Vom Einfluss der Modeindustrie auf die Umwelt:  Fast Fashion – Zahlen und Fakten (von Benjamin Kraus)

Der Mensch als klügstes aller Tiere hat ein großes und hochentwickeltes Gehirn, aber kein Fell, das ihn vor Witterung schützt, weshalb er auf Kleidung angewiesen ist. Aber Kleidung ist längst nicht mehr nur funktional, sie ist vielmehr auch ein Ausdruck von Individualität, Status und Gruppenzugehörigkeit, was sich auch in Phrasen wie: “Kleider machen Leute” ausdrückt. Der Modekonsum steigt und die Trends der Modewelt werden immer schnelllebiger ,was auch die Umwelt nicht verschont lässt. Aber welche Auswirkungen hat unser Modekonsum auf Klima und Umwelt?

Was ist Fast Fashion?

Der Begriff “Fast Fashion” bezeichnet billig und schnell produzierte Mode. Also das Geschäftsmodell der Bekleidungsindustrie immer mehr und immer schneller Kleidung zu produzieren. Indem etwa immer mehr Kollektionen schnell und trendbezogen produziert und günstig verkauft werden, um den Profit maximal zu steigern. So erscheinen von den großen Geschäften teilweise bis zu 24 Kollektionen pro Jahr, während es 1950 noch zwei bis vier waren. [1] Das wirkt sich auch auf die Qualität und Haltbarkeitsdauer der Kleidung aus, befeuert die Ausbeutung von Arbeiter:innen und führt zudem dazu, dass immer mehr Kleidung weggeworfen wird. Das Geschäftsmodell steht besonders auch aufgrund der ökologischen Auswirkungen in Form von Ressourcenverbrauch, Umweltverschmutzung und Treibhausgasemissionen in der Kritik. [2]

Arten von Umwelteinflüssen durch die Modeindustrie

Klimaschädliche Treibhausgase werden bei der Gewinnung von Kunstfasern durch die Förderung von Erdöl vor allem durch die Verarbeitung und Produktion von Textilien sowie durch Logistik und Transport ausgestoßen. Dabei werden auch Unmengen an Wasser benötigt, was durch die Behandlung mit Chemikalien zur Umweltverschmutzung beiträgt . Außerdem werden die Weltmeere durch synthetische Stoffe mit Mikroplastik verschmutzt. Beim Anbau von Baumwolle kommen zudem auch Pestizide zum Einsatz, welche die Böden schädigen. Letztlich resultiert Fast Fashion wegen einer Wegwerfkultur auch in enormer Ressourcenverschwendung und riesigen Müllmengen.

Zahlen und Fakten

Die globale Modeindustrie hat einen geschätzten Marktwert von 161 Milliarden Dollar und soll 

Prognosen zufolge bis 2030 auf 220 Milliarden ansteigen. [3] Andere Quellen sprechen sogar von 2,5 Billionen Dollar. [4] Global gesehen ist die Modeindustrie schätzungsweise mit etwa fünf Milliarden Tonnen jährlich für bis zu 8-10% der gesamten CO2-Emissionen verantwortlich und verursacht somit mehr Emissionen als Luft- und Schifffahrt zusammen. [5] Außerdem verbraucht die Modeindustrie jährlich etwa 79 Billionen Liter Wasser, das sind 79 Millionen Kubikmeter, wobei ein Kubikmeter Wasser 1000 Litern entspricht. [6]  Andere Quellen sprechen von 215 Billionen Litern jährlich. [7] Auch wenn die Zahlen hierzu in verschiedenen Quellen nicht einheitlich sind ist ein enormer Ressourcenaufwand festzustellen.

Die Produktion von Kleidung hat sich seit dem Jahr 2000 verdoppelt. [8] Im Jahr 2014 haben Menschen im Schnitt 60% mehr Kleidung gekauft als noch im Jahr 2000, diese aber nur halb so lange getragen. [9] Die Produktion eines Baumwollshirts benötigt 2700 Liter Wasser, die Menge, die ein Mensch durchschnittlich in 2,5 Jahren trinkt. [10] Das Waschen von Kleidung verschmutzt die Meere jährlich mit 500.000 Tonnen Plastikmikrofasern, was 50 Millionen Plastikflaschen entspricht. [11] Schätzungsweise sind 35% des Mikroplastiks in den Meeren auf das Waschen von synthetischen Textilien zurückzuführen. [12] Ungefähr 60% aller Kleidung besteht aus Polyester, dessen Produktion zwei bis dreimal so viel CO2 ausstößt wie Baumwolle und dadurch, dass es biologisch nicht abbaubar ist, zur Verschmutzung der Meere mit Mikroplastik beiträgt. [13] Auf die Textilindustrie sind durch Praktiken wie der Textilfärbung global gesehen außerdem etwa 20% der Wasserverschmutzung zurückzuführen. [14] 

Zudem ist die Textilindustrie jährlich für etwa 90 bis 120 Millionen Tonnen Abfall verantwortlich. [15] So werden in Europa etwa vier bis neun Prozent der unverkauften und ungetragenen Textilien, etwa wegen Online-Retouren, weggeworfen und zerstört. [16] Von der in Europa weggeworfenen Kleidung landen 87% auf Mülldeponien oder werden verbrannt und lediglich ein Prozent wird recycelt. [17] In Österreich landen laut einer Studie des Umweltbundesamts aus dem Jahr 2022 jährlich 220.000 Tonnen Textilabfälle im Müll, wovon der überwiegende Anteil verbrannt und nur 17% recycelt werden. [18] 

Bei einer Breite von 800 Metern und einem Radius von 400 Metern wäre der Berg der global jährlichen 120 Millionen Tonnen Textilabfall gestapelt 5509 Meter hoch.

(https://thesustainableagency.com/blog/impact-of-fast-fashion-stats-and-facts/

Was man dagegen tun kann

Für den/die Konsument:in ist die klare Empfehlung, weniger neue Kleidung zu kaufen und auf Qualität zu achten, sodass die Kleidung länger getragen werden kann. Ebenso empfiehlt es sich, nachhaltige Kleidung aus langlebigen oder recycelten Materialien zu kaufen und Kleidung reparieren zu lassen. Außerdem kann man durch Second-hand Shopping oder etwa durch Kleidertäusche dazu beitragen, dass weniger neue Kleidung konsumiert wird. Es ist auch gut Online-Shopping zu vermeiden da dieses durch die Lieferung und potentielle Retouren noch emissionsreicher ist und tendenziell auch eher zu Impulskäufen führt.

Jedoch sollte man die Verantwortung bei solchen Fragen nicht alleine auf den/die Konsument:in abwälzen. Politik und Gesetzgebung sollten Regulationen schaffen, welche die Industrie zu weniger umweltschädlichem Verhalten drängen, indem etwa umweltschädliche Aktivitäten stärker besteuert werden. Die Industrie muss Überproduktion vermindern und auf effizientere und weniger energieintensive Produktion setzen und Recyclingtechnologien und -möglichkeiten ausbauen, was jedoch ohne Anreize oder Zwang durch politische Maßnahmen wohl kaum zustande kommen wird. Insofern ist politischer Druck und Engagement auch hier von großer Bedeutung. Auch wenn es immer mehr nachhaltige Modelabels gibt, bedienen gerade die großen Player das Modell der Fast Fashion. Und auch bei vorgeblich nachhaltiger Mode ist Greenwashing, also eine auf Täuschung basierende umweltfreundlichere Darstellung des eigenen Image, möglich, weshalb Transparenz enorm wichtig ist. Zudem wird auch gefordert, das Modell der Fast Fashion komplett aufzugeben und diesem das Konzept der Slow Fashion, eben mit Fokus auf Nachhaltigkeit, als bewussten Gegenentwurf entgegenzusetzen. Es muss jedenfalls ein Umdenken stattfinden, sowohl auf individueller als auch auf systemischer Ebene.

Fazit

Dieser Beitrag fokussiert sich auf die umweltbezogenen Einflüsse von Fast Fashion und der Textilindustrie, welche in Form von Ausbeutung von Arbeitskräften unter fürchterlichen Bedingungen im globalen Süden aber auch enorme soziale und menschliche Kosten verursachen. Die Modeindustrie hat demnach aufgrund von Ressourcenverschwendung, Wasser- und Umweltverschmutzung und Treibhausgasemissionen verheerende und oft vernachlässigte Folgen für Klima und Umwelt und die Prognosen deuten alle auf einen Anstieg jener Trends hin. 

Doch das Bewusstsein dieser Missstände nimmt zu, sowie Maßnahmen diesen entgegenzuwirken, etwa in Form von Second-hand Kleidung oder Kleidertäuschen.  Die Verantwortung kann jedoch nicht allein beim Konsument*in liegen, weshalb Druck auf die Politik und politisches Engagement wie so oft vonnöten ist.

Eine Auflistung nachhaltiger Modegeschäfte in Wien ist hier zu finden: https://www.wien.info/de/lebenswertes-wien/nachhaltiges-wien/nachhaltige-mode-in-wien-353464 

Und hier eine Auflistung von Online Shops zu faierer Mode: https://www.global2000.at/faire-mode 

[1] https://www.wir-leben-nachhaltig.at/fast-fashion-negative-auswirkungen-auf-umwelt-und-gesundheit/ ; https://www.derstandard.at/story/3000000216371/warum-kleidung-heute-schneller-kaputtgeht-als-frueher

[2] https://humana.at/fast-fashion-und-ultra-fast-fashion/ 

[3] https://thesustainableagency.com/blog/impact-of-fast-fashion-stats-and-facts/; https://www.thebusinessresearchcompany.com/report/fast-fashion-global-market-report 

[4] https://unece.org/forestry/press/un-alliance-aims-put-fashion-path-sustainability 

[5] https://earth.org/fast-fashions-detrimental-effect-on-the-environment/; https://science.orf.at/stories/3215032/; Niinimäki, K., Peters, G., Dahlbo, H., Perry, P., Rissanen, T., & Gwilt, A. (2020). The environmental price of fast fashion. Nature reviews earth & environment, 1(4), 189-200.  

[6] https://science.orf.at/stories/3215032/; Niinimäki, K., Peters, G., Dahlbo, H., Perry, P., Rissanen, T., & Gwilt, A. (2020). The environmental price of fast fashion. Nature reviews earth & environment, 1(4), 189-200.  

[7]  https://thesustainableagency.com/blog/impact-of-fast-fashion-stats-and-facts/ 

[8] https://www.businessinsider.com/fast-fashion-environmental-impact-pollution-emissions-waste-water-2019-10 

[9] https://unece.org/fileadmin/DAM/RCM_Website/RFSD_2018_Side_event_sustainable_fashion.pdf 

[10] https://www.businessinsider.com/fast-fashion-environmental-impact-pollution-emissions-waste-water-2019-10 

[11] https://earth.org/fast-fashions-detrimental-effect-on-the-environment/; https://science.orf.at/stories/3215032/; Niinimäki, K., Peters, G., Dahlbo, H., Perry, P., Rissanen, T., & Gwilt, A. (2020). The environmental price of fast fashion. Nature reviews earth & environment, 1(4), 189-200.  

[12] https://www.businessinsider.com/fast-fashion-environmental-impact-pollution-emissions-waste-water-2019-10  

[13] https://www.businessinsider.com/fast-fashion-environmental-impact-pollution-emissions-waste-water-2019-10 

[14] https://www.businessinsider.com/fast-fashion-environmental-impact-pollution-emissions-waste-water-2019-10 

[15] https://thesustainableagency.com/blog/impact-of-fast-fashion-stats-and-facts/ 

[16] https://www.wir-leben-nachhaltig.at/fast-fashion-negative-auswirkungen-auf-umwelt-und-gesundheit/ 

[17] https://volksgruppen.orf.at/diversitaet/stories/3156673/ 

[18] https://science.orf.at/stories/3215032/; https://www.umweltbundesamt.at/news220207 

Quellen

https://www.businessinsider.com/fast-fashion-environmental-impact-pollution-emissions-waste-water-2019-10

https://byaylinkoenig.com/de-at/blogs/fashion/die-dunkle-seite-der-mode-vor-und-nachteile-von-fast-fashion

https://byaylinkoenig.com/de-at/blogs/fashion/ausbeutung-und-umweltschaden-warum-ist-fast-fashion-so-schlecht-fur-uns-alle

https://carbonliteracy.com/fast-fashions-carbon-footprint/

https://www.derstandard.at/story/3000000216371/warum-kleidung-heute-schneller-kaputtgeht-als-frueher

https://earth.org/fast-fashions-detrimental-effect-on-the-environment/

https://greenpeace.at/kampagnen/fast-fashion

Niinimäki, K., Peters, G., Dahlbo, H., Perry, P., Rissanen, T., & Gwilt, A. (2020). The environmental price of fast fashion. Nature reviews earth & environment, 1(4), 189-200.  

https://science.orf.at/stories/3215032

https://thesustainableagency.com/blog/impact-of-fast-fashion-stats-and-facts

https://unece.org/fileadmin/DAM/RCM_Website/RFSD_2018_Side_event_sustainable_fashion.pdf

https://unece.org/forestry/press/un-alliance-aims-put-fashion-path-sustainability

https://volksgruppen.orf.at/diversitaet/stories/3156673

https://www.wir-leben-nachhaltig.at/fast-fashion-negative-auswirkungen-auf-umwelt-und-gesundheit

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert