement/abfallwirtschaft/2309-lebensmittelabfaelle-definition (zuletzt abgerufen am: 28.07.2026)
[2] United Nations Environment Programme (2024a). Food Waste Index Report 2024. Nairobi. https://wedocs.unep.org/items/dbe2cd4c-8384-4636-8359-5847f42b9711 (zuletzt abgerufen am: 27.07.2026)
[3] United Nations Environment Programme (2024b). World squanders over 1 billion meals a day – UN report. Nairobi. https://www.unep.org/news-and-stories/press-release/world-squanders-over-1-billion-meals-day-un-report (zuletzt abgerufen am: 27.07.2026)
[4] Umweltbundesamt Deutschland (2025). Klimaschutz in der Landwirtschaft auf globaler Ebene. https://www.umweltbundesamt.de/themen/klima-energie/internationale-klimapolitik/zukunft-der-klimapolitik/klimaschutz-in-der-landwirtschaft-auf-globaler#herausforderungen-und-lsungen-fr-eine-nachhaltigere-landwirtschaft (zuletzt abgerufen am: 27.07.2026)
[5] WWF (o.J.). Lebensmittelverschwendung in österreichischen Haushalten: Was Sie unbedingt über dieses große Umweltproblem wissen sollten. https://www.wwf.at/artikel/lebensmittelverschwendung-im-haushalt/ (zuletzt abgerufen am: 28.07.2026)
[6] FAO (2025a). The State of the World’s Land and Water Resources for Food and Agriculture 2025. The potential to produce more and better. Rom. Verfügbar unter: https://openknowledge.fao.org/handle/20.500.14283/cd7488en (zuletzt abgerufen am: 27.07.2026)
[7] FAO (2025b). Land statistics 2001–2023: Global, regional and country trends. FAOSTAT Analytical Briefs, No.107. Rome. Verfügbar unter: https://openknowledge.fao.org/handle/20.500.14283/cd5765en (zuletzt abgerufen am: 27.07.2026)
[8] Hannah Ritchie and Max Roser (2019) – “Half of the world’s habitable land is used for agriculture” Published online at OurWorldinData.org. Retrieved from: ‚https://archive.ourworldindata.org/20260611-075803/global-land-for-agriculture.html‚ [Online Resource] (archived on June 11, 2026). (zuletzt abgerufen am: 27.07.2026)
[9] FAO (2025c). Pesticides use and trade – 1990–2023. FAOSTAT Analytical Briefs, No. 109. Rom. https://openknowledge.fao.org/handle/20.500.14283/cd5968en (zuletzt abgerufen am: 27.07.2026)
[10] Food and Agriculture Organization of the United Nations (2025) – with major processing by Our World in Data. “Fertilizer consumption – FAO” [dataset]. Food and Agriculture Organization of the United Nations, “Land, Inputs and Sustainability: Fertilizers by Nutrient”; Food and Agriculture Organization of the United Nations, “Land, Inputs and Sustainability: Land Use” [original data]. Retrieved July 28, 2026 from https://archive.ourworldindata.org/20260727-131016/grapher/fertilizer-total-use.html (archived on July 27, 2026). (zuletzt abgerufen am: 28.07.2026)
[11] Orzechowski, K. (2026). Global Animal Slaughter Statistics & Charts. Faunalytics. https://faunalytics.org/global-animal-slaughter-statistics-and-charts/ (zuletzt abgerufen am: 28.07.2026)
[12] WWF (2021). Driven to waste: The Global Impact of Food Loss and Waste on Farms. Woking. https://wwf.panda.org/discover/our_focus/food_practice/food_loss_and_waste/driven_to_waste_global_food_loss_on_farms/ (zuletzt abgerufen am: 28.07.2026)
[13] Goodwin, L. und Lipinski, B. (2024). How Much Food Does the World Really Waste? What We Know — and What We Don’t. World Resources Institute. https://www.wri.org/insights/how-much-food-does-the-world-waste (zuletzt abgerufen am: 27.07.2026)
[14] Klaura, J., Breeman, G. und Scherer, L. (2023). Animal lives embodied in food loss and waste. Sustainable Production and Consumption (Volume 43, Pages 308-318). Verfügbar unter: https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2352550923002579 (zuletzt abgerufen am: 27.07.2026)
[15] FAO. 2011. Global food losses and food waste – Extent, causes and prevention. Rom. Verfügbar unter: https://www.researchgate.net/publication/285683189_Global_Food_Losses_and_Food_Waste-_Extent_Causes_and_Prevention (zuletzt abgerufen am: 28.07.2026)
[16] EU Fusions (2016): Estimates of European food waste levels. https://www.eu-fusions.org/phocadownload/Publications/Estimates%20of%20European%20food%20waste%20levels.pdf (zuletzt abgerufen am: 28.07.2026)
[17] Umweltberatung (o.J.). Mindestens haltbar bis. https://www.umweltberatung.at/mindestens-haltbar-bis (zuletzt abgerufen am: 28.07.2026)
[18] VKI (2016). Abgelaufene Lebensmittel – Kein Verkaufsverbot. Verein für Konsumenteninformation. https://konsument.at/essen-trinken/abgelaufene-lebensmittel (zuletzt abgerufen am: 28.07.2026)
[19] BMLUK (o.J.). Internationale Tag gegen Lebensmittelverschwendung. https://www.bmluk.gv.at/service/veranstaltungen/landwirtschaft/internationale-tag-gegen-lebensmittelverschwendung.html (zuletzt abgerufen am: 28.07.2026)