Wildtiere in Wien (von Veronika Maierhofer)

Die Großstadt als attraktiver Lebensraum für Wildtiere

Wien, am Weg zur Arbeit mit der Strassenbahnlinie 31, Haltestelle Floridsdorfer Brücke. Die Fahrgäste sind in ihre Handys vertieft. Dabei würde sich ein aufmerksamer Blick hinaus durchaus lohnen. Der Floridsdorfer Wasserpark ist Schauplatz für das Abenteuer Leben. Über 20 Graureiher Brutpaare finden hier neben Kormoranen, Schildkröten, verschiedenen Enten- und Gänsearten exzellente Lebensbedingungen. Hin und wieder umrundet ein Biber den Schauplatz. Gemeinsam bilden sie eine bunte, gar nicht unauffällige Truppe zwischen Hochhäusern, Straßenbahnen und der stark befahrenen Donauufer Autobahn [1].

In Wien leben fast 2 Millionen Menschen auf einer Fläche von etwa 415 km2. Fast 50 Prozent Wiens sind Grünflächen. Somit zählt Wien zu den grünsten Millionenstädten der Welt.

Alleine der Wiener Anteil des Biosphärenparks Wienerwald umfasst fast 100 km2 und dieses Naturreservat schließt sieben Wiener Gemeindebezirke ein. 2.000 Pflanzenarten und 150 Brutvogelarten sind im Wienerwald zu finden.

Oder die Lobau. Sie stellt ein Drittel des Nationalparks Donau-Auen, liegt mit 23 km2 auf Wiener Stadtgebiet und beheimatet 800 Pflanzen-, 30 Säugetier- und 100 Brutvogelarten, acht Reptilien- und 13 Amphibien- sowie 60 Fischarten.

Wild Life in Wien [2]

Stadt und Natur bzw. Wildnis schließen sich also nicht automatisch aus. So kommt es, dass es selbst in Wien „Wildlife“ gibt. Die Vielfalt der wildlebenden Tiere im Siedlungsraum ist groß.

Vom Fuchs über den Dachs und den Waschbär zum Marder, vom Reh über das Wildschwein zum Rothirsch, vom Biber über die Bisamratte zum Ziesel, vom Feldhasen über das Wildkaninchen zur Fledermaus.

Im urbanen Raum leben über 70 Säugetierarten – Heimtiere nicht mitgerechnet.

Rund 4.150 Wildtiere wurden im Zeitraum Jänner 2019 bis Oktober 2021 in Wien gesichtet und der Plattform StadtWildTiere gemeldet. Das häufigst eingemeldete Tier in diesem Zeitraum ist der Fuchs mit 464 Sichtungen im genannten Zeitraum. Auf den Plätzen 2 bis 10 folgen:

  • Eichhörnchen
  • Alpenfledermaus
  • Dachs
  • Reh
  • Weißrandfledermaus
  • Feldhase
  • Rauhautfledermaus
  • Buntspecht
  • Aaskrähe

Ganzjährig findet das Wild ein gutes Nahrungsangebot, seien es Speisereste in Abfalleimern und auf Komposthaufen, Futterstellen für Vögel, Reste von Hunde- und Katzenfutter, Gemüsebeete, Fallobst, Schnecken, Regenwürmer, Mäuse und Ratten.

Gebäudefassaden eignen sich hervorragend als Nistplätze für manche Vogelarten; Grünräume wie Parkanlagen, Alleen oder die Umgebung von Wohnsiedlungen sind für wildlebende Tierarten ebenso Lebensraum wie für den Menschen. Klimatisch dienen höhere Temperaturen, trockenere Luft und schwächere Winde speziell im Winter dem Überleben von Jungtieren.

Am Zentralfriedhof ist Stimmung

Einige der ungewöhnlichsten Naturrefugien liegen dort, wo man sie am wenigsten erwartet: Auf Friedhöfen. Vor allem derWiener Zentralfriedhof hat sich in den letzten Jahrzehnten zu einem Hotspot der urbanen Artenvielfalt entwickelt.

Die vielen alten Bäume mit Höhlen, Totholz und dichtem Laubwerk bieten ideale Brutbedingungen für über 100 Vogelarten. Dazu zählen Grün- und Buntspechte, Eichelhäher, Krähen, Meisen, aber auch Turmfalken und Waldkäuze.

Rehe sind äußerst scheue Tiere, doch der Friedhof bietet ihnen ideale Lebensbedingungen: Die ruhige Umgebung ermöglicht konstante Reviere und regelmäßige Fortpflanzung.

Der Feldhamster war in Wien jahrzehntelang fast verschwunden. Intensive Landwirtschaft und Flächenversiegelung hatten seinen Lebensraum stark eingeschränkt. Seit einigen Jahren hat sich auf den Wiener Friedhöfen wieder eine stabile Population etabliert.

Die Stadt Wien hat in den letzten Jahren verschiedene Maßnahmen gesetzt, um Friedhöfe ökologisch aufzuwerten, etwa durch den Verzicht auf Pestizide, die Förderung von Wildblumenwiesen oder das Aufstellen von Nistkästen. Auch Kooperationen mit Naturschutzorganisationen fördern die Beobachtung und den Schutz der Artenvielfalt. [4].

Fleissige Bienen

Was haben das Wiener Rathaus, das gegenüberliegende Burgtheater, der Stephansdom und die Wiener Staatsoper gemeinsam?

Sie beherbergen Honigbienenvölker auf dem Dach. Nur die Bienen schaffen eine ausreichende Bestäubung der Stadtpflanzen. Damit wird die Erhaltung eines gesunden Lebensraumes, für die Stadt besonders erforderlich, gewährleistet. Bienen fühlen sich in Wien sehr wohl, denn von der einfachen „Gstätt´n“ bis hin zum Stadtpark finden sie ein vielfältiges Nahrungsangebot. Außerdem ist es in der Stadt länger warm als auf dem Land, Pestizide werden kaum eingesetzt [5].

Für ein gutes Miteinander

Seit 2015 beschäftigt sich das Projekt StadtWildTiere mit der Erfassung von Wildtieren im urbanen Lebensraum. In Zusammenarbeit mit Universitäten versucht man eine Brücke zu den Bürgern und BürgerInnen zu schlagen. Primäres Ziel ist dabei, sowohl bestehende als auch denkbare Konfliktsituationen zwischen Mensch und Wildtier rechtzeitig zu erkennen und diesen nach dem Motto „Für ein gutes Miteinander“ vorzubeugen.

Nach einem Fokus auf Fuchs, Dachs, Marder und Wildschwein in Wien wurde dieser 2015 auf alle Säugetiere im urbanen Raum erweitert [6].

Baumaßnahmen für Wildtiere

Durch die Sanierung von Dächern und Fassaden verlieren Mehlschwalben, Mauersegler, Turmfalken, Fledermäuse und andere Wildtiere vermehrt ihre Nistplätze. Auch moderne Bautechniken sind vielfach wildtierfeindlich. Daher hat die Wiener Umweltanwaltschaft gemeinsam mit dem Zoologen Michael Stocker eine ausführlicheDokumentation erstellt, die zukünftige „Unterkunftsgeber“ ermutigen soll, für Tiere in der Stadt ein neues Zuhause zu schaffen und bestehende Unterkünfte zu erhalten, aber auch aufzeigt wie Schäden an Bauwerken zu vermeiden sind [7].

Künstliches Licht und seine Auswirkungen auf Pflanzen und Tiere

Strassen werden beleuchtet, damit der Mensch sich sicher fühlt, Gebäude, damit sie sichtbar werden. Künstliche Beleuchtung kann jedoch verschiedene negative Auswirkungen auf Pflanzen und Tiere haben: Nachtlicht kann den Tages-Nacht-Rhythmus von Organismen durcheinanderbringen oder wichtige Überlebensfunktionen wie Nahrungserwerb und Fortpflanzung beeinträchtigen.

Der weltweite Verbrauch von Licht und die damit verbundenen Lichtemissionen nehmen stetig zu. Die Lichtverschmutzung der Nacht ist mittlerweile zu einem globalen ökologischen Problem geworden. Die nächtliche Dunkelheit als natürliche Ressource braucht Aufmerksamkeit und Schutz [8].

Wildtierservice Wien – Beratung und Hilfe zum Umgang mit Wildtieren [9]

Fazit

Der Zuzug von Tieren in die Stadt ist ein langfristiger Prozess, der in vielen Städten dieser Welt voranschreitet. Der Themenbereich urbane Wildnis erfordert daher die notwendige nachhaltige Beschäftigung mit der durchaus anspruchsvollen Integration eines ganzen Ökosystems im Spannungsfeld zwischen Architektur und Stadtplanung sowie der Wahrung der verständlichen Bedürfnisse der Menschen und der Rechte der Natur.

Die Grünraumpolitik der Stadt Wien lässt dort, wo es möglich ist, wildnisähnliche Entwicklungen zu bzw. fördert ganz bewusst die Eigendynamik biologischer Entwicklungsprozesse. Das Wildtierservice Wien des Forst- und Landwirtschaftsbetriebs (MA 49) leistet einen wichtigen Beitrag zum Erhalt eines gesunden und ausgewogenen Wildtierbestand im städtischen Raum. Es vereint operatives Wildtiermanagement wie z.B. Bibermonitoring und Taubenmanagement, sowie wissenschaftliche Forschung und eine Wildtierstation zur Pflege verletzter Tiere.[10].
—————————————————————————————————————————Quellen:

[1] WienExtra: Wasserpark Kinder
https://wienxtra.at/kinder/blog/wasserpark-floridsdorf/Zugriff 3.5.2026
[2] Jagdfakten.Wildes Wien – Die Grosstadt als attraktiver Lebensraum für Wildtiere.
https://www.jagdfakten.at/wildes-wien-die-grossstadt-als-attraktiver-lebensraum-fuer-wildtiere/ Zugriff 3.5.2026
[3] Wiener Wildnis. Multimediale Platform zum Thema „Stadtnatur“
https://wienerwildnis.at/ Zugriff 3.5.2026
[4] Papajewski, M.,Mai 2025: Zwischen Stille und Leben – Wiens Friedhöfe als Tierparadiese.
https://www.marco-papajewski.de/post/zwischen-stille-und-leben-wiens-friedh%C3%B6fe-als-tierparadiese
[5] Imkerverein Donaustadt.Die Biene im Jahreskreislauf.
https://ivd-wien.jimdofree.com/biene-imkern/die-biene-im-jahreskreislauf/ Zugriff
3.5.2026
[6] StadtWildTiere Österreich.https://www.stadtwildtiere.at/node/10609/ Zugriff 3.5.2026
[7] Wiener Umweltanwaltschaft.Baumassnahmen für Wildtiere.
https://wua-wien.at/naturschutz-und-stadtoekologie/baumassnahmen-fuer-wildtiere [8] StadtWildTiere Österreich. Künstliches Licht und seine Auswirkungen auf Pflanzen und Tiere.
https://wien.stadtwildtiere.at/info/kuenstliches-licht-und-seine-auswirkungen-auf-pflanzen-und-tiere Zugriff 3.5.2026
[9] Wildtierservice Wien – Beratung und Hilfe zum Umgang mit Wildtieren
https://www.wien.gv.at/zusammenleben/wildtiere Zugriff 3.5.2026

[10] Wildtierservice Wien – Aufgaben und Arbeitsweise https://www.wien.gv.at/kontakt/ma49-wildtierservice#bereiche


Veronika Maierhofer

Schreiben macht mir Freude und Umweltthemen sind für mich sehr wichtig. Fotografie ist meine Leidenschaft, TaiChi fokussiert mich und für jede Art von Kunst kann ich mich begeistern. Ich lebe das halbe Jahr ganz urban in Wien und sonst meist am Bauernhof am Attersee.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert